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Nur sieben Prozent der Meeresarten in der Europäischen Union haben gute Chancen darauf, dass sie nicht aussterben.
Nur sieben Prozent der Meeresarten in der Europäischen Union haben gute Chancen darauf, dass sie nicht aussterben.(Foto: picture alliance / Wolfgang Rung)
Freitag, 23. März 2018

Raubbau an der Natur: Studie sieht Menschheit in Gefahr

Der Welt droht das erste massenhafte Artensterben seit dem Untergang der Dinosaurier. Dies befürchten zumindest Wissenschaftler des Weltbiodiversitätsrats. Sie prognostizieren fatale Folgen, wenn alles so weitergeht wie bisher.

Die Menschheit riskiert einer umfassenden Studie zufolge durch die Ausbeutung der Natur ihren derzeitigen Lebensstandard und sogar ihr eigenes Fortbestehen. Die Biodiversität nehme in allen Regionen der Welt ab, heißt es in insgesamt vier veröffentlichten Berichten des Weltbiodiversitätsrats IPBES.

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Die Entwicklung bedrohe weltweit Wirtschaftsräume, Existenzgrundlagen, Nahrungsversorgung und Lebensqualität, schlussfolgert die größte Untersuchung der Biodiversität seit 2005. Sollte sich nichts verändern, werde das erste von Menschen verursachte massenhafte Artensterben weitergehen, sagte der IPBES-Vorsitzende Robert Watson.

Laut der Studie können die Fischbestände in der Asien-Pazifik-Region bis zum Jahr 2048 erschöpft sein. Bis zu 90 Prozent der dortigen Korallenvorkommen werden demnach bis 2050 "starke Schäden" erleiden. Mehr als die Hälfte der afrikanischen Vogel- und Säugetierarten könnten bis 2100 aussterben. In der EU haben laut Studie nur sieben Prozent der Meeresarten eine gute Aussicht auf ein Fortbestehen.

Viele Wirbeltierarten ausgestorben

Die IPBES-Studie umfasst vier Berichte, an denen mehr als 550 Wissenschaftler drei Jahre arbeiteten. Sie bewerteten die Situation in allen Weltregionen außer der Antarktis und dem offenen Meer. Der unersättliche Konsum der Biodiversität hat nach Angaben der Wissenschaftler das erste massenhafte Artensterben seit dem Untergang der Dinosaurier entfesselt. Zwei Wirbeltierarten seien in jedem Jahr des vergangenen Jahrhunderts ausgestorben.

Erst am Dienstag war das letzte männliche Exemplar der Nördlichen Breitmaulnashörner in Kenia gestorben. An vielen Orten der Welt trägt die Erderwärmung zum Rückgang der Biodiversität bei, schlussfolgert der Bericht. "Der Klimawandel beeinflusst die Biodiversität, Veränderungen in unserer natürlichen Vegetation beeinflussen den Klimawandel", sagte IPBES-Chef Watson.

Trotz aller schlechten Nachrichten haben die Wissenschaftler Hoffnung, dass das Artensterben maßgeblich abgebremst werden kann. Dafür müssten mehr Schutzgebiete geschaffen, zerstörte Gebiete wiederhergestellt und Subventionen für die Landwirtschaft überdacht werden. Verbraucher sollten ihren Fleischkonsum reduzieren. Für verschiedene Regionen wird es verschiedene Lösungen geben müssen, sagte Watson. "Es ist noch nicht zu spät."

Quelle: n-tv.de