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Heißeste Neustarts 2014 Diese TV-Serien bleiben spannend

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Die True Detectives beeindrucken weiterhin.

Großes Kino dauert heute nicht mehr etwa 90 Minuten, sondern genau eine Staffel lang: Fernsehserien sind das Bewegtbildformat der Stunde. Diese zehn Shows sollte man sich nicht entgehen lassen.

Glotze muss sich nicht verstecken, denn große Filmkunst findet längst nicht mehr nur im Kino statt. Mit unzähligen neuen Shows überschwemmten die Sender 2014 den TV-Markt - nicht alle muss man gesehen haben. Es sollen ja aber auch nicht immer "Game of Thrones" oder "Homeland" sein. Diese zehn Fernsehserien gehören sicher nicht ins Vorabendprogramm, sind keine Zeitverschwendung und überhaupt nicht dumm.

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Im ländlichen Minnesota, wo sich dicke Schneedecken über brutale Morde legen, spielt "Fargo". Die Serie ist weder Spin-Off noch Remake des gleichnamigen Films von 1996, sondern viel mehr eine Hommage an den Streifen der Coen Brüder. In der Ödnis des Mittleren Westens unter Menschen mit einprägsamem Akzent und ausgeglichenem Charakter sind zwei Kleinstadtpolizisten einem Versicherungsvertreter auf den Fersen. Der Unglückliche heißt Lester, hat gerade ordentlich eins auf die Nase bekommen und auch daheim nicht viel zu lachen. Als er in der Notaufnahme eines Krankenhauses den Auftragskiller Lorne Malvo kennenlernt, gerät sein pflichtbewusstes Leben aus der Balance.

"Fargo", Krimi / Drama. Für Fans von schwarzem Humor und weißen Landschaften.

 

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Zwei ungleiche Partner bilden ein Ermittlerteam und lösen einen Mordfall. Das ist die Geschichte von "True Detective", der Serie, die in Originalfassung so furchtbar schwer zu verstehen ist. 17 Jahre nachdem die Prostituierten Dora Lang brutal hingerichtet wurde, taucht eine ähnlich drapierte Leiche auf und die beiden Ex-Polizisten müssen zurück in den Einsatz. Kaum eine TV-Serie bekam 2014 so viel gute Kritiken wie diese. Wenn sie in diesem Jahr fortgesetzt wird, muss sie ohne ihre viel gelobten Hauptdarsteller Matthew McConaughey und Woody Harrelson auskommen. Staffel zwei setzt auf neuen Cast und neue Geschichte.

"True Detective", Krimi / Drama. Für Fans von gedrückter Stimmung und der dünnen McConaughey-Version.

 

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Wer weiß schon jemals wirklich abschließend, wer er ist? Einer Antwort nährt sich spät im Leben jedenfalls Mort, der in "Transparent" endlich eine "Sie" wird: Maura. Während Maura weiß, was sie will, stehen ihre drei erwachsenen Kinder in der Hinsicht noch ganz schön auf dem Schlauch. Sarah verwandelt sich von der Hausfrau mit Mann und zwei Kindern in die Hausfrau mit lesbischer Freundin und noch mehr Kindern. Josh ist eigentlich ein Aufreißer, will nun sesshaft werden, scheitert jedoch am "wie" und Alli weiß eigentlich gar nicht, wohin mit sich - vielleicht wäre sie gern ein Mann. "Transparent" zeigt Menschen, die manchmal seltsam und abstoßend sind, grausam zueinander und hart gegen sich selbst, auf der Suche nach der eigenen Identität.

"Transparent", Drama / Komödie. Für Fans von Familienessen und Identitätskrisen.

 

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Richard Hendricks trägt Kapuzenpulli und schreibt Code. Er ist Computer-Profi, aber kein Arschloch. Wissen, wie und wann man ein Arschloch sein sollte, scheint nun aber von besonderem Vorteil, will man es zu etwas bringen im "Silicon Valley". So heißt es jedenfalls in der gleichnamigen Serie, die die IT- und Start-Up-Szene im südlichen Teil der San Francisco Bay Area auf die Schippe nimmt. Hendricks entwickelt einen Algorithmus, auf den es plötzlich ein Google-ähnliches Unternehmen und ein großer Inkubator gleichzeitig abgesehen haben. Der Nerd muss sich entscheiden: Wählt er sicheren Reichtum und eventuelles Bedauern oder die Chance, der nächste Mark Zuckerberg zu werden?

"Silicon Valley", Sitcom. Für Fans von Steve Wozniak und Schreibtischhumor.

 

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Kleine Dinge können große Kräfte entfachen. Es ist die Zeit des Zweiten Weltkriegs: Mitten in der Wüste von New Mexiko, hinter Stacheldraht, an einem Stützpunkt so geheim, dass er nicht einmal eine richtige Adresse hat, versucht eine kleine Gruppe Forscher, eine Atombombe zu bauen. Es ist das "Manhattan Project". Die Serie "Manhattan" lässt ihre Wissenschaftler in dem Glauben, an einer Waffe zu arbeiten, die ein schnelles Kriegsende herbeiführen wird. Sie wissen noch nicht, dass ihre Ergebnisse stattdessen für immer auch den Frieden beeinflussen werden. Im Stil von "Masters of Sex" nutzt die Show Geschichte als Fiktion. Ein Stück Menschheitsgeschichte wird bereichert durch die künstlerisch erdachte Begeisterung ob der wissenschaftlichen Erkenntnisse.

"Manhattan", Drama. Für Fans von Sand und Rachel Brosnahan.

 

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Barry Allen ist Forensiker und er ist "The Flash", Superheld und schnellster Mann des Planeten. Die Comic-Adaption musste sich mit den TV-Neulingen "Gotham" und "Constantine" messen und hat gewonnen - jedenfalls bei der breiten Masse. Für einen Comic-Helden kommt Allen schließlich schon in seiner eigenen Geschichte ungewöhnlich gut an. Doch auch wenn er nicht der einsame Wolf à la Batman oder Spiderman ist, muss er doch die gleiche Lektion lernen, wie seine Heldenkollegen auch: Mit der neu gewonnen Macht wächst die Verantwortung - das Böse bekämpfen muss er natürlich.

"The Flash", Science-Fiction. Für Fans von Ganzkörperanzügen und Spezialeffekten.

 

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Der Morast des Nahen Ostens ist der Nährboden von "The Honorable Woman". Maggie Gyllenhaal spielt die Noble mit ebenso noblen Absichten: Die britisch-israelische Nessa Stein hat von ihrem Vater ein Waffenunternehmen geerbt, nachdem dieser vor ihren Augen ermordet wurde. Jetzt will sie den Gaza-Streifen mit Internet versorgen, um dort das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Mit der gleichen feinen Widersprüchlichkeit, mit der die Macher der Show Gyllenhaals Charakter zeichnen, beleuchten sie auch den israelisch-palästinensischen Konflikt. Anders als zum Beispiel "Tyrant" findet die Serie Täter und Opfer auf beiden Seiten und der Journalist aus Folge eins fragt Nessa sicher nicht zu Unrecht: "Wenn man die Geschichte des Nahen Ostens betrachtet, endet es nie gut für die Idealisten, oder?"

"The Honourable Woman", Politthriller. Für Fans von britischen Spionage-Filmen und amerikanischen Schauspielerinnen.

 

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Auch der Soundtrack hat's in sich.

Ob arm, ob reich: Krank werden sie alle im New York des frühen 20. Jahrhunderts und wenn das der Fall ist, ist Dr. John Thackery zur Stelle. Clive Owen mimt in "The Knick" den Chirurgen, der mehr wie ein Metzger daherkommt. Operationen, die heute als Routineeingriffe gelten, kosten Leben, doch Thackerys größtes Problem scheint erst einmal der schwarze Kollege. Die Show erzählt von der Vergangenheit und fühlt sich doch an wie die Gegenwart. Sie ist so dunkel, wie die Ecken in denen der Arzt sich sein Kokain spritzt, und transportiert doch den Optimismus einer Zeit des medizinischen Fortschritts.

"The Knick", Drama. Für Fans von blutigen Händen und weißen Schnürschuhen.

 

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Liv Tyler bei der Premiere.

(Foto: imago/UPI Photo)

An einem schicksalhaften 14. Oktober verschwinden zwei Prozent der Weltbevölkerung - also rund 140 Millionen Menschen. Der Rest muss damit klarkommen. "The Leftovers" erzählt die Geschichte derer, die überlebten. Während sich die einen mehr oder weniger berappeln, kehren einige wenige ihrem alten Leben den Rücken zu. Sie kleiden sich ganz in Weiß, sprechen kein Wort, rauchen dafür quasi ununterbrochen. Zwischen deprimierender Leere und unergründlicher Traurigkeit entspinnt sich die undurchsichtige Handlung der Show. Ihre Bilder transportieren mehr Gefühl als Geschehen.

"The Leftovers", Fantasy / Drama. Für Fans von Verschwörungstheorien und Zigaretten.

 

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Sehen und gesehen werden.

Drei Freunde in San Francisco: Patrick sucht die große Liebe, Agustin hat sie vielleicht schon gefunden und wird sesshaft, Dom will endlich ein Restaurant eröffnen: Sie alle sind schwul. Trotzdem kommt "Looking" ohne melodramatische Coming-Out-Story aus und verzichtet auf Extravaganzen. Homosexualität behandelt die Show nicht als Voraussetzung wie etwa "The New Normal" oder als Revolution wie "Queer as Folk", sondern einfach als authentischen Teil ihrer Charaktere. "Looking" ist genauso wenig das schwule "Girls", wie "Girls" das hippe "Sex and the City". Die Serie erzählt vom Leben und der Liebe - eine Sitcom, die sich wie ein Indie-Film anfühlt.

"Looking", Komödie / Drama. Für Fans von schönen Männern und Couch-Geschichten.

 

Außerdem einen Versuch wert

Das Krimi-Drama "Happy Valley", in dem eine Polizistin den angeblichen Vergewaltiger ihrer Tochter verfolgt, die Horror-Serie "Penny Dreadful", in der Eva Green so schön schauerlich spielt wie in "Sin City 2", das Drama "The Affair", dass die Geschichte eines Seitensprungs aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, und die Comedy-Show "Broad City", bei der sich alles um zwei New Yorkerinnen in ihren Zwanzigern dreht könnte man sich dann, wenn man nun eh schon Serien-Abhängige(r) ist, auch noch genüsslich zu Gemüte führen. Chips oder Eiskonfekt?

Quelle: ntv.de