Ratgeber

Negativzinsen ohne Freibetrag Erste Bank erhebt Strafzinsen ab 0,01 Euro

Dass immer mehr Geldinstitute in Deutschland Strafzinsen auf die Guthaben auch ihrer Privatkunden erheben, hat sich herumgesprochen. Doch bisher traf die verharmlosend als Verwahrungsentgelt bezeichnete Belastung nur Vermögende. Damit ist nun Schluss. Eine Volksbank kassiert ab dem ersten Cent.

Noch bis vor wenigen Wochen schien das Szenario unwahrscheinlich. Nun ist der Tabubruch da. Als wohl erste Bank in Deutschland erhebt die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck Strafzinsen in Höhe von 0,5 Prozent auf das Guthaben von Tagesgeldkonten. Und das schon ab 0,01 Euro, wie das Vergleichsportal Verivox berichtet.

Bisher wurde das sogenannte Verwahrungsentgelt ausschließlich auf Guthaben ab 100.000 Euro erhoben. Anfang des Monats wurde diese Grenze erstmals unterschritten, als die Volksbank Magdeburg einen Negativzins für Tagesgeldguthaben ab 75.000 Euro eingeführt hatte. Die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck verzichtet jetzt laut ihrem Internetauftritt bei Neukunden seit dem 1. Oktober komplett auf einen Freibetrag und gibt den negativen Einlagezins der Europäischen Zentralbank in voller Höhe weiter. Auf dem Girokonto beläuft sich der Freibetrag für Neukunden aber immerhin auf 20.000 Euro, wie das Geldinstitut gegenüber dem Verbraucherportal Biallo betont.

Belastungen fürs Geldparken werden durchgereicht

Diese Maßnahme stellt den Versuch der Geldinstitute dar, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) erhobenen Strafzinsen für das Geldparken an die Kundschaft weiterzureichen. Neben Sparkassen und Volksbanken versucht auch die Commerzbank, die ihr auferlegten Belastungen fürs Geldparken an ihre Privat-Kundschaft durchzureichen. Firmenkunden müssen schon seit Längerem auf hohe Einlagen Negativzinsen zahlen.

Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass die Geldhäuser nicht ohne Weiteres die Belastungen für bestehende Konten aufrufen dürften. Seit wann das Angebot der Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck tatsächlich online ist, ist bisher unklar. Um solche Verwahrentgelte im Nachhinein einführen zu können, sind nach Meinung von Verbraucherschützern individuelle Vereinbarungen notwendig. Eine Einschätzung, die auch Finanztip-Chef und n-tv-Experte Hermann-Josef Tenhagen teilt. Zudem beklagt er an dieser Stelle die Einfallslosigkeit vieler Geldinstitute, die Parkgebühren der EZB einfach an die Kunden weiterzureichen. Vielmehr sollten sich die Geldhäuser überlegen, was sonst noch, für beide Seiten lohnend, mit dem Ersparten der Kunden anzufangen ist.

"Das Modell heißt Marktwirtschaft"

Grundsätzlich dürfte die Erhebung eines Strafzinses in einigen Fällen problematisch sein. Das Landgericht Tübingen hat bereits entschieden, dass ein gebührenpflichtiges Girokonto nicht auch noch mit Negativzinsen belastet werden darf (Az.: 4 O 225/17). Zuvor hatte das Gericht bereits in einem anderen Urteil ebenfalls der Volksbank Reutlingen untersagt, Negativzinsen nachträglich für bereits bestehende Tages- oder Festgeldkonten zu erheben (Az.: 4 O 187/17).

Wie auch immer, Tenhagen hat noch einen anderen Rat für Betroffene: "Das Modell heißt Marktwirtschaft. Wenn mir meine Bank sagt, sie möchte mir keine Zinsen mehr für mein Geld, das ich ihr als Kredit gegeben habe, zahlen, dann gehe ich zu einer anderen Bank. Erst recht natürlich, wenn ich auch noch Strafzinsen zahlen soll."

Doch auch für Sparer, die hohe Summen auf Tagesgeldkonten horten, findet er im Interview mit n-tv.de deutliche Worte: "Das Guthaben auf einem Tagesgeld- oder Girokonto sollte nicht 100.000 Euro betragen. Das ist Unfug. Beträge in dieser Höhe gehören dann doch langfristig angelegt. Zum Beispiel in einen weltweit anlegenden Aktien-ETF. Oder vielleicht doch in eine eigene Immobilie."

Wer etwaige Auseinandersetzungen scheut, dennoch viel Geld auf Tages-, Festgeld - oder Girokonten lagern möchte, statt zu investieren, dem sei noch mit auf den Weg gegeben, das Geld auf verschiedene Anbieter zu verteilen. Denn Strafzinsen auf kleinere Vermögen werden trotz des nun aufgerufenen Angebots der Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck derzeit von Experten immer noch nicht erwartet. Wer sein Geld so verteilt, dürfte auch niedrigere Freibeträge langfristig unterlaufen. Zudem sollten in Hinblick auf die gesetzliche Einlagensicherung Vermögen für Spareinlagen ohnehin nicht höher als 100.000 Euro pro Institut sein.

So klappt der Kontowechsel

Quelle: n-tv.de