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Serie "Deutschland 86" "Das ist so Stasi hier!"

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Jonas Nay wird in "Deutschland 86" erneut zu Stasi-Agent Martin Rauch.

(Foto: Prime Video/UFA FICTION)

Drei Jahre sind vergangen - in der Serie und im echten Leben. Mit "Deutschland 83" heimsten Anna und Jörg Winger sämtliche Preise ein und punkteten auch international. Jetzt startet Staffel zwei, "Deutschland 86".

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Martin Rauch (Jonas Nay) lebt mittlerweile zurückgezogen. Doch seine Tante Lenora Rauch (Maria Schrader) verwickelt ihn erneut in die Machenschaften der HVA, dem zur Stasi gehörenden Auslandsnachrichtendienst der DDR. Sie will deutsche Waffen in Südafrika an den Mann bringen, doch dafür benötigt sie Hilfe.

Glaubt man den Worten der Eheleute Winger, dann könnte Staffel zwei das Original noch übertreffen. Bevor das Gespräch mit n-tv.de beginnen kann, muss Anna Winger allerdings noch schnell die Aufnahmegeräte der Journalisten fotografieren. "Das ist so Stasi hier!", freut sie sich. Und ist damit schon gleich im Thema.

n-tv.de: Frau Winger, Sie sind Amerikanerin. Wieso nutzen Sie ausgerechnet die deutsche Geschichte als Hintergrund Ihrer Erzählung?

Anna Winger: Vielleicht fällt es mir als Ausländerin sogar leichter, so eine Serie zu schreiben. Ich bin weder West- noch Ostdeutsche, sondern habe meine ganz eigenen Hintergründe. Einen besonderen Bezug zu Deutschland gibt es trotzdem: Ich lebe jetzt seit 16 Jahren in Berlin. Ich habe einen deutschen Mann und zwei deutsche Kinder.

Staffel eins Ihrer Serie spielte im Jahr 1983. Staffel zwei spielt drei Jahre später, 1986. Was gewinnt die Serie durch so einen Zeitsprung?

Jörg Winger: Wir haben uns von vornherein auf diese Zeitsprünge festgelegt: 1983, 1986, 1989.

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Anna und Jörg Winger sind stolz auf "Deutschland 86".

(Foto: Prime Video/Ellen Hughes)

Anna Winger: Bei all meinen Lieblingsserien funktionieren die einzelnen Staffeln einigermaßen unabhängig voneinander, zum Beispiel bei "The Wire". Man muss mit der Handlung nicht gleich am nächsten Tag wieder einsteigen. Wenn ein Format sich immer wieder neu erfindet, bleibt es spannend.

Jörg Winger: Innerhalb einer Staffel halte ich es dann aber wieder für wichtig, möglichst dicht zu erzählen. Zeitsprünge finde ich da oft schwierig. Als Zuschauer will ich ja dranbleiben.

Darf der Zuschauer bei Ihnen auch mitentscheiden? Es probieren sich ja immer mehr Produktionen auch an interaktiven Erzählformen, bei denen Zuschauer Einfluss auf die Handlung nehmen können …

Jörg Winger: Ich habe vor Kurzem erst eine längere Diskussion darüber geführt, inwieweit sich der Konsum von Serien und Videospielen heute eigentlich noch unterscheidet. Für Spiele werden ja mittlerweile auch Autoren beschäftigt, die alle möglichen Entscheidungswege der Spielfiguren ausarbeiten. Ich kenne mich da nicht so aus. Nachdem ich mit 13 mal Pac-Man-süchtig war, habe ich aufgehört, zu spielen. So was fasse ich nicht mehr an! Ich bin mir aber relativ sicher, dass es beim Seriengucken und beim Spielen um unterschiedliche Grundbedürfnisse geht.

Was meinen Sie damit?

Jörg Winger: Möchte ich, dass mir jemand eine Geschichte erzählt, oder möchte ich an einer Geschichte teilnehmen? Ich persönlich würde mich ein bisschen attackiert fühlen, wenn mir im Rahmen einer Serie plötzlich gesagt wird: "So, und jetzt überleg dir mal, wie die Geschichte ausgehen könnte!" Ich freue mich über einen guten Geschichtenerzähler.

Aber Sie lesen online nach, wie Ihre Serie bei den Zuschauern ankommt?

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Jörg Winger: Manches bekommt man mit. Bei "Deutschland 83" gab es eine sehr klein angelegte Figur, Frau Netz. Die wurde zu einer kleinen Social-Media-Sensation. Plötzlich gab es im Netz ganz tolle Frau-Netz-Cartoons. Das hat sicher dazu beigetragen, dass Frau Netz in der zweiten Staffel eine größere Rolle spielt.

"Deutschland 86" wurde teilweise in Südafrika gedreht. Ganz schön aufwendig …

Jörg Winger: Ich kann keine Zahlen nennen, aber wir hatten ein bisschen mehr Budget.

Anna Winger: Wobei wir immer noch nur einen Bruchteil dessen zur Verfügung haben, was amerikanische Serien bekommen. Das ist im Schnitt vier- oder fünfmal so viel Geld. Wir können also stolz sein!

Jörg Winger: Ja, wir waren effizient.

Anna Winger: Die neue Staffel ist eine Weiterentwicklung des Originals. Die Geschichte spielt auf größerem Raum. Durch den neuen Drehort gibt es andere Farben, die wiederum ganz andere Gefühle auslösen.

Gibt es ein bestimmtes Bild innerhalb der Serie, auf das Sie besonders stolz sind?

Anna Winger: Folge drei spielt in einer Ölraffinerie in Angola. Unser Szenenbildner Lars Lange hat das alles aufgebaut und es sieht so gut aus! Was genau da passiert, kann ich jetzt natürlich nicht verraten, aber es sieht großartig aus!

Jörg Winger: Bei dem Gebäude handelt es sich eigentlich um ein Stahlwerk. Als wir die Location entdeckt haben, standen da überall deutsche Maschinen. Die sind dorthin geliefert worden, obwohl von 1977 bis 1994 ein UN-Embargo bestand, das den Waffenhandel mit Südafrika untersagte - und eben auch Geschäfte mit Gütern, die für die Waffenindustrie relevant waren. Da waren wir direkt beim Thema der Serie!

"Deutschland 86" erscheint zeitgleich in über 200 Ländern weltweit. Sollen diejenigen, die kein Deutsch sprechen, die Serie lieber mit Untertiteln oder in der Synchronfassung gucken?

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Maria Schrader spielt in "Deutschland 86" erneut Lenora Rauch. An ihrer Seite: Florence Kasumba als Rose Seithathi.

(Foto: Prime Video/UFA FICTION)

Jörg Winger: Wir machen da keine Vorschriften. Wie Serien geguckt werden, hängt von den Gewohnheiten der Leute ab. Ich bin mit Synchronisation aufgewachsen. Ich wusste nie, wie Schauspieler im Original klingen. Aber ich glaube, sobald man einmal den Sprung zu den Untertiteln geschafft hat, bleibt man auch dabei.

Anna Winger: Da gibt es kein System. Ich unterrichte an der Hochschule für Fernsehen und Film München und wissen Sie, was mir meine Studenten da erzählt haben? Die schauen die deutsche Serie "Dark" in der englischen Synchronfassung. Dabei sprechen die alle Deutsch! Die finden auf Englisch klingt es cooler.

Das ist ja kaum zu glauben!

Jörg Winger: Bei "Deutschland 86" wird neben Deutsch Englisch, Französisch, Arabisch und Russisch gesprochen. Einen Vorteil haben Untertitel ganz klar: Wenn im Original viele verschiedene Sprachen vorkommen, wirkt eine Geschichte synchronisiert viel weniger lebendig.

Ich gehe mal davon aus, dass Sie beide nicht alle der genannten Sprachen sprechen. Wie ist es mit Schauspielern zu arbeiten, die man nicht versteht!

Jörg Winger: Es erfordert ein gewisses Vertrauen. (lacht)

Anna Winger: Man muss aufpassen. Erinnern sie sich noch an das Graffiti aus "Homeland"?

Der arabische Schriftzug, der übersetzt bedeutete: "Homeland ist eine Wassermelone"?

Anna Winger: Genau, so etwas sollte uns lieber nicht passieren.

Mit Anna und Jörg Winger sprach Anna Meinecke.

"Deutschland 86" ist ab dem 19. Oktober abrufbar über Amazon Prime Video.

Quelle: n-tv.de

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