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Laut Verpackung kann dieses Früchtemüsli Spuren von Sesam enthalten. Für Allergiker ist das ein wichtiger Hinweis. Doch können sie damit wirklich etwas anfangen?
Laut Verpackung kann dieses Früchtemüsli Spuren von Sesam enthalten. Für Allergiker ist das ein wichtiger Hinweis. Doch können sie damit wirklich etwas anfangen?(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 14. April 2015

Frage & Antwort, Nr. 374: Welche Menge verbirgt sich hinter "Spuren"?

Von Andrea Schorsch

Immer wieder liest man auf Lebensmittelverpackungen: "Kann Spuren von ... enthalten". Bis zu welcher Menge spricht man denn hier von Spuren? Wann sind Spuren keine Spuren mehr, sondern Inhaltsstoffe? (fragt Roland P. aus Köln)

In Lebensmitteln sind 14 Zutaten dafür bekannt, häufig allergische Reaktionen oder Unverträglichkeiten auszulösen - mitunter gefährliche. Zu diesen Allergenen gehören Erdnuss, Eier, Senf, Sellerie und Fisch, auch Milch und Soja sowie glutenhaltige Getreide wie Weizen, Hafer und Dinkel. Besteht die Möglichkeit, dass einer dieser Stoffe in ein Nahrungsmittel hineingerät, obwohl er laut Rezept gar nicht darin vorgesehen ist, kann der Hersteller darauf hinweisen. Er gibt dann auf der Verpackung beispielsweise an: "Kann Spuren von … enthalten."

Wie es zu dieser "Verunreinigung" kommen kann und was genau es mit der Spurenangabe auf sich hat, erläutert uns Allergologin Dr. Katja Nemat aus Dresden: "Wenn in einem Lebensmittelwerk ein Müsli hergestellt wird und im selben Werk wird eine Haselnussmischung produziert, kann es passieren, dass über die Kleidung der Arbeiter oder über das Fließband, beim Verpacken oder beim Transport die Haselnuss ins Müsli gelangt – produktionsbedingt, das heißt, ohne dass sie da hinein soll. Um sich vor Haftungsansprüchen zu schützen, falls es durch so eine Kontamination zu einer allergischen Reaktion kommt, weisen die Firmen auf die Möglichkeit von Spuren hin. Sie möchten damit darauf aufmerksam machen, dass sie eine solche versehentliche Verunreinigung nicht ausschließen können."

Freiwilliger Hinweis ohne Schwellenwert

Wer frische Brötchen kauft, muss über Allergene unter den Zutaten neuerdings Auskunft erhalten. Was aber zufällig im Teig landet, ist nicht deklarationspflichtig.
Wer frische Brötchen kauft, muss über Allergene unter den Zutaten neuerdings Auskunft erhalten. Was aber zufällig im Teig landet, ist nicht deklarationspflichtig.(Foto: picture alliance / dpa)

Verpflichtet sind die Hersteller zu dieser Angabe nicht. Wie Nemat ausführt, geschieht der Vermerk auf der Packung freiwillig. Wenn man das weiß, ahnt man auch schon, wie es um die Menge steht, die sich hinter den Spuren verbirgt: "Da gibt es keine Schwellenwerte, die eingehalten werden müssen", sagt die Ärztin und bringt es auf den Punkt: "Wenn es auf dem Müsli heißt 'Kann Spuren von Haselnüssen enthalten', dann kann ein kleiner Krümel ins Müsli gefallen sein - oder auch die ganze Nuss." Vielleicht aber ruhte die Produktion der Haselnussmischung auch gerade und das Müsli hat von der Nuss gar nichts abbekommen. Der Hinweis auf der Packung bleibt trotzdem.

Wenn man Produkte, auf denen "Spuren von Haselnüssen" angegeben sind, bisher gut vertragen hat, heißt das daher nicht unbedingt, dass man gegen Haselnüsse in kleinsten Mengen nicht allergisch ist. "Das höre ich häufig von Eltern, die mit ihrem Kind zu mir kommen", erzählt Nemat aus dem Praxisalltag. "Aber so kann man das leider nicht sehen." Die Spurendeklaration ist nicht verlässlich, weder in die eine noch in die andere Richtung. "Wir wünschen uns Schwellenwerte", sagt die Allergologin, "aber es ist ja bei den einzelnen Allergenen auch unterschiedlich, auf welche Kleinstmenge man reagieren kann. Für die Industrie wären Schwellenwerte schwer einzuhalten. Sie müsste dann komplett allergenfrei produzieren. Das schaffen nur die ganz großen Firmen."

Firmen geben Auskunft

Auch macht es sich manch eine Firma leicht und weist – um Haftungsansprüchen vorzubeugen – gleich auf alle 14 Allergene zusammen hin, auch wenn sie nicht mal mit der Hälfte der Stoffe hantiert. Juristisch gesehen mag das geschickt sein, verbraucherfreundlich ist es nicht. Die Angaben sind nicht aussagekräftig – und doch sollten Allergiker sie ernst nehmen. "Erdnussallergikern zum Beispiel, die tatsächlich auf winzige Mengen schwer reagieren und Gefahr laufen, eine allergische Schockreaktion zu erleiden, empfehlen wir, bei Unsicherheiten direkt bei der Firma nachzufragen", sagt Nemat und zeigt damit einen Weg auf, den alle Allergiker gehen können. "Die Unternehmen sind da oft kooperativ", so die Erfahrung der Expertin. "Sie wissen schließlich, was sie produzieren."

Übrigens: Während der Hinweis auf unbeabsichtigt ins Essen geratene Allergene freiwillig erfolgt, ist es EU-weit Pflicht, diese Stoffe anzugeben, wenn sie als Zutat in das Lebensmittel hineingehören. Neuerdings gilt das auch für Thekenware. Wer beim Bäcker Brötchen kauft und nach Allergenen im Teig fragt, muss darüber Auskunft erhalten. Diese Regelung besteht erst seit Dezember 2014. Für Allergiker ist sie eine echte Errungenschaft.

Quelle: n-tv.de

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