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100 Mal so groß wie Saturn-Ringe Riesiges Ringsystem kreist um Exoplaneten

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Ringsystem um J1407b - mit Saturn und seinen Ringen im Vergleich, oben rechts. (Computergrafik)

(Foto: Ron Miller/dpa)

Wenn der Saturn ähnlich gigantische Ringe hätte, wären sie von der Erde aus zu sehen: Forscher entdecken einen Planeten, der wohl von riesigen Staubscheiben umkreist wird. Allerdings "falsch herum" - was sehr ungewöhnlich ist.

Astronomen haben einen Planeten mit einem gigantischen Ringsystem identifiziert. Die Ringe kreisen demnach in "falscher" Richtung: entgegen der Drehrichtung um den Planeten, in der dieser seinen Stern umrundet. Das sei zumindest die beste Erklärung für die Beobachtung einer Serie seltsamer Helligkeitsschwankungen des Sterns mit der Katalognummer J1407, erläutern Steven Rieder vom japanischen Forschungszentrum Riken und Matthew Kenworthy von der Universität Leiden in den Niederlanden. Sie stellen ihre Arbeit in einem Aufsatz vor, der zur Veröffentlichung im Fachblatt "Astronomy & Astrophysics" angenommen worden ist.

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Lägen die J1407b-Ringe um den Saturn herum, könnten wir sie von der Erde aus sehen - so wie hier auf der Illustration.

(Foto: M. Kenworthy/Leiden/dpa)

Aus den Helligkeitsschwankungen hatten die Astronomen geschlossen, dass der Stern einen Planeten mit einem Ringsystem besitzt, das mehr als hundertmal so groß ist wie die Ringe des Saturn in unserem Sonnensystem. Allerdings blieb fraglich, ob ein so großes Ringsystem überhaupt Bestand haben kann. Denn der Exoplanet mit der Katalognummer J1407b kreist auf einer stark eiförmigen Bahn um seinen Stern. Dabei kommt er seiner Sonne mal sehr nahe, dann entfernt er sich wieder weit von ihr. Die im Laufe eines elf Jahre langen Umlaufs stark schwankende Schwerkraftwirkung des Sterns kann die Riesenringe schnell zerstreuen.

Ringe können sich durchaus halten

Simulationsrechnungen haben nun aber gezeigt, dass sich die Ringe durchaus halten können - allerdings unter einer besonderen Voraussetzung: "Das System ist nur stabil, wenn sich die Ringe entgegen der Richtung drehen, in welcher der Planet seinen Stern umkreist", berichtet Rieder in einer Mitteilung der Universität Leiden. Dann können die Ringe für mindestens 10.000 Umläufe des Planeten existieren.

Da eine solche sogenannte retrograde Rotation sehr ungewöhnlich ist, nehmen Rieder und Kenworthy an, dass die Ringe das Produkt einer kosmischen Katastrophe sind und sich nicht aus bereits vorhandenem Staub angesammelt haben. Die Forscher wollen nun genauer untersuchen, wie sich die Ringstruktur gebildet haben könnte und ob sie sich mit der Zeit verändert.

Quelle: ntv.de, Till Mundzeck, dpa