Frage & Antwort

Wenn alle öfter zu Hause sind Was macht die Corona-Krise mit Haustieren?

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Manche Hunde gehen ganz auf im Homeoffice.

(Foto: imago images/Westend61)

In der Coronakrise bleiben mehr Menschen öfter zu Hause. Manchmal wird das Haustier dann zum letzten Ansprechpartner in den eigenen vier Wänden. Doch was bedeutet das für Tiere? Und was tun, wenn das Ende vom Homeoffice ansteht?

Die meisten Haustiere in Deutschland werden ähnlich wie Familienmitglieder wahrgenommen. Mit Hund oder Katze werden intensive Beziehungen mit einer Reihe von Ritualen gepflegt. Doch was passiert, wenn dieser manchmal über Jahre eintrainierte Rhythmus, wie aktuell durch die Corona-Krise, aus den Fugen gerät? Wie sollten sich Halter im Homeoffice ihrem Tier gegenüber verhalten? Und was tun, wenn Lockdown und Homeoffice wieder vorbei sind?

"Auch Haustiere, deren Halter beziehungsweise Familien aktuell mehr zu Hause sind, erleben die momentane Situation als eine andere, denn auch ihr Alltag hat sich verändert", fasst Verena Wirosaf, Tierärztin und Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund, in einem Gespräch mit ntv.de zusammen. "Hunde sind ja bekanntlich hochsoziale Wesen. Sie werden deshalb ein Mehr an Zeit mit ihren Menschen genießen."

Rückzugsort für jedes Tier

Katzen dagegen gelten als unabhängiger vom Menschen. "Doch auch viele dieser felligen Begleiter werden nun die Situation nutzen wollen, um mehr beschmust zu werden oder öfter mit ihren Menschen zu spielen", erklärt Wirosaf weiter. "Dabei ist jedoch wichtig, dass das Tier, wenn es das Bedürfnis hat, auch zur Ruhe kommen kann", betont die Tierärztin. Jedes Haustier muss deshalb einen Rückzugsort haben, an dem es ungestört ruhen oder schlafen kann. Diesen Ort müssen neben den Haltern selbst auch Kinder und Gäste respektieren. Ansonsten kann es zu teilweise drastischen Reaktionen bei den Tieren kommen.

Es gibt zum Beispiel Katzen, die zu viel Trubel oder zu viel Kontakt nicht mögen und dies dann auch zeigen. Sie fangen dann möglicherweise an, mit der Pfote zu schlagen, zu fauchen oder sich an andere Orte als gewöhnlich zu verkriechen. Freigänger-Katzen, also Katzen, die sonst auch nach draußen dürfen, sollte man den Weg dorthin auf gar keinen Fall verstellen.

Katzen werden unrein, Hunde hyperaktiv

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Katzen wollen wesentlich unabhängiger sein als Hunde.

(Foto: imago images/Westend61)

Gönnt der Mensch seinem Tier nicht genug Ruhe oder erfahren die tierischen Mitbewohner zu viel Stress, auch innerhalb der Familie, greifen die Tiere zu anderen Mitteln. Manche Katzen beispielsweise fangen an, unrein zu werden und pinkeln sogar dorthin, wo sie sich sonst entspannen. Manche Hunde dagegen wollen ihren Menschen zu noch mehr Aktivität auffordern. Sie fangen dann scheinbar grundlos an zu bellen oder können eine gewisse Art von Hyperaktivität entwickeln. Ungewöhnlichen Verhaltensweisen sollten deshalb vom Halter immer als Hilferuf des Tieres interpretiert werden. Wer unsicher ist, was er in diesen Fällen machen soll, kann sich Tipps beim Tierarzt holen.

Besonders krass zeigen manche Katzen, dass es ihnen gerade einfach zu viel ist, indem sie eine sogenannte Stress-Zystitis entwickeln. Diese Entzündung der Harnblase entsteht bei Hauskatzen ohne erkennbare Ursache. Als wesentlicher Faktor wird deshalb Stress angesehen. Wird es wieder ruhiger um ein so gestresstes Tier, dann verschwinden oftmals auch die Symptome wieder.

Zu den typischen Kennzeichen der Krankheit gehören Blut im Urin, häufigeres Urinieren kleiner Mengen auch außerhalb vom Katzenklo und Schmerzäußerungen beim Urinieren. Halter, die solche Symptome über einen Zeitraum von ein bis maximal zwei Tagen bei ihrem Tier beobachten, sollten es einem Tierarzt vorstellen. Wenn das Tier aber gar keinen Urin mehr absetzt oder mehrmals unter Schmerzen auf der Toilette sitzt und nichts kommt, sollte es sofort einem Tierarzt vorgestellt werden. In wenigen Fällen kann es zu einem Verschluss der Harnwege kommen, was wiederum einen lebensbedrohlichen Zustand für die Katze darstellt. "Urin staut sich und die sonst gefilterten Stoffe können den Körper von innen heraus 'vergiften'," erklärt Wirosaf.

Ruhebedürfnis und Rückzugsorte

Wie viel Ruhe braucht mein Tier? "Das hängt von mehreren Faktoren ab und jedes Tier ist individuell", sagt die Expertin. Dementsprechend benötigt auch jedes Tier verschiedene Ruhepausen zu verschiedenen Tages- oder Nachtzeiten. Vor allem Welpen und junge Katzen schlafen noch viel mehr als erwachsene Tiere. Dieses Ruhebedürfnis sollte für eine gesunde Entwicklung unbedingt vom Halter mitbedacht und beachtet werden. Und auch betagte Haustiere ruhen und schlafen wieder mehr. Beim Ruhebedürfnis der Tiere spielt auch das Wetter eine entscheidende Rolle. Da Hunde und Katzen ihre Körpertemperatur nicht wie Menschen übers Schwitzen regulieren können, legen sie sich bei hohen Temperaturen im Sommer gern an einen kühlen, schattigen Ort und brauchen permanent Zugang zu frischem Wasser.

Wenn zu Hause die Stimmung angespannter ist, weil den Menschen im Lockdown die Decke auf den Kopf fällt, sollte man auch im Blick haben, dass sich solche Stimmungen auf Tiere übertragen können. Auch deshalb ist ein ruhiger Ort für den Rückzug dringend nötig.

Und wenn das Homeoffice vorbei ist? Wenn die Menschen vom einem auf den anderen Tag wieder normal zum Arbeiten ins Büro oder in die Schule gehen, wird sich auch der Alltag für die Tiere wieder ändern. "Besonders radikal könnte es dann für Hunde werden, die vielleicht während der Corona- und Homeoffice-Zeit angeschafft wurden und das Alleinbleiben noch gar nicht kennen, sich aber eng an ihr Herrchen oder Frauchen gebunden haben", sagt Wirosaf. Aber auch für Hunde, die es zuvor gewohnt waren, über ein paar Stunden allein zu sein, ist die Umstellung groß, da sie durch das Corona-bedingte Homeoffice über lange Zeit nahezu 24 Stunden mit ihrem Menschen verbringen durften.

Aber auch Katzen, die sich an die vielen Stunden mit ihrem Menschen gewöhnt hatten, könnten die Abwesenheit nach der Zeit des Homeoffice nun übelnehmen. Nachbarn bekommen das dann zu hören oder Halter selbst in Form von Kratzspuren zu sehen. In diesem Fall sollte man das Alleinbleiben vorausschauend schrittweise trainieren und die Tiere behutsam wieder an die Situation heranführen. Die Zeit, die das geliebte Haustier allein sein muss, sollte man dazu langsam steigern. Im Idealfall besteht sogar die Möglichkeit, dass ein Nachbar vorbeikommt oder dass man seinen Hund mit ins Büro nehmen kann. Dem muss allerdings vorher von Vorgesetzten und Kollegen zugestimmt werden.

Übrigens: Auch wenn die gewonnene Zeit mit dem Haustier dazu verleitet, intensiver mit ihm zu schmusen, sollten sich Halter immer darüber im Klaren sein, dass sie selbst Sars-CoV-2 auf das Tier übertragen könnten. Positiv getestete Personen sollten dringend auch von ihm Abstand halten. Dennoch sollte bei Infektion oder verhängter häuslicher Quarantäne das Tier möglichst bei seinem Halter bleiben.

Quelle: ntv.de