Riekes Rückspiegel

Was war am 7. November? Der Tag, als der kleine DDR-Stinker losrollte

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Mit dem Trabant P50 begründet der spätere VEB Sachsenring eine Automobil-Ära in der DDR.

(Foto: imago/Thomas Müller)

Ein Kleinwagen für alle - diese Vision der DDR-Führung soll Ende der 1950er Jahre verwirklicht werden. In Sachsen beginnt mit der Produktion des Trabant P50 eine Ära, die bis heute eindrucksvoll nachwirkt.

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Wussten Sie, dass … eines der ikonischsten deutschen Autos heute vor 62 Jahren erstmals vom Band gelaufen ist? Am 7. November 1957 wird im sächsischen Zwickau der erste Trabant gefertigt, bestimmt fortan das Straßenbild in der DDR und hat bis heute eine große Fangemeinde.

Massenmobilisierung durch einen modernen Kleinwagen - so in etwa lautet eine der Visionen, die zu Beginn der 1950er Jahre die Staatsoberen der DDR umtreiben. In Sachsen wird sie schließlich umgesetzt: Der VEB Forschungs- und Entwicklungswerk Karl-Marx-Stadt tüftelt eine Karosserie aus, die mangels Metallen größtenteils aus Duroplast besteht, der spätere VEB Sachsenring Automobilwerke im knapp 44 Kilometer entfernten Zwickau produziert dann das Premierenmodell P50. Der Markenname: Trabant - das slawische Wort für "Begleiter".

Allzu viele DDR-Bürger begleitet der neue Zweitakter vorerst allerdings nicht, die Nullserie umfasst lediglich 50 Wagen. Auch die 1958 beginnende Serienproduktion stottert noch, insgesamt werden schließlich 131.450 Einheiten des P50 gefertigt. Dennoch sind eine Limousine, ein Kombi und ein Coupé des P50 geplant, was zumindest bezüglich der letztgenannten Variante scheitert.

Durchbruch in der 60ern

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2002 wird der Trabant P50 gar mit einer bundesdeutschen Briefmarke gewürdigt.

Erst in den 60er Jahren startet die Produktion durch, der Trabant 601 avanciert mit mehr als 2,8 Millionen Ausfertigungen zum meistgebauten Modell. Was aber nicht heißt, dass jeder und jede auch eins abbekommt: Die Wartezeit auf einen Neuwagen - egal welcher Baureihe - dauert mitunter mehr als zehn Jahre. Das mit der Massenmobilisierung klappt nicht ganz, von den etwa 17 Millionen DDR-Bürgern besitzen 1989 nur 3,7 Millionen ein Auto.

Die Trabi-Ära endet schließlich am 30. April 1991, als der letzte Pkw aus der Reihe 1.1 das Zwickauer Werk verlässt. Damals hat bereits Volkswagen das Sagen bei Sachsenring. Was vom kleinen Stinker bleibt, ist mehr als nur Symbolcharakter für den Alltag in der untergegangenen DDR. Der Trabant ist ein Stück deutscher Automobilgeschichte, der letzte Trabi fährt gar mit Volkswagen-Motor unter der Haube. Noch immer rattern Rennpappen über die Straßen - im gesamten Bundesgebiet. Der Großteil der Fangemeinde lebt allerdings nach wie vor im Osten, zu Trabi-Treffen von Anklam bis Zwickau kommen jährlich immer noch Tausende Menschen.

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Redakteur Christoph Rieke wirft in "Riekes Rückspiegel" täglich einen Blick in die Vergangenheit.

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Quelle: n-tv.de

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