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Wenn die Augen nachlassen oder sogar erkranken, ist Stress programmiert.
Wenn die Augen nachlassen oder sogar erkranken, ist Stress programmiert.(Foto: imago/Norbert Schmidt)
Dienstag, 10. Juli 2018

Teufelskreis bis zur Erblindung: Stress lässt die Sehkraft schwinden

Verspannungen, Schmerzen, Verdauungsprobleme: Dauerhafter Stress kann viele verschiedene körperliche Folgen haben. Auch die Sehkraft kann dadurch kontinuierlich abnehmen oder zu Augenerkrankungen führen. Das macht neuen Stress.

Stress wirkt sich auch auf die Sehkraft aus. Umgekehrt ist auch der Verlust der Sehkraft ein anerkannter Stressfaktor. Der Zusammenhang zwischen anhaltendem psychologischen Stress und dem Sehrkraftverlust ist somit ein echter Teufelskreis, der unbedingt durchbrochen werden muss, um die Sehkraft zu erhalten. Das haben Forscher um Professor Bernhard Sabel, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie der Universität Magdeburg, herausgefunden. 

Stress erhöht den Cortisolspiegel im Körper. Ist die Cortisolkonzentration über einen längeren Zeitraum erhöht, dann beeinträchtigt das die Funktionsfähigkeit der Augen und des Gehirns. "Kontinuierlicher Stress und langfristig erhöhte Cortisolwerte können sich negativ auf das Auge und das Gehirn auswirken, da das vegetative Nervensystem unausgeglichen ist, die Blutgefäße dysreguliert werden und der Augeninnendruck steigt", erklärt Prof. Sabel. Demnach sind sowohl das Auge als auch das Gehirn am  Sehverlust beteiligt. Viele Betroffene selbst vermuten, dass Stress eine Ursache für ihren Sehverlust darstellte. Untersuchungen dazu gibt es hingegen nur wenige.

Stress ist Ursache und Konsequenz gleichzeitig

(Foto: Sabel et al., EPMA Journal 2018)

Augenerkrankungen wie erhöhter Augeninnendruck, endotheliale Dysfunktion, auch als Flammer-Syndrom bezeichnet, und Entzündungen sind nur einige der Folgen von Stress, die weitere Schäden verursachen können. Bekommt nun ein Patient von seinem Arzt den vollständigen Sehverlust prognostiziert, dann stellt das einen weiteren Stressfaktor und dementsprechend eine Doppelbelastung dar, die wiederum zur Verschlechterung des Krankheitszustandes führen kann. Ein Teufelskreis entsteht.

Um diesen zu vermeiden oder zu durchbrechen, hat Professor Sabel einen ganzheitlichen Behandlungsansatz entwickelt, der Stressmanagement, Patientenaufklärung und Techniken zur Wiederherstellung der Sehkraft am SAVIR-Center für Sehstörungen in Magdeburg kombiniert.

Stressreduktions- und Entspannungstechniken wie beispielsweise autogenes Training oder Psychotherapie sollten nicht nur als Ergänzung traditioneller Behandlungen des Sehverlustes, sondern auch als potenziell präventive Mittel gegen das Fortschreiten des Sehverlustes eingesetzt werden. Des Weiteren sind die behandelnden Ärzte gefragt. Sie sollten ihr Bestes tun, um eine positive Einstellung und Optimismus zu vermitteln und ihren Patienten auch Informationen zur Bedeutung von Stressreduktion geben. Ebenso sollten Betreuer und Familienmitglieder in Bezug auf Stressmanagement einbezogen werden. "Stress-Reduktion sollte demnach ein ergänzendes Behandlungsziel sein", so Prof. Sabel, "denn eine ganzheitliche Ergänzung der augenärztlichen Behandlungen etwa mit Elektrostimulation und Entspannungsverfahren bietet neue Chancen, die Sehleistung bei Erkrankungen wie dem Glaukom oder der Schädigung des Sehnervs zu verbessern."

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift "The EPMA Journal".

Quelle: n-tv.de