Frage & Antwort

Die Dosis macht das Gift Brauchen wir Stress?

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Viele Deutsche sind von ihrer Arbeit gestresst.

(Foto: picture alliance / dpa)

Burnout, Depressionen, Angstzustände: Stress kann der Gesundheit massiv schaden. Doch Stress und ein gesundes Leben sind kein Widerspruch. Eine gewisse Dosis brauchen wir sogar, sagen Experten. Aber warum ist das so? Und wie können wir Stress positiv nutzen?

Hohe Anspannung, niedrige Reizschwelle und das Gefühl, unter Druck zu stehen - das Bild, das bei den meisten Menschen im Kopf entsteht, wenn sie an Stress denken, ist kein gutes. Und tatsächlich ist zu viel Stress schlecht für die Gesundheit. Oft leiden Betroffene unter Folgen wie Burnout oder Depressionen. Stress hat daher einen schlechten Ruf. Dabei zeigen Studien: Stress kann auch gut sein. Aber in welchen Situationen ist das so? Und wie viel Stress nützt dem Körper?

Als Stress bezeichnet man eine körperliche und psychische Reaktion auf eine Situation, die als schwer zu bewältigen wahrgenommen wird. Doch das wirkt sich positiv auf den Körper aus, denn es macht uns leistungsfähiger: "Der Körper kann sich herausfordernden Situationen besser anpassen und sie besser bewältigen. Wir haben eine bessere Sauerstoffzufuhr, Versorgung der Muskeln und eine stärkere Fokussierung unserer Aufmerksamkeit", sagt Psychologe Lars Schwabe zu n-tv.de.

Und Stress ist nicht gleich Stress. "Wenn eine Situation als besonders bedrohlich erlebt wird, ist es Distress, was man auch typischerweise unter Stress versteht", erklärt Schwabe. "Im Vergleich dazu gibt es aber auch Stresssituationen, wie zum Beispiel eine Hochzeitsvorbereitung, die klassisch als positive Herausforderung wahrgenommen wird." Das bezeichne man als Eustress.

Kein Stress kann krank machen

Doch wann ist Stress positiv und wann ist er negativ? "Ob Stress Eustress oder Distress ist, bezieht sich meist auf die Quelle des Stresses und die eigene Bewertung der Situation", sagt Schwabe. Es sind nicht bestimmte Objekte oder Situationen, die Stress auslösen, sondern immer die Interpretation des Individuums. "Nehmen wir als Beispiel eine Prüfungssituation: Wenn man sich vorstellt, dass alles schiefgehen wird, führt das zu Distress. Wenn man allerdings die gleiche Situation als eine Herausforderung betrachtet und als Möglichkeit, zu zeigen, was man alles kann, dann führt diese Umbewertung zu Eustress."

Wer meint, ein Leben ganz ohne Stress sei die Lösung, irrt. Denn gar kein Stress schadet der Gesundheit ebenfalls. Neben dem bekannten Burnout-Syndrom spricht man auch vom sogenannten Boreout-Syndrom. "Es ist der Gegenpol vom Burnout-Syndrom", erklärt Schwabe. Der Begriff werde in der Wissenschaft aber eher selten verwendet. Stattdessen gehe es eher um eine Form chronischer Unterforderung, die auf Blick auf die psychische Gesundheit problematisch werden könne. "Viele Menschen haben einen gewissen Antrieb, Dinge zu erreichen, und dieses Bedürfnis möchte befriedigt werden. Dazu gehören auch Herausforderungen."

Auf die Menge kommt es an

Welcher Stress positiv oder negativ ist und mit wie viel wir uns wohlfühlen, variiert von Mensch zu Mensch. "Das Wichtigste ist, akuten Stress von chronischem Stress zu unterscheiden", so der Psychologe. Stressphasen und Erholungsphasen müssen sich abwechseln. In Form eines Kurzzeitereignisses profitieren wir jedoch von Stress. Die Dosis bestimmt also das Gift.

Übrigens: Ohne Stress gäbe es heute vermutlich keine Menschen. Bevor es das Wort Stress überhaupt gab, sprachen Wissenschaftler bereits von Herausforderungen der Umwelt auf den Organismus. Hätte die Außenwelt keinen Druck auf die ersten Einzeller in der Frühzeit der Erde ausgeübt, hätten diese sich nie weiterentwickelt und optimiert. Man könnte also auch sagen, Stress ist einer der Gründe, warum hochentwickeltes Leben auf der Erde entstehen konnte.

Quelle: n-tv.de

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