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Deutschland friert Warum es plötzlich so kalt ist

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In vielen Teilen des Landes fielen die Temperaturen in der Nacht unter den Gefrierpunkt.

(Foto: dpa)

Vor einer Woche reichte ein Jäckchen, jetzt packen wir Mütze und Handschuhe aus. Wie kommt es zu dem Temperatureinbruch? Ist die Kälte ungewöhnlich für die Jahreszeit? Und müsste es dank Klimawandel nicht eigentlich stets kuschelig sein? Hier zum Wetter das Wichtigste in Kürze.

Wie kommt es, dass es plötzlich so kalt ist? Über Skandinavien liegt zurzeit ein mächtiges Hochdruckgebiet mit dem klangvollen Namen "Oldenburgia". "Das bringt uns von Osten her trocken kühle Luft", sagt n-tv Meteorologe Björn Alexander. Die ist schuld daran, dass wir uns in diesen Tagen vor allem in den Morgenstunden schon in den Frühwinter versetzt fühlen.

Wann kommt der erste Schnee? Im Süden Polens war es schon so weit. Dort wurde die kalte Luft, die "Oldenburgia" brachte, von Niederschlägen begleitet, die bis in tiefe Lagen als Schnee gefallen sind. Hierzulande wird es "in den kommenden Tagen auf den Bergen oberhalb von rund 500 Metern schon mal für einen Zuckerguss reichen", sagt Alexander. "Das betrifft neben den Alpen, die in diesem Jahr ja schon zeitweise Neuschnee bekommen haben, auch unsere Mittelgebirge: also den Kahlen Asten, den Brocken, die Wasserkuppe oder den Fichtelberg."

Sind die Temperaturen ungewöhnlich für Mitte Oktober oder kommt uns das nur so vor? "Die Luftmasse, die sich in den kommenden Tagen bei uns ausbreitet, ist etwa 3 bis 8 Grad kälter als der langjährige Durchschnitt", sagt der n-tv Meteorologe. Grundsätzlich aber sind erste Fröste im Oktober genauso normal wie Tageshöchstwerte von 20 bis 25 Grad. Der Oktober deckt eine ziemlich breite Temperaturspanne ab. Auffällig ist in diesem Jahr, wie rasch es sich abgekühlt hat, fühlte sich doch die vergangene Woche noch an wie Spätsommer.

Wann wird es wieder wärmer? "Richtige Wärme zeigen die Wettermodelle vorerst nicht mehr", sagt der Experte. 7 bis 14 Grad erreichen die Temperaturen Ende dieser Woche. Den Tiefpunkt der Woche durchschreiten wir Alexander zufolge am Mittwoch bei Temperaturen von 2 bis 11 Grad. Nachts sind weiterhin Werte um den Gefrierpunkt möglich. "Selbst wenn ich mal einen vorsichtigen Blick auf die Wetterkarten werfe, die bis in die nächste Woche hinein reichen, sehe ich momentan keine Anzeichen für deutlich mildere Temperaturen", stellt Alexander fest. Es heißt also weiterhin: warm anziehen.

Steht uns auch noch das typische, grau-feuchte Herbstwetter bevor? Ja. Die Bewölkung nimmt zu, und es kommen Niederschläge auf. Ab 500 Metern fällt Schnee, darunter Regen oder Nieselregen. "Die typische Herbstnote auf relativ niedrigem Temperaturniveau lässt leider nicht mehr allzu lange auf sich warten", sagt Alexander. "Und auch danach ist es tatsächlich eher die nasskalte Variante, die uns die Wettermodelle derzeitig berechnen."

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Wenn bei uns Winter ist, ist die Südhalbkugel der Sonne zugeneigt.

(Foto: Horst Frank / Wikipedia / cc-by-sa 3.0)

Lässt die aktuelle Kälte schon Prognosen für den Winter(einbruch) zu? "Nein", lautet die klare Antwort vom n-tv Meteorologen. Auch wer jetzt Eichhörnchen beim Nüssesammeln beobachtet oder Blumenstände analysiert, kann daraus keine Rückschlüsse auf das Winterwetter ziehen. "Selbst richtige Fakten, die uns auf die Spur eines strengen Winter führen könnten - etwa Sonnenfleckenzyklen oder ein unterdurchschnittlich kalter Nordatlantik -, haben sich in der Vergangenheit nicht als beständiger Anzeiger bewährt", weiß Alexander.

Wieso gibt es trotz Klimawandel so kalte Tage? So widersinnig es klingt: Gerade wegen der Erderwärmung wird Europa künftig häufiger Kälterekorde erleben. Das liegt am immer stärker schmelzenden Arktis-Eis. Modellrechnungen zeigen: Je weniger See-Eis in der Arktis ist, umso eher bildet sich dort ein Hochdruckgebiet, das Europa Kälte bringt. Luftströmungen sorgen dann hierzulande für kalte Winterwinde, so dass wir extreme Temperatureinbrüche erleben. An anderen Wintertagen aber kann es ungewöhnlich mild sein. Mittelte man die Temperaturen über alle Wintermonate, zeigte sich in den vergangenen Jahren: Insgesamt wird durch den Klimawandel auch der Winter wärmer.

Und wieso überhaupt wird es im Winter kalt? Da wirken zwei Dinge zusammen. Erstens: Die Erde dreht sich um die Sonne. Und zweitens: Die Erdachse ist geneigt. Das bewirkt, dass in der einen Jahreshälfte die Nordhalbkugel der Sonne zugeneigt ist, in der anderen Jahreshälfte die Südhalbkugel. Ist bei uns Winter, steht die Sonne sehr tief am Himmel. Sie beleuchtet dann viel weniger als im Sommer und auch für kürzere Zeit. Die Folge: Es ist deutlich kälter und früher dunkel.

Quelle: n-tv.de, asc

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