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Der Anblick des geliebten Wagens versetzt manchen Fahrer in einen Schock.
Der Anblick des geliebten Wagens versetzt manchen Fahrer in einen Schock.(Foto: J. Zeh)
Dienstag, 03. Juli 2018

Frage & Antwort, Nr. 539: Was verklebt im Sommer das Auto?

Von Jana Zeh

Scheiben blind, Lack verklebt: Viele Autobesitzer ärgern sich im Sommer über das eigenartige Gemisch aus klebrigem Schleim und Baumblüten auf ihrem Wagen. Schuld sind meistens große Bäume, unter denen das Auto steht. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

"Nicht schon wieder", flucht innerlich so mancher Autofahrer, wenn er im Sommer sein Auto sieht. Ein undefinierbares, klebriges Gemisch ist auf dem ganzen Wagen verteilt. Manchmal so dick, dass man nicht mal mehr durch die Scheiben sehen kann und sogar die Wischer unbeweglich bleiben. Doch woher stammt das Klebezeug und kann man seinen Wagen irgendwie davor schützen?

Ein mit unzähligen weißen Eisäckchen der Wolligen Napfschildlaus übersäter Baum in Hamburg.
Ein mit unzähligen weißen Eisäckchen der Wolligen Napfschildlaus übersäter Baum in Hamburg.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Die meisten Menschen wissen, dass das, was auf Scheiben und Lack klebt, von Linden stammt, unter denen sie den Wagen geparkt haben. Den wenigsten ist hingegen bekannt, dass es sich dabei um den sogenannten Honigtau handelt. Diese schöne Umschreibung hat allerdings nichts mit dem Blütennektar von Linden zu tun, wie mancher vielleicht annimmt, sondern ist die romantische Bezeichnung für die Ausscheidungen von Blattläusen. Ein Vertreter, der in heimischen Gefilden häufig auftritt, ist die Wollige Napfschildlaus (Pulvinaria regalis).

Diese oder ein Artverwandter sitzt im Sommer massenhaft auf den Blättern von Linden, aber auch von Kastanien und Ahornbäumen. Sie saugt an deren Blattadern, um sich mit dem nährstoffreichen Pflanzensaft den Bauch vollzuschlagen. Die Tiere können aus dem Saft aber nur das darin enthaltene Eiweiß verwerten. Die deutlich höher konzentrierten Zuckerstoffe scheiden sie wieder aus. Durch hohe Temperaturen und große Trockenheit verdunsten im Sommer die wässrigen Anteile aus dem ausgeschiedenen Sekret. So entsteht schließlich der klebrige Film, der sich nicht nur auf Autos, sondern auch auf Parkbänke, Gehwege oder Fahrräder legt.

Regenwetter hilft

Bei Regenwetter hingegen werden nicht nur viele Blattläuse von den Blättern der befallenen Bäume gespült. Zudem wird der ausgeschiedene Honigtau reichlich verdünnt. Dann klebt dieser nicht mehr und wird zusammen mit dem Regenwasser in die Kanalisation gespült.

Ist jedoch erst einmal der Klebefilm auf dem Wagen, müssen Fahrer handeln und zunächst die Blattlaus-Ausscheidungen von den Scheiben wischen, bevor sie losfahren. Am besten mit reichlich Wasser aufweichen und abwischen. Doch auch auf dem Lack könnte das klebrige Zeug langfristig Schäden anrichten - spätestens dann, wenn die Sonne auf die nach einigen Tagen entstandenen schwarze Flecken prallt. Das, was sich so hässlich verfärbt hat, ist der sichere Beweis dafür, dass sich sogenannte Rußpilze auf dem Lack befinden. Im Zusammenspiel mit Sonne und Wärme können diese die Lackversiegelung beschädigen, so dass hässliche Flecken und Lackschäden entstehen, die sich dann nicht mehr ohne Weiteres beseitigen lassen.

Übrigens: Die Bezeichnung Honigtau ist durchaus gerechtfertigt, denn die süßen Ausscheidungen der Blattläuse werden auch von Bienen genutzt. Sie sammeln den Honigtau genauso wie Nektar und Pollen ein und bringen ihn in den Bienenstock. Dort wird er gleich von anderen Bienen verspeist. Alles, was davon übrig bleibt, bildet die Grundlage für den späteren Honig.

Quelle: n-tv.de