Leben

Aus der Schmoll-Ecke Guttenberg muss wieder Minister werden!

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Karl-Theodor zu Guttenberg trat im März 2011 nach der Plagiatsaffäre zurück.

(Foto: picture alliance / dpa)

Einst forderte Pipeline-Manu den Herrn Doktor zum Rücktritt auf. Grund: "Täuschungsversuch" und "Verschleierungstaktik". Ein Witz, dass sie selbst im Amt bleibt, wenn man ihre Aussage zum Maßstab erhebt. Es ist Zeit, Guttenberg zu rehabilitieren.

Freundinnen und Freunde meiner samstäglichen Grobheiten, ich versichere Ihnen, als patriotischer Sehr-Gutmensch füge ich meinem Land selbstverständlich keinen finanziellen Schaden zu. Steuern zahle ich immer pünktlich. Neulich aber ist es passiert. Ich war im Verzug. Ich schwöre bei allem, was mir unheilig ist, es geschah nicht in böser Absicht. Ich musste dem Finanzamt eine neue Einzugsermächtigung übermitteln, was ich prompt tat. Als Folge einer allgemeinen Belastungsstörung, unter der ich leide, vergaß ich jedoch, das Papier zu unterschreiben.

Ich erhielt umgehend eine Mahngebühr. Zack. Peng. Da kennt der Staat keine Gnade. Die wurde mir, das sei hier aus Gründen der Fairness zwingend erwähnt, erlassen, nachdem ich den Betrag rasch überwiesen, mich telefonisch per Selbstbeschimpfung gegeißelt und am Telefon tiefes Bedauern zum Ausdruck gebracht habe. Ich betone ausdrücklich, dass die Frau beim Finanzamt sehr freundlich und verständnisvoll war. Das empfand ich als angenehm im sonst so schrulligen Berlin. Danke!

An der hauptstädtischen Effizienz beim Geldeintreiben sollte sich Mecklenburg-Gazprommern ein Beispiel nehmen. Dort gehen schon mal im Finanzamt Steuererklärungen von Landesstiftungen verloren, die der Staatskasse so um die zehn Millionen Euro einbringen könnten. Das kann natürlich passieren, erst recht, wenn die Kohle von einem russischen Gasunternehmen stammt, das in Mecklenburg-Gazprommern bis vor Kurzem hohes Ansehen genoss. Trotzdem sei hier daran erinnert: Vor dem Gesetz sind bekanntlich alle gleich. Da wird sicher eine Mahngebühr fällig.

Nee, halt mal. Die von Pipeline-Manu initiierte Stiftung, die sich ohne Rücksicht auf ukrainische Verluste für den Klimaschutz einsetzt, ist ja als Non-Profit-Organisation von der Schenkungsteuer befreit, muss nichts zahlen. Oder? Das verrät sie nicht. Muss sie auch nicht. Steuergeheimnis. Wir sind ja ein Rechtsstaat.

Klimaschützer lieben Leim

Wissen Sie, was Pipeline-Manu und die AktivistSTERNCHENinnen von der allerletzten Generation neben dem gemeinsamen Kampf gegen die Erderwärmung verbindet? Leim. Die einen kleben sich auf Straßen fest, die andere an ihr politisches Amt. Noch eine Gemeinsamkeit sind die hohen Ansprüche an die Moral. Für Pipeline-Manu sind ein "Täuschungsversuch" und "Verschleierungstaktik" Grund für einen Rücktritt. Wer als Politiker "für besondere Werte wie Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit" zu stehen vorgibt, "muss sich dann auch an ihnen messen lassen". Denn "das beschädigt seine Glaubwürdigkeit und damit das Vertrauen".

Kein Scherz. So hat es Pipeline-Manu im Februar 2011 dem "Hamburger Abendblatt" als stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende über Karl-Theodor zu Guttenberg gesagt. Sie wissen, das ist der CSU-Mensch, der als Verteidigungsminister wegen einer Lappalie zurückgetreten ist. Er hatte, wenn ich mich recht entsinne, irgendwo irgendetwas abgeschrieben und das Ganze Doktorarbeit genannt. Auf die Frage, ob sie Mitleid mit ihrem Kollegen habe, antwortete Pipeline-Manu damals: "Nein. Politik ist kein Streichelzoo, sondern ein hartes, öffentliches Geschäft."

Exakt. Deshalb spielen Lug und Trug und das Desinteresse am eigenen Gerede von vorgestern keine Rolle. Rücktritt? Hahaha. Ursula von der Leyen ist nach der Berateraffäre sogar EU-Kommissionspräsidentin geworden. Andreas Scheuer hat Milliarden versenkt und durfte weiterhin dilettieren. Da wird doch eine wie die superstarke Pipeline-Manu nicht hinschmeißen (müssen). Sie will ja nicht Pförtnerin im Streichelzoo werden, sondern Kanzlerin. Solche Haudegen brauchen wir. Vielleicht kann Pipeline-Manu ja zunächst Frau Lambrecht, die Helikopter-Überfliegerin der Nation, als Bundesministerin für Selbstverteidigung ablösen.

Noch besser: Lasst uns zu Guttenberg rehabilitieren und wieder zum Chef des Bendlerblocks machen. Der war bei den Soldaten immerhin beliebt. Auf das Parteibuch zu pfeifen, würde wunderbar zum neuen Politikstil der Fortschrittskoalition passen. Vielleicht ist zu Guttenberg ja sogar bereit, aus Bayern nach Hessen ziehen und das ihm bei Geburt zugewiesene Geschlecht abzustreifen, damit es genug Frauen aus Hessen im Kabinett von Olaf dem Unklaren gibt. Denn Geschlecht und Wohnort sind nun mal wichtiger als Kompetenz. Fragen Sie Anton Hofreiter, dem seine langen Haare auch nicht geholfen haben.

Reisepläne für Sylt

Olaf der Unklare steht fest an der Seite der Verteidigungsministerin, mit der er "eng und vertrauensvoll zusammenarbeitet". So steht es jedenfalls im Sprachbaukasten von Vize-Regierungssprecherin Christiane Hoffmann, den sie nutzt, wenn der Kanzler öffentlich Treue schwört. Auch mit Anne Spiegel hat Olaf der Unklare "eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet", ließ uns Frau Hoffmann wissen. Aber was soll sie auch sonst sagen? Der Kanzler ärgert sich, dass die FDP nicht Marie-Agnes Strack-Zimmermann zur Verteidigungsministerin gemacht hat? Frau Lambrecht und Frau Spiegel planen einen gemeinsamen Urlaub mit den Kindern auf Sylt? Das wäre lustig, ist aber politisch wenig überzeugend.

Sie wissen, Frau Lambrecht hat neulich die Luftwaffe mit der Lufthansa verwechselt, als sie das Bataillon Elektronische Kampfführung 911 in Stadum in Schleswig-Holstein besucht hat. Es ist für Fernmeldeaufklärung der Bundeswehr zuständig - falls das WLAN stabil ist. (Achtung Verschwörungsirre: 911 ist die allgemeine Notrufnummer für Polizei, Feuerwehr in den USA. Daraus lässt sich doch bestimmt was Nettes stricken.)

Und zufällig hat die Ministerin kurz vor Ostern bei den 911-ern einen Termin gehabt. Bei einem beiläufigen Blick in ihren Kalender hat sie dann festgestellt, dass Ostern Urlaub mit dem Sohnemann auf Sylt ansteht. Ausspannen in Kriegszeiten ist wichtig. Nun bittet Frau Lambrecht um Verständnis dafür, dass sie "den Kontakt zum Kind weiter aufrecht" halten will. Na klar doch, verstehen wir das. Wir denken ja auch an die ukrainischen Männer, die ihre Kinder vermissen. Fingerspitzengefühl hat die Ministerin schon mit ihrer 5000-Helme-Aktion gezeigt.

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Ach ja, ihr Sohn ist "ja keine Person des öffentlichen Lebens", weshalb er nicht "so in den Fokus" gerückt werden sollte. Wer hat das Foto vom Helikopterflug eigentlich in den sozialen Medien hochgeladen? Schwamm drüber. Denn juristisch ist alles sauber, die 216 Euro zahlt Frau Lambrecht korrekt an die Staatskasse.

Christian Lindner, verrät uns die "Bunte", musste seine Hochzeit in der Toskana absagen. Der Personenschutz für den Kassenwart ist nicht gesichert. Nun will er auf Sylt feiern. Vielleicht fliegt ja Frau Lambrecht demnächst wieder nach Stadum. Dann könnte man sich zusammentun.

(Dieser Artikel wurde am Samstag, 14. Mai 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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