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Dass eine Pflanze ein Tier frisst, ist ungewöhnlich.
Dass eine Pflanze ein Tier frisst, ist ungewöhnlich.(Foto: imago/blickwinkel)
Dienstag, 24. Oktober 2017

Frage & Antwort, Nr. 504: Muss man fleischfressende Pflanzen füttern?

Von Jana Zeh

Fleischfressende Pflanzen für zu Hause sind beliebt. Manche wollen damit lästige Insekten loswerden, anderen gefallen die außergewöhnlichen Formen. Doch viele Anfänger stellen sich im Herbst die gleiche Frage: Muss ich zufüttern?

"Die Antwort lautet ganz klar nein!", sagt Hans-Thomas Siegel, der sich seit Jahren mit Karnivoren, so der fachgerechte Überbegriff für fleischfressende Pflanzen, beschäftigt und verkauft. "Karnivoren müssen prinzipiell, ganz egal welche Jahreszeit ist, nicht gefüttert werden", schiebt der Experte nach. Falsche oder unsachgemäße Fütterungen könnten die Pflanzen sogar umbringen.

Bei toten Insekten kann es passieren, dass die Venusfliegenfalle gar nicht ihre Fangarme schließt.
Bei toten Insekten kann es passieren, dass die Venusfliegenfalle gar nicht ihre Fangarme schließt.(Foto: imago stock&people)

"Der schlimmste Fehler, der immer wieder gemacht wird, ist, tote Insekten, Fleisch oder sogar Käse in die Fallen der Karnivoren zu legen", erzählt der Experte. Mit solchem Futter können die fleischfressenden Pflanzen nichts anfangen. Im Gegenteil! Falsches Futter fängt an zu faulen und zu schimmeln. Das führt dazu, dass die Falle der Pflanze abstirbt. Im schlimmsten Fall greifen Fäulnis und Schimmel über, das lässt die gesamte Pflanze dann eingehen.

Warum passiert das?

Die meisten fleischfressenden Pflanzen können Insekten nur verdauen, wenn sich ihr Fang noch bewegt. "Die Bewegungen eines Insektes in einer vollständig geschlossenen Venusfliegenfalle führen dazu, dass Verdauungsflüssigkeit gebildet wird", erklärt Siegel. Doch auch sogenannte Schlauchpflanzen, auch als Sarracenien bezeichnet, können nur lebende Insekten verarbeiten. Ihr Verdauungstrakt liegt im unteren Drittel des Schlauches. Ist ein Insekt erstmals im Schlauch, gibt es kaum noch Möglichkeiten, wieder herauszukommen. Bewegungen wie etwa Flügelschläge lassen das Insekt noch tiefer in den Schlauch bis hinunter in den Verdauungstrakt, in dem wiederum durch die Bewegung Verdauungsflüssigkeit gebildet wird, gleiten.

Kannenpflanze (Nepenthes ampullaria) im Regenwald auf Borneo, Malaysia.
Kannenpflanze (Nepenthes ampullaria) im Regenwald auf Borneo, Malaysia.(Foto: Justus de Cuveland / imago)

"Will man der Pflanze etwas Gutes tun, dann sollte man auf andere Dinge als die Fütterung setzen", betont Siegel. Prinzipiell sind alle Karnivoren, die in fast allen Klimazonen vorkommen, bei passenden Umweltbedingungen auch ohne Fütterung in der Lage, ihren Nährstoffbedarf zu decken. Sie bilden, wie alle anderen Pflanzen auch, mit Hilfe des Sonnenlichts Chlorophyll in ihren grünen Blättern. Eine fleischfressende Arten sollten deshalb an hellen Plätzen aufgestellt werden. Die bekannten Venusfliegenfallen, aber auch viele Schlauchpflanzen bevorzugen sogar sehr sonnige Standorte. Doch Licht ist nur einer der drei wichtigen Faktoren, die man beachten muss, wenn man sich eine fleischfressende Pflanze anschafft.

Insekten als alternative Nährstoffquelle

Einige Arten wachsen in der Natur auf sehr nährstoffarmem, kargen Gestein. Andere wiederum sind in extrem sauren Sümpfen zu Hause. Fleischfressende Pflanzen zeichnen sich also durch ihre Anpassungsfähigkeit aus und kommen oft dort vor, wo keine andere Pflanze überleben würde. Im Laufe der Evolution sind die Karnivoren dazu übergegangen, Fallen auszubilden, um Insekten zu fangen und zu zersetzen. So kommen sie an eine Eiweißquelle, aus der sich hervorragend Stickstoff zum verstärkten Wachstum ziehen lässt.

Werden dem Boden nun entweder durch die Natur selbst oder den Menschen Nährstoffe zugeführt, ändert sich der pH-Wert. Damit kommen die spezialisierten Pflanzen allerdings nicht gut zurecht. Sie werden, hält dieser Zustand an, schließlich von anderen Pflanzen verdrängt. Für die Pflege für fleischfressende Pflanzen bedeutet es, über den richtigen Boden und das passende Gießwasser Bescheid zu wissen.  

Passenden Boden wählen

Bei einigen Arten handelt es sich um Moorpflanzen - das bedeutet, dass sie in ungedüngten Weißtorf oder ein Weißtorf-Sand-Gemisch gepflanzt sein müssen. Dieser Boden sollte außerdem immer feucht gehalten werden. Allerdings darf das Gießwasser nicht einfach aus der Leitung genommen werden, denn Kalk und andere Mineralien im Wasser verträgt eine bestimmte Sorte der Karnivoren gar nicht. Aus diesem Grund muss auf weiches, kalkfreies Regenwasser oder sogar auf destilliertes Wasser zurückgegriffen werden.

Wer sich also entscheidet, fleischfressende Pflanzen anzuschaffen, sollte sich vorher informieren, welche Art welche Lebensbedingungen benötigt und ob man ihr diese bieten kann – oder sich vom Fachmann beraten lassen. Zum Glück gibt es auch unter den Karnivoren Arten, die sehr anspruchslos in der Haltung sind. "Zu den fleischfressenden Pflanzen, die besonders gut für Anfänger geeignet sind, gehört beispielsweise der Kap-Sonnentau (Drosera capensis) oder der Mexikanische Sonnentau. Beide können sogar mit Leitungswasser gegossen werden und vertilgen lästige Obstfliegen", erklärt Siegel.

Übrigens: Fleischfressende Pflanzen scheinen echte Überlebenskünstler zu sein. Einige Arten können sogar auf schwermetallbelasteten Boden oder in radioaktiver Umgebung wachsen. Trotzdem sind Karnivoren, die in der Natur wachsen, stark bedroht.

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Quelle: n-tv.de

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