Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 551 Ist lügen in einer Fremdsprache leichter?

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Beim Lügen gibt es eine Reihe von körperlichen Reaktionen.

(Foto: imago/Ikon Images)

"Du sollst nicht lügen" steht seit Jahrhunderten als Gebot in der Bibel. Dennoch lügen Menschen tagtäglich. Als Grund wird oftmals der Schutz der eigenen Person oder des Gegenübers angegeben. Dabei ist bewusst die Unwahrheit zu sagen eine komplexe, Herausforderung für jeden Lügner, die zu Stress und Anspannung führt. Doch wie verhält es sich mit der Lüge in einer Fremdsprache? Geht einem diese dann leichter oder eher schwerer über die Lippen?

Dieser Frage haben sich Kristina Suchotzki und Matthias Gamer von der Universität Würzburg angenommen. Die Psychologen  untersuchten in einer Reihe von Experimenten die Reaktionen von jeweils bis zu 50 Versuchspersonen, denen verschiedene Fragen gestellt wurden und auf die sie mal wahrheitsgemäß, mal gelogen, mal in der Muttersprache und mal in der Fremdsprache antworten sollten. Dabei handelte es sich sowohl um neutral formulierte Fragen, wie zum Beispiel: "Berlin liegt nicht in Deutschland?", als auch um emotionale Fragen wie: "Haben Sie jemals illegale Drogen konsumiert?" Während der Antworten wurden die Geschwindigkeit, die Hautleitfähigkeit und der Puls der Probanden gemessen. 

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Wer merkt, dass er in einer wichtigen Sache belogen wird, reagiert emotional.

(Foto: imago/Ralph Peters)

Zwei sich widersprechende Theorien

Die Forscher glichen ihre Daten dann mit zwei bestehenden, aber sich widersprechenden Theorien zum Lügen ab. Die sogenannte Cognitive Load Theory, also die kognitive Belastungstheorie geht davon aus, dass Lügen an sich schon eine außerordentlich anspruchsvolle Aufgabe ist. Folgt man dieser Theorie, dann fällt das Lügen in einer Fremdsprache, die ja eine zusätzliche kognitive Herausforderung ist, noch schwerer als in der Muttersprache.

Der zweiten Theorie, der sogenannten Emotional Distance Hypothesis folgend geht man davon aus, dass Lügen im Vergleich zu wahren Aussagen mit mehr Emotionen verbunden ist. Nimmt man Befunde zum Sprechen von Mutter- und Fremdsprachen aus der Sprachenforschung hinzu, dann würde gelten, dass das Sprechen in einer Fremdsprache weniger emotional erregend ist als das Sprechen in der Muttersprache. "Ausgehend von der emotionalen Distanzhypothese würde man daher erwarten, dass Lügen in einer Fremdsprache geringere emotionale Erregung auslöst", erklärt Suchotzki.

Die Auswertung der Daten zeigte, dass es, egal in welcher Sprache, prinzipiell länger dauert, eine Lüge auszusprechen, als die Wahrheit zu sagen. Die Beantwortung emotionaler Fragen dauert im Vergleich zur Beantwortung neutraler Fragen länger. Bei den Antworten in einer Fremdsprache benötigten die Versuchsteilnehmer ebenfalls mehr Zeit als bei Antworten in der Muttersprache. Es zeigte sich also, dass die zeitlichen Unterschiede zwischen Wahrheit und Lüge in einer Fremdsprache kleiner sind. Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass Lügen in einer Fremdsprache leichter ist als in der Muttersprache und dementsprechend schwerer zu erkennen.

Als Begründung geben die Forscher die stärkere emotionale Distanz beim Sprechen in einer Fremdsprache an. Diese gleiche die erhöhte kognitive Belastung während einer Lüge aus, so dass Lügen insgesamt leichter falle. Die Ergebnisse der Untersuchung sind im Journal of Experimental Psychology veröffentlicht worden.

Übrigens: Lügen ist im sozialen Zusammenleben wichtig, egal ob in der Mutter- oder einer Fremdsprache. Durch sie kann der Selbstwert der Mitmenschen geschützt werden. Halbwahrheiten hingegen können große Schäden anrichten.

Quelle: n-tv.de

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