Ratgeber

Trend in der Baufinanzierung Bausparen, der Renner in unsicheren Zinszeiten

Kosten beim Bausparen

Derzeit spricht einiges dafür, einen Bausparvertrag abzuschließen.

(Foto: Felix Kästle/dpa)

Lange waren Bausparkassen bei Finanzierungskunden abgemeldet. Nun wendet sich das Blatt. Angesichts steigender Zinsen wirken die Verträge von Wüstenrot und Co. plötzlich wieder attraktiv. Doch wie schlägt sich die Finanzierung per Bausparer im Vergleich zum klassischen Bankdarlehen?

Acht lange Jahre dauerte die Durststrecke der deutschen Bausparkassen. Zwischen 2012 und 2022 waren die Zinsen klassischer Bauspardarlehen teurer als zehnjährige Bankdarlehen mit Tilgung. Deren Durchschnittszins betrug im Mittel 1,74 Prozent, die Bausparkassen verlangten im gleichen Zeitraum durchschnittlich 2,57 Prozent Zinsen.

Dass angesichts dieser Diskrepanz kaum jemand ein Bauspardarlehen abschließen wollte, ist nachvollziehbar.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Und zwar gründlich. Heute kosten Bausparzinsen im Mittel 1,89 Prozent, Bankdarlehen sind mit 3,90 Prozent doppelt so teuer. Ein gutes Verkaufsargument für Banken und Vermittler: Da niemand weiß, wie es am Zinsmarkt weitergeht, erlangen Kunden, die heute einen Bausparvertrag besparen, die Gewissheit, welche Zinsen sie in zehn bis 15 Jahren bezahlen müssen - und können ihre Finanzierung damit sicher durchkalkulieren.

Planbarkeit hat ihren Preis

Zum Nulltarif sind Planungssicherheit und günstige Zinsen allerdings nicht zu haben. Wenn die Finanzierung über einen Vermittler oder Berater angeboten wird, erhalten diese von den Banken und Versicherungen eine Provision meist von 1,5 bis zwei Prozent. Zudem zahlen Kunden, die einen Bausparvertrag abschließen, eine Abschlussgebühr von einem, meist sogar 1,6 Prozent. Bei 500.000 Euro Baudarlehen sind das zusammen schnell 15.000 Euro.

Kunden beginnen durch die Abschlussgebühr ihren Bausparvertrag mit einem deutlichen Minus auf dem Konto. Und da Bausparguthaben schlecht verzinst werden, liegt das Guthaben bei manchen Angeboten selbst zehn Jahre nach Vertragsschluss noch einiges unter dem eingezahlten Betrag.

Garantierte Zinsen nach der Zuteilung

Die Vorzüge des Bausparmodells zeigen sich allerdings nach der Zuteilung. Wenn der Bausparvertrag nach zehn bis 15 Jahren zugeteilt wird, bezahlen Guthaben plus Bauspardarlehen das komplette Bankdarlehen zurück. Der Kunde muss dann nur noch das Bauspardarlehen tilgen und profitiert von dessen garantiert niedrigem Bausparzins.

Zwar kann die Rückzahlungsrate je nach gewähltem Tarif und Ansparzeit relativ happig sein. Dafür aber müssen die Kunden in diesem Modell keine böse Zinsüberraschung am Ende der Zinsbindung fürchten, sondern können ihre Finanzierung vom ersten bis zum letzten Jahr verlässlich planen. Dies ist beim Annuitätendarlehen nur mit einer sehr langen Zinsbindung von 20 bis 30 Jahre (und zu einem etwas höheren Zins) möglich. Alternativ bleibt nur die Hoffnung, dass nach zehn oder 15 Jahren die Zinsen nicht noch höher sind als heute.

Neuer FMH-Rechner ermöglicht aussagekräftigen Vergleich

Weil die beiden möglichen Finanzierungsmodelle - mit und ohne Bausparvertrag - nie die gleiche Rate, Laufzeit und Zinssicherheit aufweisen, können Kunden sie oft nur schwer vergleichen. Was ist, wenn ich bei einem Modell monatlich weniger bezahle, aber am Ende doch höhere Ausgaben habe? Was ist besser? Die interessante und auch wichtige Frage lautet nun: Sind Bausparmodelle insgesamt günstiger als ein vergleichbares Bankdarlehen mit Tilgung? Leider gibt es darauf keine klare Antwort. Denn niemand weiß, wie hoch die Zinsen am Ende der Zinsbindung eines Annuitätendarlehens sein werden.

Die FMH-Finanzberatung hat in den vergangenen Jahren schon viele derartige Angebote mit unterschiedlichen Berechnungen und Exceltabellen aufwendig für ihre Kunden analysiert. Jetzt haben die Frankfurter Experten einen Rechner programmieren lassen, der schnell und übersichtlich berechnet, welches Modell besser ist. Dabei werden beide Modelle mathematisch gleichgeschaltet - gleiche Raten und gleiche Finanzierungsdauer. Als Ergebnis wird der Zinssatz errechnet, der für das Anschlussdarlehen beim Bankdarlehen gelten müsste, damit beide Modelle das Gleiche kosten. Dass eine solche Rechnung nicht ganz simpel ist, zeigt sich auch daran, dass bisher noch keine derartige Gegenüberstellung im Internet angeboten wird.

Wer sich die Mühe macht und zwei Modelle beziehungsweise Angebote gegenüberstellt, will am Ende auch ein eindeutiges Ergebnis zu erhalten. Und das ist mathematisch möglich, wenn man ohne Verkaufsinteressen echte Zahlen ausliefert. Das tut die FMH und versetzt Kunden durch den Rechner in die Lage, eine gut informierte Entscheidung zu treffen. Wer glaubt, dass die Zinsen am Ende der Zinsbindung über dem errechneten Zinssatz liegen werden, für den lohnt sich die sichere Bausparvariante - und umgekehrt.

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Weil ausschließlich eine Berechnung erstellt wird und keine persönlichen Daten erfragt werden, kostet das Tool ein kleines Entgelt. Eine Gegenüberstellung mit Berechnung des Grenzzinses kostet 6,99 Euro und kann per PayPal oder Kreditkarte bezahlt werden. Wichtig: Der Rechner gibt keine Empfehlungen, sondern stellt nur zwei Angebote gegenüber. Selbst wer mehrere Angebote durchrechnen lässt, macht damit meist ein gutes Geschäft: Die Entscheidung für das günstigere Finanzierungsangebot spart über die Jahre schnell eine fünfstellige Summe.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Quelle: ntv.de

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