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Russlands Ufo im All Rätselraten um den "Satelliten-Killer"

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Immer mehr Satelliten umrunden die Erde - auch Kampfsatelliten?

picture alliance / dpa

Was der Zweck von Satellit Cosmos 2499 ist, verrät Russland nicht. Die Geheimhaltung sorgt für Spekulationen: Ist dieses Objekt, das zunächst für Weltraumschrott gehalten wurde, ein Satelliten-Killer?

Experten für extraterrestrisches Leben haben bereits Entwarnung gegeben: Nicht jedes unbekannte Flugobjekt wird von Außerirdischen gesteuert. "Dieses Ufo könnte ein Satelliten-Killer sein", räumt der Ufo-Experte Alejandro Rojas ein.

Die Rede ist von einem Objekt, das im Mai dieses Jahres am Nachthimmel auftauchte. Mittlerweile hat es einen Namen - mehrere sogar. Cosmos 2499 beispielsweise oder 2014-28E. Das Nordamerikanische Luft- und Weltraum-Verteidigungskommando der USA, NORAD, gab dem Objekt die Nummer 39.765. Wie immer man es nennt, es genießt globale Aufmerksamkeit: Auf der Internetseite n2yo, auf der man die Laufbahnen von Satelliten verfolgen kann, ist es das derzeit am häufigsten aufgerufene Flugobjekt.

Klar ist, wo Cosmos 2499 herkommt: Es war an Bord einer russische Trägerrakete, die am Morgen des 23. Mai auf dem russischen Raketenstartplatz Plessezk abhob. Nach offiziellen russischen Angaben transportierte die Rakete drei Militärsatelliten ins All - Cosmos 2496 bis 2498. Doch schon kurz nach dem Start tauchte neben diesen Satelliten sowie dem Rest der Rakete ein weiterer Gegenstand auf. "Erste Bahnverfolgungsdaten legen nahe, dass neben den drei militärischen Kommunikationssatelliten und der Raketenoberstufe Breeze-KM ein weiteres Objekt eine Endumlaufbahn erreichte", meldete die Internetseite raumfahrer.net am 24. Mai.

Präzise Manöver

Anfangs wurde Cosmos 2499 für Weltraumschrott gehalten. Doch dann fing es an, sich zu bewegen. Mittlerweile zieht es auf einer Höhe von mehr als 1100 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von 7,33 Kilometern pro Sekunde eine zuverlässig berechenbare Bahn. Das war nicht immer so: Cosmos 2499 hat sich mit auffälligen Manövern verdächtig gemacht. Zunächst flog der mutmaßliche Satellit auf andere russische Satelliten zu. Am 9. November schließlich kam es zu einem "Rendezvous" mit der Raketenoberstufe Breeze-KM. Diese Annäherung auf eine Nähe von ein paar Dutzend Metern könnte ein Hinweis auf den Zweck von Cosmos 2499 sein.

Denn gerade dieses präzise Manöver hat Experten und Medien auf den Gedanken gebracht, Cosmos 2499 könnte der Prototyp eines sogenannten Satelliten-Killers sein. Bereits in der Frühzeit des Kalten Kriegs arbeiteten die Supermächte an Waffen, mit denen Satelliten des Gegners unschädlich gemacht werden sollten. Offiziell hat Russland das sowjetische Kampfsatelliten-Programm nach dem Zusammenbruch des Ostblocks eingemottet. 2010 gab es von russischer Seite allerdings Drohungen, die Forschungen wieder aufzunehmen.

Auch andere Länder sollen Kampfsatelliten entwickeln

Die "Financial Times", die als erstes Medium über das unbekannte Flugobjekt berichtete, betont, der Zweck von Cosmos 2499 sei unbekannt und könne durchaus ziviler Natur sein. Interessant sei das Objekt allerdings, weil Russland seinen Start ins All geheim gehalten habe - und wegen seiner seltsamen und präzisen Bewegungen im All.

RT.com, die englischsprachige Nachrichtenseite des staatlichen Medienkonzerns Rossija Sewodnja, zog die Meldungen über Cosmos 2499 dagegen mit einem Verweis auf James-Bond-Filme ins Lächerliche. Gleichzeitig stellte der Sender die Notwendigkeit von Satelliten-Killern infrage: Heute seien Angriffe auf Kommunikationsdaten anderer Länder effektiver.

Vorerst bleibt das Rätsel um das unbekannte Flugobjekt namens Cosmos 2499 also ungelöst. Überraschend wäre es jedoch nicht, wenn Russland tatsächlich mit Kampfsatelliten experimentieren würde. Experten sagten der unabhängigen Zeitung "Moscow Times", nicht nur Russland, auch China, die USA und Großbritannien seien dabei, potenzielle Satelliten-Killer zu entwickeln.

Quelle: n-tv.de