Frage & Antwort

Viele unerfüllte Erwartungen Ist Weihnachtszeit wirklich Trennungszeit?

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Das falsche Geschenk, die falsche Geste, das falsche Essen: An Weihnachten können eine Reihe von Erwartungen enttäuscht werden.

(Foto: imago/allOver-MEV)

Weihnachten, das Fest der Liebe, hält für Familien und Paare oft unangenehme Überraschungen bereit. Psychotherapeut Krüger erklärt, warum das manchmal als Grund ausreicht, sich komplett aus einer Beziehung zu lösen.

Lichterketten, Bratengeruch und pure Harmonie: Die groben Vorstellungen zur Weihnachtszeit liegen bei der Mehrheit gar nicht so weit auseinander. Die Realität sieht jedoch oftmals ganz anders aus. "Für viele Familien ist Weihnachten ein absoluter Ausnahmezustand. Es ist absurd: Es gibt Streit, weil man erwartet, dass es friedlich und harmonisch zugeht", erklärt der Psychotherapeut und Autor Dr. Wolfgang Krüger bei n-tv.de. 

"Die Feiertage erscheinen wie eine große Inszenierung. Sie sind aufwendiger als manche Theateraufführung. Entsprechend unrealistisch sind dann auch die Erwartungen: Der Partner, der schon immer schwierig war, soll zuvorkommend und umgänglich, die nörgelnden Verwandten plötzlich verständnisvoll sein", erklärt der Experte weiter.

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Enttäuschungen sind also vorprogrammiert. Kein Wunder also, dass 30 Prozent der Familien von großen Streitigkeiten an diesen Tagen berichten, sogar mehr als 60 Prozent von Beziehungsproblemen. Das Fest, das eigentlich für ein friedliches Miteinander und Harmonie steht, wird zu einer echten Belastungsprobe.

Streitigkeiten sind nur Symptome

Die besonderen zwischenmenschlichen Situationen zu Weihnachten erwecken den Eindruck, dass auch eine gewisse Anzahl von Paaren die Feiertage nicht als Paar übersteht. Ist denn die Weihnachtszeit wirklich eine Zeit der Trennungen? Tatsächlich haben mehrere Studien gezeigt, dass es in der Adventszeit, also in den Wochen vor Weihnachten, vermehrt zu Streitigkeiten kommt. Die britische Scheidungsanwältin Deborah Jeff hat dazu 3000 Paare befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass Paare in der Vorweihnachtszeit im Durchschnitt viermal am Tag streiten. Als Ursachen werden Geldsorgen, unfaire Arbeitsverteilung, die Auswahl der Geschenke und die Koordination von Familienbesuchen angegeben. Hinzu kommen fehlende Zeit und mangelnde Aufmerksamkeit füreinander.

Wie Untersuchungen zeigen, kommt es tatsächlich in den knapp vier Wochen vor Weihnachten zu mehr Trennungen als in den Monaten zuvor. Die Streitigkeiten sind aber nur selten der Auslöser für das Ende einer Beziehung in dieser Zeit. Es geht vielmehr um Unzufriedenheit, Angestautes und Ungesagtes, das vielleicht schon Wochen oder sogar Monate vor sich hin schwelte. Es könnte auch sein, dass die Erinnerungen an das letzte gemeinsame Fest so gravierend unangenehm sind, dass man so etwas nicht noch einmal erleben will. Oder man hat bereits jemand anderes kennengelernt und will noch vor dem Fest der Liebe Klarschiff machen. Vielen Menschen geht es darum, nicht nur zu Weihnachten, sondern eben auch zum Ende des Jahres sich auf das zurückzubesinnen, was einem wirklich wichtig ist.

Tipps für ein gelungenes Fest

Für viele, die in Beziehungen stecken, mit denen sie nicht zufrieden sind, ist die Vorstellung, das Fest der Liebe mit diesem Partner/dieser Partnerin zu verbringen, grauenhaft – sei es als Paar oder bei den ohnehin schon herausfordernden Familienzusammenkünften. Also gehen sie möglichst noch vor den Feiertagen den entscheidenden Schritt und trennen sich. Ein Beziehungsaus direkt an Weihnachten auszusprechen, lehnen dagegen viele aus moralischen Gründen ab.

Wer hingegen mit seiner Beziehung zufrieden ist und daran festhält, der kann dem allgemeinen Weihnachtsstress und Streitereien gut vorbeugen, indem er einige Punkte im Vorfeld ausräumt. Krüger hält es beispielsweise für sehr sinnvoll, spätestens eine Woche vor dem Fest den Partner zu fragen, was man dafür tun kann, dass er glücklich ist.

Zudem sollte man für die Geschenke eine Preisobergrenze vereinbaren und insgesamt weniger schenken und weniger Essen vorbereiten. Das kann viel Stress nehmen. Wer Streitigkeiten in der Familie erwartet, der kann Kollegen, Nachbarn oder Freunde zum Fest einladen. So kann eine spannungsgeladene Familiendynamik aufgelöst werden. Zudem sollte man damit rechnen, dass bei der Realisierung der weihnachtlichen Rituale immer irgendetwas schiefgeht.

Übrigens: Es gibt außer der Vorweihnachtszeit noch eine weitere Hochsaison für Trennungen. Diese liegt in den Osterferien, denn auch Urlaube zeigen, ob man noch zusammenpasst oder eben nicht. Und auch hier liegen die Ursachen meistens in den Wochen oder Monaten vor dem Frühjahr. Die entscheidenden Faktoren werden in dieser Zeitspanne häufig klarer. Zudem werden im Frühling bei vielen grundlegende Wünsche nach Veränderungen geweckt.

Quelle: ntv.de