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Gefahr aus Indien und Südostasien Reisende schleppen multiresistente Keime ein

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30,4 Prozent der untersuchten Fernreisenden trugen laut der Studie multiresistente Keime in sich.

(Foto: imago stock&people)

Multiresistente Keime werden vermehrt zum Problem. Eine Studie legt nun offen, dass ein Drittel aller Fernreisenden in Risikogebieten auch Bakterien dieser Art mit nach Hause bringen. Wie sich die Erreger übertragen, gibt den Forschern aber noch Rätsel auf.

Deutsche Urlauber bringen von ihren Fernreisen häufig gefährliche multiresistente Keime mit, gegen die viele Antibiotika nicht mehr wirken. Fast ein Drittel der Reisenden ist nach der Heimkehr aus Gebieten mit hoher Erregerdichte tatsächlich Träger multiresistenter Erreger. Das zeigt eine Studie von Mikrobiologen des Universitätsklinikums Leipzig. Antibiotika-resistente Bakterien sind ein zunehmendes Problem in Deutschland, vor allem in den Krankenhäusern. Die von solchen Bakterien ausgelösten Infektionen sind schwer oder manchmal gar nicht zu behandeln.

Im Zentrum der Studie standen sogenannte ESBL-bildende Bakterien, die gegen die Mehrzahl der verfügbaren Antibiotika resistent sind. Eine Besiedlung mit diesen Darmbakterien ist für Gesunde in den meisten Fällen ungefährlich und verursacht keine Symptome. Für Kranke oder immunschwache Menschen können sie aber zur Gefahr werden.

Wert höher "als bisher angenommen"

Die Leipziger Mediziner analysierten zwischen Mai 2013 und April 2014 die Daten von 225 Reisenden vor und nach einer Fahrt in Gebiete mit hohem Vorkommen multiresistenter Erreger (MRE). Am häufigsten wurden die Erreger demnach nach Indien-Reisen festgestellt. In diesen Fällen trugen mehr als 70 Prozent der Reisenden die problematischen Keime in sich. Auch jeder zweite Südostasien-Reisende brachte die multiresistenten Bakterien mit nach Hause.

Insgesamt sei bei 30,4 Prozent der untersuchten Fernreisenden eine Besiedlung mit ESBL-bildenden Bakterien nachgewiesen worden, erklärte Christoph Lübbert, Leiter der Infektions- und Tropenmedizin am Uniklinikum. Dieser Wert sei "höher als bisher angenommen". Frühere Studien gingen von Raten zwischen 14 und 25 Prozent aus.

Die genauen Übertragungsmechanismen dieser Erreger sind noch nicht vollständig bekannt. Der Studien zufolge hatten weder gründliche Händehygiene noch die ausschließliche Verwendung verpackter Getränke während der Reise eine überzeugende Schutzwirkung. Durchfallerkrankungen gehen allerdings mit einem erhöhten Übertragungsrisiko einher. Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "International Journal of Medical Microbiology" veröffentlicht.

Quelle: ntv.de, lda/AFP

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