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"Daredevil" kann zwar nicht sehen, zielen kann er trotzdem. So legt er reihenweise Kriminelle um.
"Daredevil" kann zwar nicht sehen, zielen kann er trotzdem. So legt er reihenweise Kriminelle um.(Foto: Photo: Barry Wetcher © 2014 Netflix, Inc. All Rights Reserved.)
Freitag, 10. April 2015

Blinder Sadist als Marvel-Held: "Daredevil" quält finstere Gestalten

Von Anna Meinecke

Es ist mal wieder Heldenzeit. Ohne Augenlicht doch mit überragenden Reflexen kämpft "Marvel's Daredevil" gegen New Yorker Untergrundkriminelle. Zwischen starken Schlägen und Blutlachen glänzt das Netflix-Format mit fein gezeichneten Charakteren.

Düsterer, kantiger und reifer als vergleichbare Formate sollte sie sich ins Marvel-Universum einfügen, die Serienadaption von "Daredevil". Vergessen ist Ben Affleck, der den Comic-Helden bereits 2003 lasch im Kino verkörpern durfte. Das neue Gesicht des erblindeten Rächers ist das von Charlie Cox, der bereits bei "Boardwalk Empire" Serienerfahrung sammeln durfte. Über Netflix ist die gesamte erste Staffel der Show abrufbar.

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Wer mit dem Comic-Original nicht vertraut ist, der wird von "Daredevil" recht schnell in die Handlung geschubst. Matt Murdock verliert als kleiner Junge bei einem Unfall sein Augenlicht. Zum Ausgleich kann er fortan mit außerordentlichen Fähigkeiten abseits des Sichtbaren triumphieren. Sein Gefühl macht ihn zum Lügendetektor auf zwei Beinen. Als Anwalt stellt Murdock bei Tag im New Yorker Bezirk Hell's Kitchen Gerechtigkeit her, bei Nacht tut er das irgendwie auch - allerdings etwas abseits des Gesetzes mit schwarzer Maske und Ninja-Kicks.

Blutig, ehrlich, stark besetzt

Hat man die zähe Beichtstuhlszene der Anfangsminuten überstanden, trägt "Daredevil" ein gesunder Ausgleich aus Action und feinen Charaktermomenten. Die Show ist verdammt brutal. In seiner Rolle schlägt Schauspieler Cox nicht nur einmal öfter zu als nötig. Mit der Faust. Ins Gesicht. Auch vor Blut schreckt das Format nicht zurück. Wenn Murdocks Klientin Karen Page kurz vor dem Ersticken ihrem Peiniger in die Augen langt, dann tun ihre Fingernägel das, was auch echte Nägel tun würden: Sie kratzen.

Zunächst ist Karen Page (r.) das Opfer, dann darf sie an "Daredevils" Seite mitspielen.
Zunächst ist Karen Page (r.) das Opfer, dann darf sie an "Daredevils" Seite mitspielen.(Foto: Photo: Barry Wetcher © 2014 Netflix, Inc. All rights reserved.)

Doch immer zur rechten Zeit gelingt es den Machern der Show, ihr Format auch zu beruhigen. Ohne die Handlung auf prätentiöse Weise künstlich zu verschleiern, verraten sie stets nur so viel wie eben nötig. Stattdessen haben die Charaktere Raum, sich über die Statistenrolle in einer Actionszene hinaus zu entwickeln.

Im Gegensatz zu vielen anderen Fernsehshows spürt man die Chemie zwischen den Schauspielern. "True Blood"-Star Deborah Ann Woll befreit sich als Karen überzeugend aus ihrer Opferrolle und Elden Henson, der Murdocks Freund und Geschäftspartner Foggy Nelson spielt, muss nicht nur alberner Sidekick sein, er darf auch eine eigene Geschichte erzählen.

Der sadistische Superheld

"Daredevil" erzählt die Geschichte eines Superhelden, doch es ist vor allem eine Serie über Verbrechen. Statt gegen abgedrehte Wissenschaftler oder galaktische Bösewichte kämpfen die Helden der Netflix-Show gegen Killer, korrupte Polizisten und die üblichen Menschen handelnden, Drogen vertickenden Gangster. Bei schummrigem Licht wird in dunklen Gassen gekämpft.

Eine der großen Qualitäten von "Daredevil" ist es, dass die Show nicht daherkommt, als würde sie lieber im Kino laufen. Schummriges Licht und abgeschminkte Schauspieler passen eben nicht zu den "Avengers". Maskiert und bereit, den bösen das Handwerk zu legen, könnte "Daredevil" Marvels Batman sein. Doch er taugt einfach nicht als strahlender Held. "Daredevil" ergeht sich in Gewalt. Er ist ein Sadist.

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Quelle: n-tv.de