Essen und Trinken

Raus ins Grüne oder lieber an den Ofen? Ostern fällt nicht aus

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Österliche Liebesgaben bei der Deutschen Post.

(Foto: imago/Schöning)

Egal wie das Wetter wird: Wir freuen uns auf Ostern! Eiersuche im Schnee, bei Regen oder Sonnenschein, alles ist drin. Sollten auch Sie absolut nicht auf Geschenke verzichten wollen, greifen Sie doch mal zu einer zeitgenössischen Rarität: kostbar und kostenlos.

Ostern liegt in diesem Jahr reichlich spät, die Natur erwacht dafür vier Wochen früher aus dem Winterschlaf, und so sollten sich die diesjährigen Osterfeiertage recht frühlingshaft gestalten. Die Hoffnung stirbt zuletzt! Hier in Berlin und Brandenburg ist es kurz vor Ostern allerdings wenig österlich und kalte Füße beim Eiersuchen sind ziemlich wahrscheinlich. Die bunten Ostereier am grünen Strauch vor meinem Fenster sind regennass und sehen wenig verlockend aus. Nicht mal Katze Hanni geht vor die Tür, sondern stiefelt lieber ins Katzenklo.

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Beim vorösterlichen Probelauf holt sich der Berliner Hase noch nasse Füße.

(Foto: picture alliance / dpa)

Egal wie das Wetter auch wird: Eingekauft wird immer! Jedes Jahr vor längeren Feiertagen wie Ostern und Weihnachten kann ich mich angesichts nervöser Warteschlangen an Supermarktkassen und übervoller Kaufhäuser des Eindrucks nicht erwehren, ganz Deutschland stünde kurz vor dem Verhungern, nur weil an zwei aufeinander folgenden Tagen die Läden geschlossen sind. Für die meisten Deutschen sind Weihnachten und Ostern Familienfeste. Für mich auch, und ich würde mich auch sehr gerne dem Geschenke-Wahn verweigern, das klappt nur nicht so richtig. Jedenfalls Weihnachten nicht, dafür ist in meiner Familie Ostern geschenkefreie Zone, natürlich bis auf die obligatorischen bunten Eier, Schoki für die Hüften und ein leckeres Festmahl. Aber es gibt keine Personen-Geschenke, dafür schön viel Zeit zum Plaudern, Spazierengehen und Schlemmen. Ich stehe da nicht alleine auf weiter Flur, einer Umfrage zufolge wollen 35 Prozent der Deutschen keine Geschenke zu Ostern verteilen. Allerdings will jeder Dritte zur Freude des Einzelhandels auf jeden Fall etwas verschenken.

Das Oster- und auch das Weihnachtsfest ist festes Brauchtum – das weiß jedes Kind, den Grund dafür jedoch nicht zwangsläufig. Ostern und Weihnachten haben sich als christliche Feste in unserer pluralistischen Gesellschaft etabliert. Gut jeder fünfte Deutsche (22 Prozent) weiß nicht, warum eigentlich Ostern begangen wird. Immerhin wissen über drei Viertel (78 Prozent), was beim höchsten Fest der Christenheit gefeiert wird: die Auferstehung Jesu von den Toten. Bei Weihnachten halten sich Unkenntnis und Wissen etwa die Waage: 53 Prozent der Deutschen wissen, dass es sich dabei um einen christlichen Feiertag handelt, wobei 41 Prozent auch den Anlass kennen: die Geburt Jesu.

Ursprünglich allerdings war Ostern ein durchaus heidnisches Fest. Schon die ollen Germanen sollen im Frühjahr die teutonische Göttin der Morgenröte namens Ostara gefeiert haben. Im Zuge der Christianisierung wurde dieses Fest wie auch andere germanische Bräuche gewandelt. Ob heidnisch oder christlich: Im Osterfest wird ein Aufbruch, eine Erneuerung des Lebens gefeiert. Goethe verkündete in seinem "Osterspaziergang" den alljährlichen Aufbruch in die Lebensfreude und die Liebe mit den Worten: "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein." Wie nun jeder von uns Ostern begeht - in religiösem Gedenken oder einfach als Frühlings- und Familienfest - bleibt jedem selbst überlassen. Und das sollten wir alle akzeptieren.

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Bietet Platz und Zeit für die Familie: der Ostertisch.

(Foto: imago stock&people)

Es klingt platt und banal, doch ist es weder geistlos noch langweilig: Schenken Sie das, was keiner kaufen kann und wovon die meisten Menschen am wenigsten haben: Zeit. Oder um es mit Beethoven zu sagen: "Der Mensch besitzt nichts Wertvolleres als seine Zeit." Teilen Sie mit Ihren Lieben und geben Sie ein Stückchen dieser so wertvollen Rarität ab: bei einem Osterspaziergang, einem Kaffeekränzchen, einem Grillabend, beim gemeinsamen Kochen. Nichts gegen Konsum, der muss sein und der darf auch Spaß machen. Wie viel davon aber ist überflüssig? Ein leckeres Mahl an schön gedeckter Ostertafel ist auch Konsumieren, doch das ist ein gemeinsames Erlebnis, wichtig und nicht komplett überflüssig wie so viele Sachgeschenke, die wir schon haben oder gar nicht wollen.

Lamm oder nicht Lamm?

In der Osterwoche und vor allem am Karfreitag wird in vielen Familien traditionell Fisch gegessen. Am Karfreitag, nach der Überlieferung der Todestag Jesu, sollen Gläubige ihm mit dem Verzehr von Fisch gedenken. An den beiden Osterfeiertagen selbst kommt dann oft Lamm auf den Tisch.

Das Fleisch der jungen Tiere ist lecker, doch sollte nicht vergessen werden, dass es genau wie Rind- und Schweinefleisch zu rotem Fleisch gehört. Davon sollten nicht mehr als 300 bis 600 Gramm pro Woche verzehrt werden, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät. Ganz darauf zu verzichten ist aber Unsinn, denn schließlich liefert rotes Fleisch hochwertiges Eiweiß, Eisen, Zink und B-Vitamine. Bereits 100 Gramm Lammfleisch decken den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Vitamin B12.

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Lammmedaillons sind lecker und relativ mager.

(Foto: imago stock&people)

Für Diäten ist Lammfleisch übrigens nicht unbedingt zu empfehlen, so ein 100 Gramm schweres Lammkotelett hat durchschnittlich 32 Gramm Fett, bei den meist recht mager angebotenen Schweinekoteletts sind es nur 5 bis 9 Gramm.  Wer fettärmeres Fleisch bevorzugt, sollte zum Filet greifen. Hier kommen beim Lamm auf 100 Gramm nur 3,4 Gramm Fett, beim Schweinefilet sind es sogar nur 2 Gramm. Zu beachten ist allerdings, dass Fett ein sehr guter Geschmacksträger ist. Auch bleibt durchwachsenes Fleisch beim Braten saftiger als mageres. Gegen das Zuviel an Fett hilft, die Soße gründlich zu entfetten und nach dem Braten alle Fettränder vom Fleisch auf dem Teller abzuschneiden. Wichtig ist auch, Lammfleisch immer recht heiß und auf vorgewärmten Tellern zu servieren, denn das Fett erstarrt bereits bei etwa 30 Grad. Darunter leiden Geschmack und Aussehen und vor allem der Genuss.

Beim typischen Lammgeschmack scheiden sich die Geister - wie so oft. Die einen lieben den charakteristischen Geschmack, die anderen lehnen das Fleisch gerade deshalb ab. Da vor allem dem Fett das typische Lammaroma anhaftet, sollte es, wenn man den Geschmack nicht so mag, abgeschnitten werden. Liebhaber aber wissen: Lammfleisch ist sehr zart, feinfaserig und würzig. Wie bei anderen Tieren gilt auch hier: Je artgerechter die Haltung, desto besser die Fleischqualität. Beim Würzen ist Fingerspitzengefühl gefragt, zu viel des Guten übertüncht den zarten Lammgeschmack. Besonders gut passen Rosmarin, Thymian, Majoran oder Oregano, Pfeffer, Knoblauch, Salbei und Minze. Darüber hinaus werden auch Anis, Bärlauch, Koriander, Kresse, Kümmel, Lorbeer, Muskat, Paprika, Wacholder, Zimt oder noch etliche andere Kräuter und Gewürze verwendet, je nach Tendenz des Gerichts: asiatisch, orientalisch, britisch oder deutsch. Es muss nicht immer ein aufwendiger großer Braten sein; sitzen viele Personen an der Tafel, ist der allerdings empfehlenswert. Für vier bis sechs Personen machen zarte Medaillons oder würzige Chops viel her und wenig Arbeit. Fleischsorten, die kurz gebraten werden können, eignen sich auch sehr gut zum Grillen - falls man anständiges Osterwetter hat!

Lamm-Medaillons mit gebratenem Bärlauch-Spargel

Zutaten (4 Pers):

600-700 g Lammkeule, -rückenfilet oder Lammlachs
700 g weiße Spargelspitzen
30 g Bärlauchblätter
3 Stängel Rosmarin
3 Knoblauchzehen
1 Schuss Cognac
2 EL Schmand
1 EL Zitronensaft
etwas Lammfond oder Weißwein
Olivenöl, Butter, Salz, Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung:

Das gesäuberte Fleisch wenn notwendig von Sehnen und Häuten befreien und in 8 etwa 3 cm dicke Scheiben schneiden. Mit dem Handballen leicht auseinander drücken. Die Nadeln von einem Rosmarinzweig klein hacken, ebenso eine Knoblauchzehe. Beides mit 1 bis 2 EL Olivenöl und 1 EL Zitronensaft mischen, damit die Medaillons marinieren. Abdeckt bei Zimmertemperatur 1 Stunde ziehen lassen.

Den Spargel wie gewohnt schälen und längs halbieren. Sehr dicke Stangen in 3 Scheiben schneiden. 2 EL Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und darin den Spargel bei mittlerer Hitze etwa 10 Minuten braten. Dabei mehrmals vorsichtig wenden, so dass der Spargel ringsum gebräunt wird. Aufpassen, dass die Scheiben nicht zu dunkel werden. Zum Bratende 1 EL Butter sowie den in feine Streifen geschnittenen Bärlauch dazugeben, alles leicht vermengen und warm stellen.

Das Fleisch aus der Marinade nehmen, anhängende Gewürze entfernen und die Scheiben trocken tupfen. 1 EL Olivenöl in einer Pfanne sehr heiß werden lassen und die Medaillons von jeder Seite 2 Minuten knusprig braten. Die 2 restlichen Rosmarinstängel und die beiden Knoblauchzehen (im Ganzen) mit dazu geben. Dann sind die Medaillons innen rosa. Wer sie lieber durchgebraten haben will, muss noch 1 bis 2 Minuten Bratzeit dazugeben. Die Medaillons aus der Pfanne nehmen und ebenfalls warm stellen. Erst vor dem Servieren salzen und pfeffern. 

Den Bratensatz wenig Fond oder Weißwein (etwa ein knappes Weinglas) ablöschen, reduzieren, Knoblauch und Rosmarin entfernen, vom Herd nehmen und mit Schmand binden. Die kurz gehaltene Soße mit einem Schuss Cognac, Salz und Pfeffer abschmecken.

Medaillons und Bärlauch-Spargel auf vorgewärmten Tellern anrichten, jeweils etwas von der Soße auf das Fleisch träufeln. Dazu schmecken neue Kartoffeln am besten.

Tipp: Filets oder Lachse können auch im Ganzen gebraten werden. Von allen Seiten auf dem Herd scharf anbraten und dann im Ofen bei 80 Grad eine Viertelstunde ziehen lassen. Dann sollte das Fleisch innen ebenfalls rosa sein. Vor dem Zerschneiden das Fleisch kurz ruhen lassen, damit sich der Saft verteilen kann und nicht ausläuft.

Ein frohes Osterfest mit viel Sonne und wenig Stress wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de