Unterhaltung

Superheldin wider Willen "Jessica Jones" rettet die Welt mit Promille

jessi_key_002_h.jpg

Jessica Jones will kein Superheld sein. Genau das aber macht sie zu einem der spannendsten.

(Foto: Netflix)

Kann man sich denn nicht einmal mehr in Frieden in den Koma-Schlaf trinken? "Jessica Jones" will eigentlich nur ihre Ruhe. Nun aber muss sie Heldin sein. In der neuen Netflix-Serie muss sie es mit einem Mann aufnehmen, der Frauen in den Wahnsinn manipuliert.

Jessica Jones könnte auf den ersten Blick als schnöde Privatermittlerin daher kommen. Hinter grummeliger Miene und Klamotten, wie sie kein "Tatort"-Kommissar hätte einschläfernder kombinieren können, verbirgt sich jedoch eine echte Heldin, eine Superheldin. Nach "Daredevil" ist "Jessica Jones" der zweite Comic-Stoff aus dem Hause Marvel, dem sich der Streamingdienst Netflix annimmt. So viel sei bereits verraten: Runde zwei läuft noch deutlich besser!

*Datenschutz

Mit merchandise-fähigen Superhelden-Kostümchen kann "Jessica Jones" nicht aufwarten. Tatsächlich würde die Heldin dieser Geschichte vermutlich lieber im Tütü über den Tresen tanzen, als mit ihren übernatürlichen Fähigkeiten hausieren zu gehen. Ja, sie hat Kräfte, um die andere sie beneiden würden. Doch dort, wo sie die hernimmt, schlummert auch ihre größte Angst. Wenn Jessica Jones (Kristen Ritter) könnte, wie sie wollte, würde sie in ihrem schäbigen Apartment Tage wie Nächte in Whiskey ertränken. Doch die Welt rettet sich bekanntlich nur ganz selten von alleine.

Wer hat Angst vorm lila Mann?

jessi_s1_018_h.jpg

Jessica Jones will eigentlich nur ihre Ruhe. Nun aber muss sie Heldin sein.

(Foto: Myles Aronowitz/Netflix)

Ihren ersten Auftritt hatte Jessica Jones 2001 in der Comic-Reihe "Alias". Melissa Rosenberg hat die Geschichte nun für Netflix adaptiert. Aus gedruckten Zeiten übernommen ist neben dem Job als Privatermittlerin und dem Alkoholproblem auch Jones' Antagonist. Dr. Zebediah Killgrave (David Tennant) ist aus den Printgeschichten als "Purple Man" bekannt. Im Bewegtbild bleibt dem Bösewicht die lilafarbene Haut erspart - stattdessen trägt er entsprechend kolorierte Accessoires. Meister der Gehirnwäsche ist er geblieben.

Indem er ein unschuldiges Mädchen in seinen Bann bringt, manipuliert sich Killgrave seinen Weg zurück ins Leben von Jessica Jones. Er ist der Inbegriff des Frauenschrecks, der Besitzergreifende, der Stalker. Wenn Jessica Jones sich in "Buffy"-Manier mit ihren vornehmlich weiblichen Verbündeten formiert, um dem furchteinflößenden Manipulierer das Handwerk zu legen, ist das ein übernatürlicher Kampf, wie er natürlicher nicht sein könnte. Kaum eine Frau, die die unmittelbare Bedrohung, die von männlicher Beharrlichkeit ausgeht, nicht wenigstens erahnen kann.

Vollwertig fies, voll überzeugend

Jessica Jones ist vielleicht ordentlich zynisch, doch die Welt hat sie dazu gemacht. Sie ist das weibliche Pendant zu all den Ekligkeiten, die das Fernsehen uns in den letzten Jahren im Heldengewand präsentiert hat - man denke mal an "Mad Men's" Don Draper oder Franc Underwood aus "House of Cards".

Jessica Jones ist im Gespräch sperrig, beim Sex enthemmt und, wenn es drauf ankommt, bereit, abzuliefern. "Jessica Jones" bringt der Welt der Superhelden Trübsinn und damit - vielleicht überraschend - frischen Wind ins Genre. Was "Game of Thrones" für Drachengeschichten war, könnte "Jessica Jones" für die Leggings-Kämpfer werden. Wieso eigentlich nicht?

"Marvel's Jessica Jones" ist ab Freitag, den 20. November, aufrufbar bei Netflix.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema