Unterhaltung

Dschungelcamp, Tag 2 "Wir waren Gott"

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Ein Herz und eine Seele: Rainer Langhans und die Tierchen.

Wer hätte das gedacht? Dank Rainer Langhans lehrt uns das Dschungelcamp, eins mit uns selbst zu werden - und wie es damals mit "Orgien und so Sachen" in der Kommune 1 war.

Ooommm. Ooommm. Nicht stören jetzt, wir befinden uns gerade in Langhansscher Tiefenentspannung. Ooommm.

Wie jetzt? Was ist denn noch? Ach so, Sie wollen etwas über das Dschungelcamp erfahren. Und das auch noch sofort oder was? Na toll! Dafür müssen wir jetzt also unsere Kopfstandbank verlassen? Ja, ja, ist ja schon gut. Aber nur, weil Sie es sind.

Momentchen noch, geht gleich los. Wir müssen nur noch mal schnell nach unseren putzigen, kleinen Küchenschaben-Freunden sehen. Dass es denen auch gut geht in ihrem neuen Nestchen, dass wir ihnen gebaut haben. Dass sie keinen Schnupfen kriegen und sich auf dem Weg zu unserem Brotkorb mal kein Beinchen verrenken.

Fein, feiner, Rainer

So, jetzt aber. Also, mal ehrlich: "Rainer ist ein Feiner", wie es die zweibeinigen Dschungel-Kollegen Rainer Langhans auf dem Weg zu seiner Prüfung im Kakerlaken-Sarg hinterher gerufen haben, ist ja wohl mal gar kein Ausdruck. Wir erhöhen auf: Fein, feiner, Rainer! Zumindest im Umgang mit den Krabbeltierchen. So wie er da mit ihnen in seinem Glassarkophag eins geworden ist, hat er sich geradezu für jede weitere Dschungel-Prüfung disqualifiziert. Wir wollen Panik, Hysterie, Schreikrämpfe! Und nicht so ein schlaffes Schneewittchen mit Haar weiß wie Schnee, Shorts rot wie Blut und mit Kakerlaken übersäter Haut schwarz wie Ebenholz - zumal das in dem Märchen doch alles irgendwie anders war. Nur dass er nach dem Biss in einen vergifteten Apfel in Dauerschlaf gefallen ist, hätte man dem 70-Jährigen bei seiner Prüfung durchaus abnehmen können.

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Kiste mit Aussicht: Langhans in seinem in die Höhe gezogenen Kakerlaken-Sarg.

Langhans macht doch tatsächlich mit seiner Liebe zu echt allem, was auch nur kreucht und fleucht, ernst. Vielleicht musste er deshalb sein Gefängnis auch "nur" mit rund 30.000 Kakerlaken teilen und nicht, wie ursprünglich angekündigt, mit Ratten. Aber selbst das führte zu solch ellenlangen Diskussionen über eine eventuelle Tierquälerei, dass sich der Alt-Hippie erst von Dr. Bob und dem Atomkriegsargument ("Kakerlaken überleben eine Atomexplosion") von seiner Friedensmission abbringen ließ und letztendlich dann doch volle elf Minuten zu der Krabbelgruppe in die Kiste stieg. Um Langhans aus seiner Seelenruhe zu bringen, würden wohl nur noch so schwere Geschütze wie Känguru-Hoden helfen - doch gerade die hat er sich als Bedingung für seine Teilnahme am Dschungelcamp verbeten.

In ekstatischer Verfassung

So mag der Rainer zwar zu dem Viehzeug ein ganz ein Feiner sein, aber Prüfungen mit ihm drohen entweder zu Tierschutz-Debatten auszuarten oder langweilig zu werden. Da ist es doch schon interessanter, wenn der Alt-68er über seinen früheren Kommunen-Alltag plaudert - auch wenn er auf die von Gitta Saxx gestellte und uns alle brennend interessierende Frage, wie das denn mit "Orgien und so Sachen" war, nur verschwurbelte Antworten gab. Immerhin durften wir erfahren, dass er mit Uschi Obermaier "alles versucht" hat, um festzustellen: "Bringt gar nichts." Tja, Rainer, nicht immer macht schon allein der Versuch klug, und vielleicht lautete auch deshalb das Fazit: "Ihr hat's gereicht."

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Misslungene Schatzsuche: Indira Weis (l) und Sarah Knappik.

Ansonsten scheint es in der Kommune geradezu gutbürgerlich zugegangen zu sein. Im ersten Jahr schwebten alle auf Wolke Sieben, so dass laut Langhans weder Drogen noch Musik ein Thema waren - schließlich war ja Musik "auch nur jämmerlich gering, gemessen an der ekstatischen Verfassung, in der wir waren". Erst danach musste man sein Leben mit Drogen aufpeppen - wer in einer Ehe oder Langzeitbeziehung ruft da nicht "Prost"? Nun gut, dass Langhans das Geständnis von Mathieu Carrière, im LSD-Rausch mal über eine rote Ampel gefahren zu sein, als "wunderbar" einstufte, drosselte kurzzeitig unsere aufkeimende Kommunen-Begeisterung. Doch als er uns mit den Worten "Wir waren Gott" erleuchtete, da war uns klar: Wir müssen sofort auf unsere Kopfstandbank. Und wenn Sie, ja Sie, uns nicht unterbrochen hätten, dann wären wir jetzt wahrscheinlich schon mindestens Petrus.

Sarah wird zur Giulia

Zur Strafe verlassen wir jetzt das Feld von Peace, Love und Harmony und wenden uns Streit und Zank zu. Nein, wir reden nicht von Froonck Matthées Wassergymnastik und Eva Jacobs Wachgestrampel früh um 4 - auch wenn beides zweifellos ein hohes Aggressionspotenzial birgt. Wir reden natürlich vor allem von Sarah Knappik und Indira Weis. Genau genommen reden wir in erster Linie von Sarah, die sich mehr und mehr anschickt, Ex-Kandidatin Giulia Siegel den Rang als Dschungel-Oberzicke abzulaufen.

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Diebische Elster: Eva Jacob.

Meine Güte, hat die sich bei der Schatzsuche aufgeführt, dass einem sogar Indira beinahe leid tun konnte. Ja, ist klar, Frau Knappik hat mit ihren 24 Jahren schon so viel erlebt, "da könnte kein Film der Welt mithalten". Nur das richtige Sozialverhalten scheint ihr dabei noch nicht begegnet zu sein. Und so wird sie wohl ihre Meinung, "50 Prozent der Menschen lieben dich immer, egal, was du tust", bald revidieren müssen. Schließlich wählten die Zuschauer sie prompt für die kommende Dschungel-Prüfung aus. Unter dem Motto "Ab durch die Wand" darf sie sich nun in Begleitung einiger ungebetener Gäste durchs Erdreich wühlen. Aber wie sagte Sarah doch, weise wie sie ist, gleich noch? "Nur wer gelitten hat, der kann erst mal das Schöne genießen."

Wie schön ist es doch in Miami

Davon kann auch Indira ein Liedchen singen. Sie hat ja nun nicht nur ihre erste Dschungel-Prüfung beim "Zahnarzt" bereits hinter sich, sondern, wie wir erfahren durften, auch einen total krassen 24-stündigen Knastaufenthalt in Miami. Da bekam sie nichts zu essen, noch nicht mal Wasser zu trinken, und man behandelte sie "wie einen Schwerverbrecher". Im Prinzip also war es wie im Dschungelcamp, nur deutlich kürzer und mit dem Unterschied, dass ihr die US-Grenzer im Gegensatz zu Eva Jacob wenigstens nicht das Dach über dem Kopf weg klauten.

Ja, früher war eben einfach auch nicht alles schlecht. Darum jetzt: Her mit der Kopfstandbank. Wir wollen zurück nach '68. Ooommm.

Dschungelcamp, Tag 1: Und er hat gar nicht gebohrt
Dschungelcamp, Tag 2: "Wir waren Gott"
Dschungelcamp, Tag 3: Deep from the Dickdarm
Dschungelcamp, Tag 4: "Leck es alles ab!"
Dschungelcamp, Tag 5: Wo die Liebe hinfällt
Dschungelcamp, Tag 6: From Sarah with Love
Dschungelcamp, Tag 7: "Vielleicht wollen die mich brechen sehen"
Dschungelcamp, Tag 8: Sechs, setzen!
Dschungelcamp, Tag 9: "Wie ein Versarah"
Dschungelcamp, Tag 10: "Was? Der hat so 'nen Kleinen?"
Dschungelcamp, Tag 11: Einfach nur unfassbar

Quelle: ntv.de