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Großes Geschäft mit Fake-Profilen Kaufen Sie sich doch ein paar Freunde!

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(Foto: Instagram/kimkardashian)

Sie bevölkern das Internet, doch hinter ihren Online-Identitäten verbergen sich keine echten Menschen. Bots sind Programme - und ohne sie ist Social Media kaum noch denkbar. Für ein paar Euro generieren sich Stars oder Unternehmen digitale Macht.

Wer heute etwas auf sich hält, hat ein populäres Instagram-Profil - also eins, mit vielen Abonnenten. Weil sich die meisten Leute aber nicht für den 17.476. Pancake-Post von Paula aus Posemuckel interessieren, muss Paula vielleicht ein wenig nachhelfen. Abonnenten kann man nämlich kaufen. Nie lief das Geld-gegen-Freunde-Geschäft einfacher.

Man braucht nur einmal "buy instagram followers" bei Google eintippen. Für etwa 8 Euro bekommt man 1000 neue Abonnenten für das eigene Instagram-Profil. Natürlich handelt es sich dabei aber nicht um echte Nutzer der Plattform. Hinter den Accounts stecken Bots, Computerprogramme, deren Code sie in sozialen Netzwerken wie echte Menschen agieren lässt.

Bots sind kein neues Phänomen. Wer online unterwegs ist, kennt die Computer-generierten Profile mit Namen wie Julia34769, die entweder kein Bild beinhalten oder eins von einer knapp bekleideten Frau und in der Regel auf Seiten mit pornografischen Inhalten verweisen.

Fast 8 Prozent Fakes auf Instagram

Die Bots, die sich heute vornehmlich in sozialen Netzwerken herumtreiben, sind besser getarnt. Ihre Profilnamen klingen nach echten Personen, sie posten tagsüber und simulieren nachts Schlaf durch Inaktivität. Auf ihren Accounts kann man Fotos entdecken, die auch ein entfernter Bekannter geknipst haben könnte, sie kommentieren Posts, kommunizieren mit einander.

Es sind Millionen Bots aktiv. Wie "Business Insider" berichtet sollen sie laut einer Studie italienischer Forscher ganze 7,9 Prozent der Instagram-Nutzer stellen - und das sogar noch nachdem Instagram gegen Ende des vergangenen Jahres mit einem Massen-Löschen von Fake-Profilen die Plattform zu reinigen versucht hat. Das ist beunruhigend, denn Bots bedeuten Online-Macht.

Bots lassen Normalos, Stars oder Unternehmen und ihre Inhalte populärer erscheinen als sie sind. Klar, das wirkt jetzt noch nicht so richtig dramatisch. Soll sich Paula aus Posemuckel doch das Ego streicheln lassen und fortan mit erhobenem Haupt über den Schulhof stolzieren. Soll sich Kim Kardashian doch über 42 Millionen Follower auf Instagram freuen. Klar, so richtig cool ist Follower-Shoppen natürlich nicht. Doch wen interessiert's wirklich, ob die alle echt sind?

Keine Werbung für falsche Follower

Tatsächlich muss es zum Beispiel noch nicht mal Kardashians Schuld sein, dass das Tool "Fake Follower Check" laut "New York Times" sechs Prozent ihrer Abonnenten als Bots entlarvt. Die Fake-Profile folgen anderen Accounts nämlich nicht nur gegen Geld, sondern abonnieren prominente Accounts auch einfach, um sich wie echte Nutzer zu verhalten. Kardashian jedenfalls hat mitteilen lassen, sie greife nicht auf künstliche Unterstützung zurück.

Das Problem mit den falschen Online-Fans aber ist: Sie spielen echtes Geld ein und generieren echte Aufmerksamkeit. Für einen Instagram-Post oder einen Tweet können bereits unpopuläre Celebrities zwischen 1500 und 2500 US-Dollar (zwischen 1300 und 2200 Euro) einstreichen. Bei großen Stars wie Kardashian oder Serienstar Charlie Sheen kann ein Beitrag sogar 50.000 US-Dollar (43.500 Euro) kosten.

Dabei bezahlen die werbenden Unternehmen die Promis dafür, echte Menschen zu erreichen - und zwar eine ganze bestimmte Zahl davon. Kein Computer wird schließlich jemals ihre Produkte kaufen, für Bots möchte niemand Werbung schalten.

Bot-Armeen als Meinungsbilder

Noch gravierender ist es, wenn Bots in den Meinungsbildungsprozess eingreifen. Wer sie steuert und mit der Verbreitung bestimmter Hashtags beauftragt, kann seine eigene Meinung schnell zum Trend-Thema im Netz avancieren lassen.

Nachdem im Zuge der Proteste im Gezi Park türkische Politik zunehmend online debattiert wurde, bemühten sich nach Informationen des Portals "Hürriyet" sowohl Recep Tayyip Erdogan von der islamisch-konservative Regierungspartei AKP als auch die Opposition um Fethullah Gülen um Bot-Unterstützung für ihre Botschaften.

Je effektiver Plattformen wie Instagram, Twitter und Facebook im Kampf gegen Fake-Profile werden, desto ausgeklügelter werden die Bots. Ihre Freundschaft ist nicht nur leicht zu kaufen. Um mit einschlägigen Programmen selbst eine kleine Bot-Armee zu kontrollieren, muss man kein ausgebildeter Informatiker sein. Dass Menschen mittels dieser Programme Geld verdienen, dass ihnen nicht zusteht, und Meinung machen, die ohne Tricks deutlich weniger Wiederhall gefunden hätte, kann nicht verhindert werden. Für eine verantwortungsvolle Nutzung sozialer Netzwerke ist es aber wesentlich, sich dessen bewusst zu sein.

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Quelle: n-tv.de

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