Fundsache

Fundsache, Nr. 1413 Mini-Saurier überrascht mit Lederflügeln

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So könnte der kleine, gleitende Raubsaurier ausgesehen haben.

(Foto: REUTERS)

Ein Fossilfund verblüfft Wissenschaftler: Das Tier scheint eine Mischung aus Fledermaus, Vogel und Mini-Raubsaurier gewesen zu sein. Es wird deshalb als neue Zwischenstufe in der Evolution eingeordnet.

Sehr klein, mit ledernen Flügeln und eigenartigen Federn: So könnte der vor mehr als 160 Millionen Jahren lebende Dinosaurier ausgesehen haben. Forscher um Min Wang von der Chinese Academy of Sciences haben die fossilen Überreste des Tieres analysiert, die ein Bauer 2017 in der Nähe von Lingyuan, nordöstlich der chinesischen Provinz Lianoning entdeckte. Das Besondere an dem Tier: Es scheint eine Mischung aus räuberischem Mini-Saurier, Fledermaus und Vogel gewesen zu sein. Der Fund ist damit bisher einzigartig.

Lediglich vor ein paar Jahren machten chinesische Forscher schon einmal eine ähnliche Entdeckung. "Yi qi" (Seltsamer Vogel) nannte das Team um Xing Xu 2015 ihren Fund. Auch bei diesem Fossil eines Dinosauriers wurden sogenannte Membranflügel entdeckt - und zwar erstmals. Die Forscher erklärten ihre Entdeckung damals als evolutionäre Ausnahme. Der neueste Fund hält allerdings dagegen. Er bestätigt nicht nur, dass es sich bei den Tieren um enge Verwandte handelte, sondern könnte gleichzeitig die Theorie von lediglich einer evolutionären Linie bei der Entwicklung von Vögeln vor rund 150 Millionen Jahren ins Wanken bringen.

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Die Darstellung zeigt Ambopteryx longibrachium im Wald.

(Foto: REUTERS)

Gemäß seiner Merkmale tauften die Forscher das Tier Ambopteryx longibrachium. Ambopteryx ist der lateinische Begriff für beide Flügel. Auch der zweite Fund eines Membranflügelfliegers wird den sogenannten Scansoriopterygidae zugeordnet. Insgesamt gehören vier verschiedene Arten von sehr kleinen Dinosauriern dieser Familie der gefiederten Tiere an. Allen gemeinsam ist, dass sie lange, schmale Fingerknochen besaßen, mit denen sie wahrscheinlich auf Bäume kletterten, um Insekten zu jagen. Mit Hilfe der ledernen Flügel waren die kleinen Raubsaurier in der Lage, von Baum zu Baum zu gleiten, um einerseits ihre Jagd effektiver zu machen und sich andererseits vor Gefahren zu schützen.

Fliegen oder Gleiten

"Lange dachten wir, dass nur gefiederte Flügel einen Flugapparat bildeten", sagte Wang. Doch die Überreste von Yi qi als auch Ambopteryx könnten auf etwas anderes hinweisen. Anhand ihres Fundes können die Forscher allerdings nicht sagen, ob das ungefähr 32 Zentimeter kurze und rund 300 Gramm leichte Tier in der Lage war, sich durch Flügelschlag in der Luft zu halten. Zweifellos sei dagegen, dass es - ähnlich wie ein Gleithörnchen - gleitfähig war.

Durchsetzen konnten sich die Lederflügel aus evolutionärer Sicht bei den Mini-Sauriern, die wahrscheinlich Allesfresser waren, allerdings nicht. Die Membranflügelflieger verschwanden wieder. Aus den gefiederten, flugfähigen Dinosauriern, die sich etwa zur gleichen Zeit entwickelten und wahrscheinlich in Konkurrenz zu den Membranflügelfliegern standen, entwickelten sich dann die Vögel.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht.

Quelle: n-tv.de, jaz

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