Fundsache

Fundsache, Nr. 1147 Eine Frau an der Seite Jesu

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Der Text in der Sprache der koptischen Christen lautet: "Jesus sagte zu ihnen: Meine Ehefrau."

(Foto: AP)

War Jesus verheiratet, war Maria Magdalena seine Frau und hatten die beiden sogar Kinder, deren Nachfahren noch heute leben könnten? Das ist Stoff ungezählter Darstellungen aller Epochen des Christentums. Jetzt taucht ein Stück Papyrus auf, das in koptischer Schrift genau diese Debatte wieder anfeuern dürfte.

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Karen King ist sich sicher, dass der Zettel eine lebhafte Diskussion auslösen wird.

(Foto: dpa)

Seit den Anfängen des Christentums wird darüber diskutiert, ob Jesus mit Maria Magdalena verheiratet war, oder ob er einen weiblichen Jünger an seiner Seite hatte. Schon in der Renaissance weist Leonardo da Vinci in seinem Wandbild "Das letzte Abendmahl" auf die Frage hin, als er seinen Lieblingsjünger Johannes in den Körper einer Frau steckte und rechts von Jesus platzierte. Ebensogut könnte dies Maria Magdalena sein.

Dass wohl auch einige frühe Christen von dieser These ausgingen, belegt ein kleines Stück Papyrus, das jetzt entdeckt wurde. Nach Angaben der US-Wissenschaftlerin Karen King von der Harvard Divinity School beinhaltet dieser Zettel einen Hinweis auf eine Frau an Christi Seite. King berichtete bei einem Kongress für koptische Studien in Rom von der Auswertung des offenbar alten Textes in der Sprache der koptischen Christen Ägyptens. Demnach lautet der Text: "Jesus sagte zu ihnen: meine Ehefrau."

"Die christliche Tradition hat lange Zeit die These aufrechterhalten, dass Jesus nicht verheiratet war, obwohl es dafür keine verlässlichen historischen Beweise gibt", sagte King dem Bericht zufolge. "Dieser neue Satz beweist zwar nicht, dass Jesus verheiratet war, aber er zeigt uns, dass dieses Thema inmitten einer hitzigen Debatte um Sexualität und Heirat aufkam."

Die Christen hätten seit jeher darüber gestritten, ob es besser sei zu heiraten oder nicht. Aber erst mehr als ein Jahrhundert nach Jesus' Tod sei auf dessen Familienstand verwiesen worden. Das Christentum habe stets nur die Stimmen weitergetragen, die meinten, Jesus sei niemals verheiratet gewesen. Dieser Text zeige nun, "dass einige Christen anders dachten".

Das 3,8 mal 7,6 Zentimeter große, gelblich-braune Papyrus-Schriftstück sei nach Auffassung mehrerer Experten echt, sagte die Harvard-Wissenschaftlerin. Für eine abschließende Beurteilung seien allerdings noch weitere Untersuchungen nötig, vor allem von der Zusammensetzung der Tinte.

Quelle: ntv.de, ppo/AFP

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