Frage & Antwort

Humor ist individuell Darf man über Corona-Witze lachen?

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Über das Horten von Toilettenpapier entstanden unzählige Corona-Witze.

(Foto: imago images/Bihlmayerfotografie)

Die Corona-Pandemie ist eine Zeit mit hohen Belastungen. Um besser mit den Herausforderungen umgehen zu können, halten sich manche mit Humor über Wasser. Doch ist es moralisch vertretbar, über Corona-Witze zu lachen?

Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Der Ausspruch von Otto Julius Bierbaum ist weitgehend bekannt - und wird auch in Corona-Zeiten umgesetzt. Die Menschen passen ihren Lebensstil nicht nur an die Schutzmaßnahmen an, sondern auch an die Art der Witze und des Humors. Das beweist beispielsweise die Anzahl an Klopapier-Witzen, die während der ersten Zeit der Pandemie im Umlauf waren. Als Corona-Humor bezeichnet das die Humortrainerin Eva Ullmann vom Deutschen Institut für Humor im Gespräch mit ntv.de.

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"Eine Krise verändert und beeinflusst den Humor aller Betroffenen", zitiert die Autorin und Leiterin des Instituts für Humorforschung aus ihrem Buch "Humor ist Chefsache". Die speziellen Themen der Corona-Krise führten auch zu einer neuen Art von Humor, sowohl bei Privatpersonen als auch in der Werbung, erklärt Ullmann weiter.

Das treffe sowohl für den Inhalt von Witzen als auch für die Art und Weise der Verbreitung zu. Über eine Aussage wie "Der Osterhase ist systemrelevant. Natürlich darf der raus!" hätte man beispielsweise vor der Pandemie nicht einmal schmunzeln können. Corona-Humor passiert zudem vor allem im Internet und wird hauptsächlich über die sozialen Medien verbreitet. Da ist es nicht verwunderlich, dass Witze in der Krise auch mal schärfer oder schwärzer ausfallen. Angesichts vieler erkrankter Menschen und pandemiebedingter wirtschaftlicher Nöte stellt sich bei einigen Menschen die Frage, ob man dennoch lachen darf.

"Eindeutig ja, man darf in Corona-Zeiten über Corona-Witze lachen", sagt Ullmann. "Denn Humor ist ein Ventil, das uns alle entlastet und dabei hilft, nicht verrückt zu werden." Über Corona-Witze zu lachen ermögliche zudem, eine Distanz zur gegenwärtigen Situation zu schaffen. "Humor macht zudem das Problem erträglicher", so die Expertin. Ob man dann tatsächlich darüber lacht oder nicht, hängt nicht nur vom Inhalt oder der Qualität des Witzes, sondern auch vom ganz individuellen Humor und von der persönlichen Lebenssituation ab. Denn auch wenn Humor vieles kann und darf, ist dennoch nicht alles witzig - oder geschmackvoll.

Bei manchen Zeichnungen oder Fotomontagen, die tausendfach während des ersten Lockdowns geteilt und weitergeleitet wurden, blieb einem schon mal das Lachen im Hals stecken. Etwa bei dem Foto vom "Hilfspaket für Selbstständige", in dem ein geknüpfter Strick zum Erhängen zu sehen war. Auch die Zeichnung von einem Rettungssanitäter, der zu einem am Boden liegenden Patienten rennt und dabei ruft: "Endlich mal ein Herzinfarkt. Der ganze Corona Scheiß geht mir sowas von auf den Keks" lädt eher nicht zum herzhaften Lacher ein. Diese Art der Witze wird als Aggressiver Humor bezeichnet, erklärt Ullmann. Dem gegenüber steht der sogenannte Soziale Humor, zudem beispielsweise der Osterhasen-Witz gehört.

Aggressiver oder Sozialer Humor

Sozialer Humor ist nur lustig. Über Witze dieser Art könne man gewöhnlich zusammen lachen, sagt Ullmann. Sie sind witzig, positiv und schaffen im besten Falle Nähe zwischen Menschen. Ein Aspekt, der vor allem in Zeiten von weitreichenden Kontaktbeschränkungen nicht zu unterschätzen ist.

Aggressiver Humor hingegen beschämt eine Person oder eine Gruppe von Menschen. Man macht sich über jemanden oder dessen Handeln und auf dessen Kosten lustig. Das bewirkt oftmals Ausgrenzung und könnte, wenn es sich immer wieder um dieselben Gruppen von Menschen handeln, gesellschaftlich bedenkliche Züge annehmen.

Witze, die Lügen stärken, lieber lassen

Ebenso bedenklich und sogar gefährlich seien Witze, die kursierende Lügen verstärken. "Wenn sich Humor auf Falschinformationen bezieht, ist das nicht produktiv für die Bewältigung einer Krise", betont Ullmann. In einer Zeit, in der ohnehin viele Falschnachrichten kursierten, sollten man auf die Verbreitung solcher Witze besser ganz und gar verzichten.

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Gerade in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie sei es wichtig, sensibel zu sein. "Wir sollten genauer hinschauen, welchen Witz wir gegenüber anderen machen. Wenn mein Gegenüber erschöpft, dünnhäutig oder angespannt ist, dann verzichte ich manchmal auf aggressiven Humor", führt Ullmann weiter aus. Völlig inakzeptabel sind auch Scherze über erkrankte, hilfsbedürftige oder trauernde Menschen.

Übrigens: Humor ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Er ist nicht nur sozialer Klebstoff, sondern auch ein wichtiger Faktor in Paarbeziehungen. Gemeinsam lachen zu können, wird als gute Basis für eine dauerhafte Beziehung angesehen. Gemeinsames Lachen und Heiterkeit schweißt eben zusammen. Und Menschen, die humorvoll sind, haben, das ist wissenschaftlich erwiesen, auch eine größere Lebenszufriedenheit.

Quelle: ntv.de

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