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Kat Frankie klingt auf ihrem neuen Album "Bad Behaviour" poppiger denn je und mindestens genauso gut wie immer.
Kat Frankie klingt auf ihrem neuen Album "Bad Behaviour" poppiger denn je und mindestens genauso gut wie immer.(Foto: Sabrina Theissen / Grönland Records)
Donnerstag, 01. Februar 2018

"Bad Behaviour" à la Kat Frankie: "Ich denke zuerst an mich!"

Kat Frankie kann richtig schöne Songs mit Akustikgitarre schreiben und noch wesentlich mehr. Man kennt die 39-jährige Australierin aus der Band von Olli Schulz, von Cluesos Song "Wenn du liebst" oder dank ihrer ESC-Bewerbung vor zwei Jahren. Auf ihrem neuen Album "Bad Behaviour" klingt Kat Frankie völlig anders, aber genau so großartig. Mit n-tv.de spricht sie über schlechtes Benehmen, Flipflops und die Aussagekraft von Einrichtungsgegenständen.

n-tv.de: Ihr neues Album heißt "Bad Behaviour". Wann benehmen Sie sich so richtig schlecht?

Kat Frankie: Oh Gott, vielleicht zu oft. (grinst) Im Song "Bad Behaviour" geht es um eine schlechte Beziehung. Ein Part ist ein bisschen manipulativ. Aber "Bad Behaviour" zieht sich auch als Thema durch die ganze Platte. Ich habe eine neue musikalische Richtung eingeschlagen. Mir ist alles ein bisschen egaler geworden. "Bad Behaviour" bedeutet in der Hinsicht, zu machen, was man will.

Ihre neuen Songs klingen weniger melancholisch, dafür poppiger, als man es von Ihnen gewohnt ist. Werden Sie als eine andere Person auf der Bühne stehen?

Ich wiederhole mich nicht gern. Also ergibt es gar keinen Sinn, noch eine Platte mit akustischer Gitarre zu machen. Ich bin älter geworden, ich habe andere Erfahrungen gemacht. Außerdem bin ich eine bessere Produzentin geworden - jetzt ist alles drin! Ich wollte experimentieren und Spaß mit der Musik haben. Wenn man auf der Bühne tanzen will, muss man tanzbare Lieder dafür schreiben.

Tatsächlich sind auf "Bad Behaviour" Songs, aus denen erfolgreiche Pop-Singles werden könnten …

Wenn andere meine Musik auch mögen, ist das natürlich toll. Als Künstlerin denke ich aber zuerst an mich. Ich gehe bald auf Tour. Da will ich Lieder singen, die ich genießen kann.

Haben Sie eine genaue Vorstellung davon, wie Sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden wollen?

Auf "Bad Behaviour" klingt Kat Frankie weniger melancholisch.
Auf "Bad Behaviour" klingt Kat Frankie weniger melancholisch.(Foto: Grönland Records)

Ich habe auf jeden Fall viele Meinungen. (lacht) Am wichtigsten ist es mir, alle Werkzeuge zu benutzen, die mir zur Verfügung stehen. Bei dieser Tour will ich nicht nur, dass die Band tight und dynamisch klingt, es soll auch gut aussehen. Ich werde live nicht mehr so viele Instrumente spielen. Fast das ganze letzte Jahr über war ich mit Clueso auf Tour. Es ist interessant, wie er sich während des Konzerts bewegt. Wenn der Körper frei ist, kann er ein Werkzeug sein. Man kann damit das Konzept eines Lieds verstärkt zum Ausdruck bringen. Das will ich ausprobieren.

Sie sind Australierin, leben aber seit Jahren in Berlin. Mit welchen Träumen sind Sie damals nach Deutschland gekommen und wieso sind Sie geblieben?

Ursprünglich wollte ich nur eine Weile hierbleiben. Ich wollte Europa sehen, ein paar Lieder schreiben und dann wieder zurück nach Hause. Als ich nach einem Jahr von Berlin zurück nach Sydney bin, kam mir die Stadt so langweilig und konservativ vor. Berlin war exotisch! Dort konnte ich sagen: "Ich bin Musikerin" - und so war es dann eben. Wenn man das in Sydney sagt, fragen die Leute: "Aber was machst du, um Geld zu verdienen?" Da wollte ich nicht bleiben. Ich bin dann schnell zurück nach Berlin gegangen.

Ich frage mich, wie viel Australierin noch in Ihnen steckt. Wie viele Paar Flipflops besitzen Sie?

(bedeutungsschwanger) Ich habe einige! Aber ich trage die jetzt in der Sauna. In Australien macht man das nicht. Man ist nicht nackt und geht auch nicht in die Sauna.

Können Sie von Begegnungen mit den berüchtigten gefährlichen Tieren Australiens erzählen?

Für Touristen ist Australien großartig, findet Kat Frankie. Nur leben wollte sie in ihrer Heimat nicht mehr.
Für Touristen ist Australien großartig, findet Kat Frankie. Nur leben wollte sie in ihrer Heimat nicht mehr.(Foto: Sabrina Theissen / Grönland Records)

Oh ja, natürlich! In meiner alten Wohnung in Sydney habe ich mit vielen großen, haarigen Spinnen Bekanntschaft gemacht. Einmal saß eine in der Dusche an der Wand - etwa 30 Zentimeter von meinem Kopf entfernt. Die war so groß wie die Hand eines siebenjährigen Kinds. Ich habe' sie erst nicht gesehen. Als ich sie bemerkt habe, lief das Wasser schon.

Sind Australier wirklich so freundlich und positiv eingestellt, wie man es oft zu hören bekommt?

Nein. Als ich noch in Australien gewohnt habe, habe ich mich immer gewundert, wieso Touristen glauben, Australier seien so relaxed und gechillt. Wenn man in Sydney wohnt und arbeitet, ist das alles andere als entspannt. Es ist eine sehr teure Stadt. Die Leute müssen viel arbeiten. Mittlerweile lebe ich seit 13 Jahren nicht mehr in Australien und langsam verstehe ich die Sache: Wenn ich heute als Touristin zurückgehe, ist es so geil! Sydney im Sommer ist herrlich. Wenn ich da bin, lebe ich das perfekte Klischee. Ich besuche den Hafen, esse Fish & Chips am Strand …

Auf Ihrem neuen Album gibt es zwei ganz unterschiedliche Protestsongs: "Home" und "Versailles". Haben Sie die entsprechende Haltung aus Australien mitgebracht oder erst später entwickelt?

In Australien gibt es keine große Protestkultur. Als ich das erste Mal nach Berlin kam, habe ich in Kreuzberg gewohnt. Jedes Wochenende gab es dort irgendeinen Protest. 500 bis 1000 Demonstranten, 2000 Polizisten. Das alles war faszinierend für mich, etwas ganz Neues. Vielleicht haben die Leute in Australien weniger Sorgen. Der Wirtschaft geht es gut, alle haben Arbeit. Aber genau kann ich es nicht erklären. Die Leute sind eben langweilig und bleiben zu Hause.

"Home" ist unter anderem inspiriert von der Black-Lives-Matter-Bewegung. In dem Song heißt es "I believe in love but it's never enough" (Ich glaube an die Liebe, aber sie reicht nicht aus). Was braucht es stattdessen?

Der Song ist eine Reaktion auf unser aktuelles, politisches Klima. Alle sagen: (spricht mit Fistelstimme) "Es gibt so viel Hass. Alles, was wir brauchen, ist Liebe!" Aber Liebe ist nicht genug. Wir brauchen Aktion: politische Maßnahmen, Geld, Gespräche und viel, viel mehr.

Zum Beispiel ein Tanzvideo?

(lacht) Ich wollte immer ein Tanzvideo machen! Niemand macht das heute mehr - außer in den USA und in Korea. Mich hat das Video zu "Rhythm Nation" von Janet Jackson inspiriert. Das war auch ein Protestvideo. Auch darin ging es um soziale Ungerechtigkeit. Ich wollte darauf Bezug nehmen.

Welche Rolle haben Olli Schulz und Clueso für Ihre Karriere gespielt?

Ach, der Olli … (grinst) Der Typ hat gar keinen Filter und macht, was er will. Das finde ich krass. Er ist echt und er bewegt sich immer vorwärts. Das ist selten in der Branche. Ich glaube, er war ein guter Einfluss. Von Clueso habe ich gelernt, wie große Mainstream-Konzerte funktionieren. Das hat mir eine ganz neue Perspektive eröffnet. Beide haben mich jedenfalls wahnsinnig unterstützt.

Und keiner von beiden hat Ihnen die ESC-Ambitionen ausgeredet? 2016 waren Sie als Teil des Duos Keøma beim Vorentscheid …

Mit Keøma wollte Kat Frankie zum ESC.
Mit Keøma wollte Kat Frankie zum ESC.(Foto: picture alliance / dpa)

(begeistert) Ich liebe den ESC! Ganz ehrlich: Ich würde so gerne für Deutschland auftreten. Schon in Australien habe ich es immer im Fernsehen geguckt. Es ist so eine krasse Veranstaltung - und irgendwie auch süß. Ich habe da keinen Dünkel, vielleicht, weil ich nicht aus Deutschland komme. Außerdem gibt es nicht so viel Live-Musik im Fernsehen. Entweder muss man zum "Morgenmagazin" und für 80-jährige Omis spielen. Oder man geht in Inas Kneipe (Ina Müllers Talk-Format "Inas Nacht"; Anm. d. Red.). Da ist das Licht total scheiße und man ist in eine Ecke gequetscht. Wer es zum ESC schafft, darf live im Fernsehen vor etlichen Millionen von Leuten spielen. Da sagt man doch nicht Nein!

Sind Sie ein Workaholic oder machen Sie auch mal Pause?

Mir ist es wichtig, an vielen unterschiedlichen Sachen zu arbeiten. Ich kann nicht den ganzen Tag nur Musik machen. Ich hatte Phasen, in denen ich jeden Tag neue Lieder geschrieben habe. Da habe ich so lange gearbeitet, bis mir schwindelig geworden ist. Ich habe gelernt, Pausen zu machen. Ich mache dann zum Beispiel grafische Arbeit für die CD oder für Tour-Plakate. Ich habe Design und Architektur studiert. Deswegen kann ich das.

Sie haben in Australien als Inneneinrichterin gearbeitet. Sind Sie besonders gut eingerichtet?

Yeah! Ich habe meine eigene Küche gebaut. Zu Hause habe ich auch ein paar Tische, die ich entworfen habe. Ich mache andauernd solche Sachen.

Schauen Sie sich die Wohnungen anderer Leute vor ihrem beruflichen Hintergrund ganz genau an?

Ja.

Kann man anhand der Wohnung Rückschlüsse auf die Person ziehen, die darin wohnt?

Absolut! Wenn ich einen Fuß in eine Wohnung setze, weiß ich sofort, was für ein Mensch dort lebt - und was er in seinem Leben braucht. Die Leute sagen: "Kleider machen Leute." Deswegen achten sie genau darauf, was sie anziehen. Bei ihrer Einrichtung sind sie weniger vorsichtig. Dabei steckt dasselbe System dahinter: Die Wohnung fungiert als Erweiterung der eigenen Persönlichkeit.

Und was denken Leute, die in Ihre Wohnung kommen?

Dass ich nicht genug Platz habe. (lacht) Meine Wohnung ist - wie ich - "work in progress".

Mit Kat Frankie sprach Anna Meinecke.

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Quelle: n-tv.de