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Mit doppelter Schlagkraft Substanz hemmt HI-Virus und MRSA-Keime

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Das Bakterium Staphylococcus aureus (rot) bildet Resistenzen gegen Antibiotika aus und ist besonders für HIV-Patienten gefährlich.

(Foto: HZI / M. Rohde)

Auch wenn es schon gut wirksame Medikamente gibt, bleibt das HI-Virus eines der gefährlichsten Erreger. Kommt zu dieser Infektion eine zweite mit resistenten Keimen, dann wird die Behandlung äußerst schwierig. Eine neue Substanz könnte Abhilfe schaffen.

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Grafisches Modell des AIDS-Erregers HIV

(Foto: HZI / Mießen)

Sowohl die Behandlung des Humanen Immundefizienz Virus (HIV) als auch von multiresistenten Bakterien (MRSA) sind für Mediziner eine große Herausforderung. Kommen beide gefährlichen Erreger als sogenannte Koinfektion zusammen, ist die Behandlung äußerst schwierig. Wissenschaftlern des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) ist es nun gelungen, eine neuartige Substanzklasse zu identifizieren, die sowohl das HI-Virus als auch sogenannte methicillinresistente Staphylococcus aureus, die zu den berüchtigten MRSA-Bakterien gehören, zu hemmen.

Mit sogenannten Ureidothiophen-Carbonsäuren wird eine Klasse von Molekülen bezeichnet, die die Forscher um einige neue Varianten erweitert haben. Darunter finden sich neuartige Wirkstoffe, die die Vermehrung sowohl von HIV als auch von MRSA effektiv blockieren. Das Interessanteste daran: "Bisher bekannte resistente Stämme – sowohl bei den Viren als auch bei den Bakterien – sind empfindlich gegen unsere dualen Wirkstoffe", erklärt Walid Elgaher vom HIPS. "Eine schädliche Wirkung auf menschliche Zellen konnten wir bislang nicht feststellen."

Wirkung auf Viren und Bakterien

Auch wenn Viren und Bakterien biochemisch sehr unterschiedlich sind, konnten die Forscher das Wachstum beider Erregerarten durch diesen einen Wirkstoff eindämmen. Sie nutzten dafür die Erkenntnis, dass sowohl HI-Viren als auch Bakterien für Wachstum und Vermehrung bestimmte spezialisierte Enzyme benutzen, um ihre Erbinformation "umzucodieren" und gewissermaßen von einer Schreibweise in eine andere zu übertragen. Die entsprechenden Enzyme – Eiweißmoleküle mit katalytischer Wirkung – sind sich in Funktion und Aufbau ähnlich.  

Weil gerade HIV-Patienten vielfach von den gefürchteten MRSA-Keimen befallen werden, hoffen die Forscher, dass ihre Entdeckung in Zukunft als Therapeutikum eingesetzt werden kann. "Dazu muss allerdings sorgfältig geklärt werden, ob die Substanzen auch in der Zelle und letztlich im menschlichen Patienten wirksam sind und ob sie nicht doch unerwünschte Nebenwirkungen haben“, erklärt Professor Rolf Hartmann, Leiter der Abteilung Wirkstoffdesign und Optimierung am HIPS. "Das erfordert umfangreiche Studien und Entwicklungsarbeiten."

Quelle: ntv.de, jaz

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