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Mysteriöses U-Boot-Ende von 1864 Rätsel um tote Hunley-Besatzung gelöst

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Das Wrack der RSS Hunley wurde aufwendig untersucht.

(Foto: REUTERS)

Ein verschollenes Kleinst-U-Boot aus dem 19. Jahrhundert kann im Jahr 2000 geborgen werden. Darin finden Forscher die Überreste der Besatzung recht unversehrt. Über die Todesursache wird bisher spekuliert. Doch nun gibt es eine plausible Erklärung.

Die CSS Hunley wurde 1863 auf Kiel gelegt. Sie galt damals als Meisterwerk der Handwerkskunst und wurde aus privaten Mitteln von Horace Lawson Hunley finanziert und nach ihm benannt. Von solchen Kleinst-U-Booten wurden damals mehrere während des Amerikanischen Bürgerkrieges von der Südstaatenmarine gebaut. Doch die H. L. Hunley gelangte zu besonderem Ruhm. Sie versenkte als erstes Unterwasserfahrzeug in der Kriegsgeschichte erfolgreich ein feindliches Schiff. Die Besatzung konnte sich für ihren Erfolg aber niemals feiern lassen, denn die CSS-Hunley kehrte nach dem Angriff nicht mehr zu ihrer Basis zurück.

Lange Zeit wusste man nicht, wo das U-Boot geblieben war. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die hohe Summe von 100.000 Dollar für die Entdeckung des Wracks ausgesetzt. Für den Schriftsteller Clive Cussler war die Suche nach dem verschollenen U-Boot zu einer Obsession geworden. 15 Jahre lang versuchte er mit hohem finanziellen Aufwand zunächst erfolglos, das Wrack im Meer aufzuspüren. Bis es seinem Suchtrupp schließlich am 4. Mai 1995 gelang, die Reste der Hunley in zehn Metern Tiefe vor Sullivan's Island aufzuspüren. Erst fünf Jahre später, im Jahr 2000 konnte das Wrack des U-Bootes geborgen werden.

Doch zunächst mussten rund zehn Tonnen Sedimentablagerungen vom Schiffswrack entfernt werden. Dennoch hatte sich der enorme Aufwand gelohnt. Die Archäologen stießen im Inneren des Wracks auf die Überreste der Besatzung. Sie konnten gut erkennen, dass die Männer im Moment ihres Todes an ihren Handkurbeln saßen, um das U-Boot anzutreiben. Aus diesem Grund und weil die Skelette der Besatzung unversehrt blieben, wusste man lange nicht, woran die Männer der Hunley letzten Endes gestorben sind.

Hunley-Modell im Testbecken

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Die rekonstruierten Gesichter und Oberkörper der Hunley-Besatzung sind in einem Museum ausgestellt.

(Foto: AP)

Doch das ist nun anders, wie ein Forscherteam um Rachel Lance von der Duke University Durham beweist. Die Ingenieurin bezweifelte die bisher gängigen Thesen vom Ertrinken oder Ersticken der Mannschaft. In diesen Fällen hätten die Männer auf irgendeine Weise reagiert und wären nicht an ihren Handkurbeln sitzen geblieben, mutmaßen die Forscher, die davon ausgehen, dass die Männer damals sehr schnell starben. Aus diesem Grund baut das Team ein mit Sensoren bestücktes Modell der Hunley nach und setzt dieses in ein Testbecken. Die Forscher gehen davon aus, dass die Druckwelle des Torpedos, den die Hunley-Besatzung damals auf das gegnerische Schiff abfeuerte, zum plötzlichen Tod der gesamten Mannschaft geführt haben muss.

Der Torpedo war an einem fünf Meter langen Stab am Bug des U-Bootes befestigt. Die Sprengladung am Ende der Stange wurde bei voller Fahrt in den Schiffskörper der USS Housatonic, einem dampfgetriebenen Segelkriegsschiff, gerammt. Die Hunley bewegte sich daraufhin in entgegengesetzte Richtung und löste dadurch die Explosion der Sprengladung aus. Die Schock- und Druckwellen, die dabei entstanden, breiten sich unter Wasser effizienter und weiter aus als in der Luft, erklären die Forscher, die die Explosionen von damals im Testbecken nachstellten und vermaßen. Die Hunley war durch ihre Position den sich kreisförmig ausbreitenden Druckwellen von allen Seiten ausgesetzt.

Zwar reichte die Wucht der Explosion nicht aus, um die Bordwand des U-Bootes zu beschädigen. Im Inneren der Hunley jedoch zerriss sie den Männern die Lungen. Durch so starke Druckunterschiede stirbt man sofort, und zwar ohne dass Spuren am Skelett zurückbleiben, erläutern die Forscher. Darüber hinaus könnten Schädigungen im Gehirn durch massive Druckunterschiede ebenso zu einem schnellen Tod der Besatzung geführt haben.

Die Erkenntnisse der Forscher, die sie im Fachmagazin "Plos One" veröffentlichten, passen perfekt zu den unversehrten Skeletten und der Position der Mannschaft an den Handkurbeln. Die sterblichen Überreste der Kriegshelden wurden am 17. April 2004 feierlich auf dem Magnolia-Friedhof in Charleston, South Carolina, neben den Gräbern ihrer Kameraden bestattet.      

Quelle: ntv.de