Frage & Antwort

Frage & Antwort Wie gesund ist Sport in der Stadtluft?

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Gesunde Menschen sollten nicht auf Sport in der Stadtluft verzichten. Bewegung im Park wäre allerdings besser.

(Foto: imago/Westend61)

Bewegung tut gut. Ob das allerdings auch für körperliche Aktivität in schmutziger Stadtluft gilt? Zwei aktuelle Studien verunsichern Stadtsportler zusätzlich. n-tv.de fragt bei einem Experten nach.

Weltweit werden Städte als Wohnort immer begehrter. Das bedeutet: mehr Häuser, mehr Bewohner, mehr Verkehr, mehr Schadstoffe in der Luft. Sportler, die gern nach draußen gehen, müssen sich entweder mit den vorhandenen Gegebenheiten arrangieren oder extra aus der Stadt rausfahren. Das kostet zusätzlich Zeit und Geld. Umso mehr stellen sich Stadtsportler die Frage, ob es überhaupt noch gesund ist, sich in einer Großstadt aktiv zu bewegen.

Die Verunsicherung bei Stadtsportlern nimmt durch die Veröffentlichung der Ergebnisse zweier aktueller Untersuchungen zu. Das Umweltbundesamt hat im Zusammenhang mit dem Fahrverbot von Dieselfahrzeugen die Zahl von knapp 6000 verfrühten Todesfällen und rund einer Million Krankheitsfälle durch Stickstoffdioxid berechnet. Forscher aus London haben im Fachmagazin "Lancet" resümiert, dass Stadtluft verkehrsbedingt zu schmutzig ist, um darin ruhigen Gewissens Sport zu treiben.

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Die Oxford Street in London ist eine vielbefahrene Straße mit entsprechenden Schadstoffen in der Luft.

(Foto: imago/imagebroker)

Zu dem Ergebnis kamen die Forscher nach den Untersuchungen an insgesamt 119 Männern und Frauen. Sie maßen die Effekte eines zweistündigen Spaziergangs, der entweder entlang der stark befahrenen Oxford Street oder durch den Hyde Park führte. Unter den Probanden im Alter von mindestens 60 Jahren befanden sich 40 gesunde Personen, 40 Patienten mit der chronischen Lungenerkrankung COPD und 39 mit verengten Herzkranzgefäßen. Bei allen Studienteilnehmern wurden vor und nach den Spaziergängen Herz- und Lungenfunktion untersucht. 

Es zeigte sich, dass alle Probanden, die im Hyde Park spazieren gingen, eine bessere Lungenfunktion hatten als vor dem Spaziergang. Bei den Probanden mit einer Erkrankung, die an der Oxford Street entlanggingen, traten dagegen vermehrt Symptome wie Husten, Atemnot und Auswurf auf. Doch auch bei gesunden Probanden zeigte sich, dass die günstigen Auswirkungen durch das Gehen durch die verkehrsbedingten Umweltbelastungen verhindert wurden. Die Forscher stellten diese Effekte in Zusammenhang mit der hohen Schadstoffbelastung an der vielbefahrenen Straße im Herzen Londons fest.

Sollte man Sport an vielbefahrenen Straßen aufgeben?

Eine klare Antwort auf diese Frage hat Professor Joachim Heinrich vom Klinikum der Universität München am Rande einer Pressekonferenz: "Bewegung in der Stadt ist bei Weitem nützlicher als die nachteiligen Effekte durch erhöhte Schadstoffbelastungen in der Luft", betont der Leiter der Arbeitsgruppe Globale Umweltmedizin. Gesunde Stadtmenschen, die sich regelmäßig im Freien bewegten, sollten ihre sportlichen Aktivitäten also auf keinen Fall einschränken.

Jeder, der Sport treibt, weiß aber auch, dass die Bewegung im Wald oder im Park, also dort, wo die Luft sauberer ist, mehr Spaß macht als an einer vielbefahrenen Straße. Zudem, so Heinrich, seien die Automobilindustrie und deren Kraftfahrzeuge als eine der Hauptverursacher der Luftverschmutzung in unseren Städten sowie Gemeinden, Städte und der Bund aufgefordert, wirksamere Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität zu ergreifen, damit man sich auch in Zukunft in Städten beruhigt sportlich betätigen kann.

Übrigens: Viele Menschen mit Lungenerkrankungen spüren oftmals selbst durch das Auftreten von Symptomen wie Hustenreiz oder Luftnot, wie schmutzig die Stadtluft gerade ist. Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma und einer chronisch-obstruktiven Erkrankung der Lunge (COPD) sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten ihren Aufenthalt zu Zeiten einer besonders hohen Schadstoffbelastung in den besonders belasteten innerstädtischen Regionen, soweit dies möglich ist, deshalb einschränken.

Quelle: ntv.de