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"Hallo, Welt!" "Rosetta" ist aufgewacht und einsatzbereit

Die erste Landung Europas mit einem Minilabor auf einem Kometen rückt näher. Nach einem "Energiesparschlaf" von 957 Tagen ist die Raumsonde "Rosetta" wieder aktiv. Das ESA-Kontrollzentrum erhält das entscheidende Signal, dass die Sonde wieder wach ist.

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Tolle Stimmung beim DLR.

(Foto: Reuters)

Die Kometensonde "Rosetta" ist nach jahrelangem "Winterschlaf" aufgewacht. "Rosetta" sei einsatzbereit, meldete die europäische Weltraumagentur ESA am Abend. "Hallo, Welt!", twitterte die ESA in Anspielung auf das von "Rosetta" zur Erde gesandte Signal. Ein Webcast zeigte jubelnde Wissenschaftler im Kontrollzentrum in Darmstadt.

Das "Aufwachen" von "Rosetta" ist ein Meilenstein für die spektakuläre Kometenmission der ESA. Nach mehr als zehn Jahren im All soll die Sonde im Sommer den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko erreichen. "Rosetta" soll dann in eine Umlaufbahn um den Kometen einschwenken und im November das Landegerät "Philae" auf dem Vier-Kilometer-Brocken aus Eis, gefrorenem Gas und Staub absetzen.

Von der 2004 gestarteten Mission erwarten die Forscher Aufschlüsse über die Zusammensetzung von Kometen, die als Überbleibsel bei der Entstehung des Sonnensystems von 4,6 Milliarden Jahren gelten.

Der automatische Weckvorgang für die Instrumente an Bord der 810 Millionen Kilometer von der Erde entfernten Sonde hatte am Vormittag begonnen. Die Wissenschaftler mussten mehr als acht bange Stunden ausharren, bis "Rosetta" schließlich das ersehnte Signal funkte. "Es war das Bilderbuch-Ende eines angespannten Kapitels", erklärte die ESA.

Erstes Rendezvous mit einem Kometen

Weltraumforscher vergleichen das Projekt mit der Mondlandung von 1969. Es wäre das erste Mal, dass eine Sonde auf einem Kometen landet. Ein Asteroid war bereits 2005 Ziel der japanischen Raumsonde "Hayabusa". Sie landete auf "Itokawa" und brachte davon fünf Jahre später Bodenproben zur Erde.

"Philae" aber ist ein anderes Schicksal beschert, denn im August 2015 wird Komet 67P/Tschurjumow-Gerasimenko auf seiner Bahn der Sonne am nächsten sein. Dann wird es für den auf ihm gelandeten "Philae" zu heiß. Wissenschaftler gehen davon aus, dass dies für den Lander das Aus bedeutet. Ihren Zweck erfüllt die Mission dennoch, denn wenn "Philae" gelandet ist, "habe er schon ein paar Tage später seinen Dienst getan", so die Forscher.

"Das heikelste ist die Landung selbst", sagt Stephan Ulamec, der "Philae"-Projektleiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). "Wir wissen nicht, ob die Oberfläche des Kometen weich oder hart ist." Gelandet wird im November deshalb auch ganz langsam. "Wir werden versuchen, einen Aufprall zu verhindern."

"Rosetta" muss jetzt Tempo machen

Das Aufwachen "Rosettas" war mit dem Hochfahren eines Computers vergleichbar. Dass sie schon so lange im All unterwegs ist, hat seinen Grund: "Rosetta" muss genug Tempo bekommen, um den rasend schnellen Kometen einzuholen. 800 Millionen Kilometer ist "Rosetta" zurzeit von der Erde entfernt. Bis zum Kometen ist es - für Weltall-Verhältnisse - mit neun Millionen Kilometern nicht mehr allzu weit.

Wenn die Mission, wie geplant, im Dezember 2015 endet, wäre "Rosetta" 7,1 Milliarden Kilometer geflogen. Der Weckruf für das Landegerät "Philae" übrigens ist nach Angaben des DLR für den 28. März geplant.

Quelle: ntv.de, asc/ppo/dpa