Frage & Antwort

Frage & Antwort Fördert Alkohol die Verdauung?

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Nicht der Alkohol in einem Schnaps hilft bei der Verdauung, sondern andere Inhaltsstoffe.

(Foto: picture alliance / dpa)

An den Feiertagen wird ja nicht nur reichlich gegessen, sondern auch besonders viel getrunken und der Verdauungsschnaps nach dem Entenbraten ist bei uns obligatorisch. Können alkoholische Getränke tatsächlich bei der Verdauung helfen? (fragt Christina F. aus Bremen)

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Zum Anstoßen vor dem Essen wird gern Champagner, Sekt oder Prosecco gereicht.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Alkohol hat im menschlichen Körper vielfache Wirkungen. Hilfreich ist er beim Verdauungsprozess jedoch nicht", sagt Professor Ulrich Preuß, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Kreiskrankenhaus Prignitz. "Alkohol ist ein Zellgift. Wird er zum Essen konsumiert, so kann das direkte Auswirkungen auf die Beweglichkeit der glatten Muskulatur im Darm haben", ergänzt der Experte. Das bedeutet jedoch nicht, dass feste Nahrungsbestandteile mit Hilfe von Alkohol besser verdaut werden, im Gegenteil. Die Magenentleerung wird durch die Aufnahme von Alkohol sogar verzögert.

Kirschschnaps oder Wasser

Ein Forscherteam des Universitätshospitals Zürich konnte diesen Effekt mit einer Untersuchung beweisen. Die Wissenschaftler verabreichten insgesamt 20 Frauen und Männern zuerst 100 Gramm Weißbrot mit geschmolzenem Käse. Dazu bekam ein Teil der Probanden 300 Milliliter Weißwein, der andere Teil 300 Milliliter Schwarztee. 90 Minuten später wurde einigen Studienteilnehmern entweder ein Kirschschnaps oder die gleiche Menge Wasser gereicht.

Der Käse war mit speziellen Kohlenstoffatomen (Isotop C-13) versetzt. Durch die Messung der Anzahl dieser Atome im Atem der Probanden konnten die Forscher genau herausfinden, wie schnell die Nahrung im Körper der Probanden verdaut wurde. Je mehr C-13-Atome im Atem nachweisbar waren, umso schneller wurden Weißbrot und Käse verdaut.

Bei den Weißweintrinkern zeigten sich wesentlich weniger C-13-Atome als bei den Teetrinkern. Bei den Weißweintrinkern, die später noch einen Kirschschnaps bekamen, war die Verdauung sogar komplett auf Schongang geschaltet. Der Magen brauchte bei diesen Probanden ungefähr anderthalb Mal länger bis er sich zur Hälfte entleert hatte als bei den abstinenten Studienteilnehmer. Als kurzes Fazit lässt sich eindeutig sagen: Je mehr Alkohol man trinkt, desto langsamer wird verdaut.

Aperitif macht Appetit

Auch wenn alkoholische Getränke die Verdauung verlangsamen, regen sie doch vor dem Essen den Appetit an. An diesem Prozess ist die Leber beteiligt. Alkohol setzt in dem Organ den Abbau von Glycogen zu Glucose in Gang. Dadurch werden die Primärenergiespeicher des Menschen geplündert und der Appetit nimmt zu. Bei Menschen mit Alkoholsucht dagegen kann sich neben anderen Symptomen auch Appetitlosigkeit einstellen.

Der viel beschworene Verdauungsschnaps nach einem opulenten Mahl hilft also nicht schneller zu verdauen, kann aber Völlegefühle, Verdauungsbeschwerden, Blähungen oder Bauchkrämpfe vermeiden. Verantwortlich dafür ist nicht der Alkohol in dem Digestif, sondern traditionelle Heilkräuter wie beispielsweise Anis, Ingwer oder Kümmel. Mit Alkohol als Trägermittel können die ätherischen Öle der besonders gut im Magen wirken.

Übrigens: Wenn mehr Alkohol konsumiert wird, als die Leber zur gleichen Zeit abbauen kann, wird der überschüssige Alkohol über den Blutkreislauf im Körper verteilt. Rund fünf bis zehn Prozent davon werden direkt über Nieren, Haut und Atemluft abgebaut. So entsteht die riechbare Fahne, die Betrunkene beim Ausatmen verteilen.

Quelle: n-tv.de

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