Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 297 Warum schlägt es 13?

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Wenn die Turmuhr 13 Mal schlägt - dann stimmt irgendetwas nicht.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Jetzt schlägt's aber 13!" ist eine Redewendung, die ich immer wieder höre und auch selbst benutze. Wieso schlägt es ausgerechnet 13? Und warum scheint diese Zahl mit Unheil behaftet zu sein? (fragt Katharina G. aus Neumünster)

Die "13" ist arm dran. Ob Freitag der 13., die 13. Sitzreihe im Flugzeug, das 13. Stockwerk in einem Hochhaus oder der 13. Schlag: Nichts als Unheil verbindet man mit dieser Zahl.  Selbst in einer aufgeklärten Gesellschaft wird sie an den Rand gedrängt. Ein Rest Aberglaube ist wohl nicht ganz loszuwerden. Und die Frage unserer Leserin ist ein guter Anlass, dem Schicksal der 13 auf die Spur zu kommen - warum steht ausgerechnet diese Zahl für Unglück?

Sicher ist, dass die 13 diesen zweifelhaften Beigeschmack schon sehr lange hat. "Bereits in babylonischer Zeit erscheint diese Zahl als sehr verhängnisvoll", sagt Wernfried Hofmeister, Professor an der Universität Graz und Leiter des Wort-Schätze-Projekts. "Zwischen dem Sonnen- und dem Mondjahr gab es einen 13. Tierkreis, den des Raben. Und der wurde damals schon als verrufen und unheilvoll eingestuft", erklärt der Germanist. Es sei ein merkwürdiger Zufall, dass diese Zahl offenbar kulturunabhängig als negativ betrachtet wurde.

Denn nicht nur bei den Babyloniern, auch im jüdisch-christlichen Kulturkreis geriet die 13 in Verruf. "Die zwölf Stämme Israels, das Zwölfprophetenbuch in der hebräischen Bibel, die zwölf Jünger: im christlichen Kontext hat sich die Zahlensymbolik verdichtet", so Hofmeister. Zentral bezogen sei diese Zahlensymbolik auf die Drei. Auch die Vier sei in christlicher Tradition eine heilige Zahl, wie sich etwa bei den vier Evangelisten zeige. Und dann ist die Rechnung einfach: Drei mal Vier gibt zwölf. "Es kommt nirgends 13 heraus, die Zahl fällt überall durch. Sie gilt als nicht heilig und als unheilbringend."

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Wernfried Hofmeister ist Professor an der Universität Graz und Leiter des Wort-Schätze-Projekts.

Entscheidend für die Redewendung "Jetzt schlägt's 13" dürfte dann zudem gewesen sein, dass unsere Uhr auf einen Zwölf-Stunden-Takt eingestellt wurde. "Dass wir pro Tag zweimal zwölf Stunden haben, ist wieder um mit den althergebrachten, schon antiken Zählungen der Stunden übereingestimmt. Das liegt also irgendwie in der Natur der Sache. Aber - wie so manches - trifft sich das mehr oder weniger zufällig mit kulturspezifischen Anschauungen und wird dadurch noch verstärkt", so der Professor aus Graz. "Der 13. Schlag ist das, was über das Ziel hinausschießt, das Maß sprengt. Damit meint man auch gleichzeitig, dass der Teufel seine Hand im Spiel hätte." Die 13. Stunde ist also auch hier das Überschreiten des Heilsamen – "da geht es Richtung Geisterstunde", erklärt Hofmeister.

"Jetzt schlägt's 13" als Redewendung taucht aber angesichts dieser langen Unheils-Geschichte der Zahl selbst verhältnismäßig spät auf. Erst ab dem 19. Jahrhundert lässt sich diese Ausdrucksweise belegen.

Übrigens: Dass die Zwölf eine besondere Zahl ist, finden wir auch heute im Alltag noch wieder. So stammt etwa das "Dutzend" vom griechischen Wort für Zwölf, "dodeka". Entsprechend ist die in einigen Regionen übliche Bezeichnung "Bäckerdutzend" ein Synonym für "dreizehn". Um Kunden beim Brötchenkauf nicht versehentlich zu verärgern, gab es sicherheitshalber ein Brötchen mehr.

Quelle: n-tv.de

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