Unterhaltung

"Boyhood", Clooney und "Charlie" Hollywood feiert, lacht und trauert

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Die Handtasche mit dem "Ich bin Charlie"-Anstecker gehört zu Amal Clooney.

(Foto: REUTERS)

Ein langjähriges Filmexperiment und eine in Deutschland gedrehte Komödie räumen bei den Golden Globes ab. Als äußerst zukunftstauglich erweisen sich aber die Fernsehpreise. Und ein bekannter Preisträger bekennt: "Je suis Charlie".

"Lassen Sie uns die Filme feiern, die Nordkorea uns durchgehen ließ." Moderatorin Tina Fey konnte sich bei der Verleihung der Golden Globes den Seitenhieb auf den Hackerangriff auf Sony und den vorübergehenden Rückzug der Komödie "The Interview" nicht verkneifen.

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Die Moderatorinnen Tina Fey (l.) und Amy Poehler (r., mit Margaret Cho) machten sich auch über Nordkorea lustig.

(Foto: REUTERS)

Da war sie nicht die Einzige. In eher ernsten Worten wurde der Wert künstlerischer Freiheit betont - mit Verweis auf den Hackerangriff, für den Nordkorea verantwortlich gemacht wird, und auf die Anschläge von Paris. "Gemeinsam werden wir zusammenstehen gegen jeden, der das Recht auf freie Meinungsäußerung unterdrückt", sagte der Chef des Verbands der Auslandspresse in Hollywood, Theo Kingma. Das gelte für jeden Ort der Welt, "von Nordkorea bis Paris", fügte er an und erhielt dafür Standing Ovations. Einige Gäste trugen einen Anstecker oder ein Schild mit der Aufschrift "Je suis Charlie" (Ich bin Charlie), darunter etwa Helen Mirren und Diane Kruger.

Ansonsten jedoch standen die Preise im Vordergrund. Und von Kontroversen bei den tatsächlichen Gewinnern konnte nun wirklich nicht die Rede sein. Mit "Boyhood" in der Kategorie Drama und "The Grand Budapest Hotel" bei den Komödien gewannen zwei Favoriten die Golden Globes für die besten Filme. Der deutsch-britische Film "The Grand Budapest Hotel" ist des jüngste Werk von Regisseur Wes Anderson. Gedreht wurde der Streifen um ein fiktives Hotel in der Zwischenkriegszeit vor allem in Görlitz: Die ostsächsische Stadt, die mittlerweile ein beliebter Drehort ist, wird bereits liebevoll Görliwood genannt.

Experiment und individueller Stil

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Cast und Regisseur Linklater (M.) von "Boyhood" konnten sich über drei Golden Globes freuen.

(Foto: REUTERS)

Das Jugenddrama "Boyhood" wiederum ist ein erstaunliches Langzeitexperiment. Der zudem als bester Regisseur prämierte Richard Linklater drehte den Film über zwölf Jahre mit denselben Schauspielern - darunter Ethan Hawke und Patricia Arquette, die den Golden Globe als beste Nebendarstellerin erhielt.

Ohne Frage zeigen die beiden Preisträger, dass in diesem Jahr Mut zum Experiment und individueller Stil hoch im Kurs stehen. Vor allem für Richard Linklater kommen die Preise einem Triumph gleich. Schließlich ist seine Langzeitstudie, die zwischen 2002 und 2013 entstand, ein einzigartiger Versuch, die Filmfiguren über mehrere Jahre zu begleiten. Die Darsteller schrieben zudem Großteile der Dialoge selbst und brachten so ihre eigene Sicht ein.

Mit diesen und weiteren Preisen im Rücken geht "Boyhood" als Favorit ins Oscar-Rennen, auch wenn man einige Mitkonkurrenten noch nicht abschreiben sollte. Dazu gehört etwa "Birdman". Der Film um einen alternden Schauspieler konnte den Preis für den besten Hauptdarsteller in einer Komödie einheimsen: Michael Keaton empfiehlt sich damit für den Oscar.

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Michael Keaton wurde als bester Komödien-Darsteller ausgezeichnet.

(Foto: REUTERS)

Konkurrenz bekommt er aber von Eddie Redmayne, dem besten Drama-Darsteller, der für seine Rolle als Physiker Stephen Hawking in "Die Theorie der Unendlichkeit" ausgezeichnet wurde. Er setzte sich damit gegen Landsmann Benedict Cumberbatch durch, der in "The Imitation Game" ebenfalls einen Wissenschaftler spielt: den Mathematiker Alan Turing. Die drei Schauspieler dürften sich bis zur Oscarverleihung Ende Februar ein spannendes Rennen liefern.

"Je suis Charlie"

Bei den Frauen ist die Sache etwas klarer. Zwar nahm sich Amy Adams eine Golden Globe für Tim Burtons Kunstfälscher-Komödie "Big Eyes" mit nach Hause. Bei den Oscars dürfte sie aber keine Chance gegen Julianne Moore haben, die als Alzheimer-Kranke in "Still Alice" brilliert und ebenfalls mit einem Globe ausgezeichnet wurde.

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Mit "Charlie"-Anstecker und Lebenswerk-Preis: George Clooney.

(Foto: AP)

Spott musste dagegen George Clooney ertragen, der mit dem Cecil B. DeMille Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. "George Clooney hat dieses Jahr Amal Alamuddin geheiratet", sagte Moderatorin Fey und fügte an: "Amal ist eine Menschenrechtsanwältin, die im Enron-Fall gearbeitet hat, eine Beraterin für Kofi Annan zum Thema Syrien war und eine von drei Personen in einer UN-Kommission zu Verletzungen von Kriegsrecht im Gazastreifen war. Ihr Ehemann bekommt also heute einen Preis für sein Lebenswerk." Clooney jedoch blieb ernst und sprach angesichts der Trauermärsche für die Anschlagsopfern von Paris von einem "außergewöhnlichen Tag". "Je suis Charlie", bekannte auch er.

Das Fernsehen der Zukunft

Während jedoch alle Augen auf die Filmauszeichnungen gerichtet sind, aus denen man Voraussagen für die Academy Awards zaubert, bewiesen die Fernsehpreise ein Gespür für die Zukunft. Der Golden Globe für die beste Dramaserie ging an "The Affair", die die Auswirkungen eines Seitensprungs zeigt. "Transparent" erhielt den Preis als beste Comedy-Serie. Hier geht es um eine Familie, deren Vater sein Coming-Out als Transsexueller erlebt.

Während "The Affair" auf dem Pay-TV-Kanal Showtime läuft, der zuletzt mit "Homeland" Preise abräumte, wird "Transparent" von Amazon produziert und ist bisher nur auf der Seite des Unternehmens zu sehen - auch in Deutschland. Die Golden Globes reagieren damit auf die Erweiterung des Fernsehmarktes durch Onlineanbieter. Dazu passt auch, dass Kevin Spacey als bester Schauspieler einer Dramaserie ausgezeichnet wurde, denn auch "House of Cards" erscheint beim Online-Anbieter Netflix. Für Spacey war es darüber hinaus der erste Golden Globe bei acht Nominierungen.

Leer gingen dagegen die deutschsprachigen Nominierten aus. Christoph Waltz, als Nebendarsteller für den Film "Big Eyes" nominiert, musste sich ebenso geschlagen geben wie der deutsche Filmmusiker Hans Zimmer, der für seine Musik für den Science-Fiction-Film "Interstellar" nominiert war.

Quelle: n-tv.de