Frage & Antwort

Optimale Lebensbedingungen Warum bleiben Zugvögel nicht im Süden?

imago89484907h.jpg

Die ersten Kraniche kehren bereits Ende Februar/Anfang März aus ihren Winterquartieren zurück.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Wenn die Temperaturen sinken, machen sich rund 200 europäische Vogelarten auf den Weg Richtung Süden. Rund 50 Milliarden Zugvögel sind im Herbst am Himmel zu sehen, auf dem Weg in ihre Winterquartiere legen sie oft Tausende Kilometer zurück. Im darauffolgenden Frühjahr treten die Pendler dann ihre kräftezehrende Rückreise Richtung Norden an. Im stets warmen Süden zu bleiben, scheint trotz der lebensgefährlichen Reise für die Tiere keine Option zu sein.

Kein Wunder, denn in den Sommermonaten finden heimische Vögel hierzulande beste Bedingungen vor, wie Vogelexperte Eric Neuling vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) n-tv.de erklärt: "Der Norden bietet den Vögeln im Sommerhalbjahr viel Nahrung und optimale Bedingungen zur Aufzucht der Jungen." Im Winter sind die Voraussetzungen indes nicht so gut. Denn wenn Schnee liegt und der Boden gefroren ist, ist das Nahrungsangebot nur noch begrenzt. Der Süden hat dann mehr zu bieten.

Kündigt sich im Süden jedoch einige Monate später der Sommer an, wendet sich das Blatt wieder: Die Lebensbedingungen für Kraniche, Störche und Co. sind in Südeuropa und Afrika dann nicht mehr optimal. Es wird heiß und trocken, das Nahrungsangebot schrumpft. Der Überlebenskampf verschärft sich. Die Vogelgäste müssen zunehmend mit den heimischen Vogelarten um Nahrung und Lebensraum konkurrieren. Also treten die tierischen Gäste schließlich ihre Rückreise Richtung Norden an.

Zugverhalten ändert sich

Neue Studien zeigen jedoch, dass der Klimawandel das Zugverhalten verändert. Sogenannte Kurzstreckenzieher, wie Kranich, Kiebitz oder Singdrossel verkürzen aufgrund der zunehmenden milden Winter ihre Zugwege. Viele Zugvögel kehren im Frühjahr etwa drei Wochen früher aus ihren Winterquartieren zurück als noch vor 40 Jahren. Manche Arten ändern ihre Abflugzeiten im Herbst, wodurch sich teilweise die Aufenthaltsdauer in der Heimat verlängert. Auch die Brut beginnt immer früher. Der Nabu-Experte erläutert: Zum einen liege die frühe Heimkehr an den steigenden Temperaturen in Afrika und im Brutgebiet, zum anderen am abnehmenden Regen an den wichtigen Rastplätzen an der Mittelmeerküste. Viele Vögel würden nur noch kurz rasten und dann schnell nordwärts weiterfliegen.

Mittlerweile gibt es auch Vogelarten, die aufgrund der milden Winter gar nicht mehr Richtung Süden ziehen. "Vögel sind nicht so reiselustig wie wir, einige Arten vermeiden sogar die weite Reise", sagt Vogelexperte Neuling. "Der Star ist beispielsweise ein solcher Teilzieher, der sein Zugverhalten den Umständen anpasst", so Neuling. Manche Starenpopulationen fliegen im Winter nicht in den Süden, sondern ziehen stattdessen in unsere Großstädte: Dort gibt es ausreichend Nahrung und genug Unterschlupfmöglichkeiten.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema