Ratgeber

Steuervorteile für Eltern Mehr als nur Kindergeld und Freibetrag

Eltern können sich einen Teil der Ausgaben für ihre Kinder vom Finanzamt zurückholen. Dafür müssen sie die Anlage Kind ausfüllen. Foto: Matthias Hübner

Eltern können sich einen Teil der Ausgaben für ihre Kinder vom Finanzamt zurückholen. Dafür müssen sie die Anlage Kind ausfüllen. Foto: Matthias Hübner

(Foto: dpa-tmn)

Die meisten Eltern kennen zwei Steuervorteile: Kindergeld und den Kinderfreibetrag. Was viele nicht wissen: Das Steuerrecht bietet Eltern noch viele weitere Vorteile. Welche das sind und wie Sie davon profitieren können, erfahren Sie hier.

Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz des Staates – so steht es in Artikel 6 des Grundgesetzes. Damit wird nicht nur das Ehegattensplitting verbunden, sondern auch die steuerliche Förderung von Familien und Eltern. Während viele Eltern vor allem an Kindergeld und Kinderfreibetrag denken, gibt es eine Vielzahl von zusätzlichen Steuervorteilen und Sonderzahlungen. Der Beitrag stellt die wichtigsten vor.

Kindergeld, Kinderfreibetrag und Kinderzuschlag – das steckt dahinter

Das Kindergeld steht grundsätzlich ab der Geburt bis zum 18. Lebensjahr zu. Seit 2020 beträgt es für das erste und zweite Kind je 204 Euro, für das dritte Kind 210 Euro und für jedes weitere 235 Euro. Sollte das Kind nach dem 18 Lebensjahr eine Ausbildung oder ein Studium beginnen, verlängert sich die Zahlung des Kindergeldes bis maximal zum 25. Lebensjahr. Das Kindergeld können Steuerpflichtige maximal sechs Monate rückwirkend beantragen.

Eine Besonderheit gibt es: Kann das Kind aufgrund einer Behinderung nicht selbst für seinen Lebensunterhalt aufkommen, wird das Kindergeld sogar über das 25. Lebensjahr hinaus gezahlt. Hierfür gibt es allerdings eine Einschränkung: Die Behinderung muss bereits vor der Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten sein.

Zu guter Letzt gibt es für Eltern zwei gute Nachrichten: Zum einen steigt das Kindergeld ab dem 01. Januar 2021 um 15 Euro, zum anderen erhalten Eltern aufgrund der Corona-Pandemie einmalig einen Kinderbonus von 300 Euro. Dieser wird im Herbst 2020 in zwei Auszahlungsphasen automatisch ausgezahlt.

Eine zweite wichtige Säule beim Steuersparen ist der Kinderfreibetrag.

Zunächst: Die meisten Eltern profitieren eher von der Auszahlung des Kindergelds als vom Kinderfreibetrag. Bei Abgabe der Steuererklärung prüft das Finanzamt automatisch, was im Einzelfall günstiger ist. Falls die Kinderfreibeträge günstiger sind, rechnet es im Steuerbescheid das Kindergeld hinzu, um die festzusetzende Einkommensteuer zu berechnen. Die Kinderfreibeträge spielen zudem bei der Berechnung der Kirchensteuer und des Solidaritätszuschlags eine Rolle.

Der Kinderfreibetrag selbst setzt sich aus zwei Faktoren zusammen. Das ist zum einen der Erziehungsfreibetrag, der seit Jahren konstant ist. Er beträgt pro Elternteil 1320 Euro, also insgesamt 2640 Euro für ein Kind. Zum anderen ist das der sächliche Kinderfreibetrag, der zuletzt jährlich erhöht wurde. Pro Kind und Elternteil beträgt er 2394 Euro im Jahr 2018. Ab 2019 steigt er auf 2490 Euro und ab 2020 auf 2.586 Euro.

Wichtig: Diese Freibeträge verdoppeln sich, wenn die Eltern verheiratet sind und zusammen veranlagt werden.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Wer die eigene Steuererklärung mit dem richtigen Steuerprogramm erledigt, muss selbst nicht ausrechnen, ob Kindergeld oder Kinderfreibetrag günstiger sind – auch Elster bietet diese Funktion. Ansonsten prüft das Finanzamt automatisch, was die bessere Option ist. Entscheidend ist für alle Steuerfragen rund ums Kind die "Anlage K". Wird sie ordnungsgemäß ausgefüllt, rechnen die entsprechenden Programme alle Varianten aus und ermitteln die beste.

Speziell an Elternpaare und Alleinerziehende, die wenig verdienen, richtet sich der Kinderzuschlag: Sie können neben dem Kindergeld Anspruch darauf haben. Dafür gibt es mehrere Voraussetzungen: Die Kinder müssen unter 25 Jahre alt sein und im selben Haushalt leben. Eine weitere Voraussetzung für den Anspruch ist, dass die Familie mit Kinderzuschlag und ihr zustehendem Wohngeld ihren finanziellen Bedarf decken kann.

Des Weiteren zahlt die Familienkasse den Zuschlag nur, wenn die Eltern ein monatliches Einkommen von mindestens 900 Euro haben, für Alleinerziehende liegt die Grenze bei 600 Euro.

Apropos Alleinerziehende: Diese können sich über einen Entlastungsbetrag freuen und erhalten einen Freibetrag von 1908 Euro ab dem Jahr 2020. Dieser Betrag steigt im kommenden Jahr auf satte 4008 Euro.

Sparen mit Schulbedarf, Schulgeld und Ausbildungsfreibetrag

Zunächst: Der Staat hat sich nicht nur steuerliche Vorteile einfallen lassen. Weil es ein wichtiges Instrument ist, an dieser Stelle der Hinweis auf den Schulbedarf. Hilfebedürftige Schülerinnen und Schüler können eine zusätzliche Leistung für Schulbedarf von 100 Euro im Jahr erhalten. Das Geld soll für den Kauf persönlicher Schulausstattung verwendet werden. Durch das Starke-Familien-Gesetz ist die Zahlung für das Schulstarterpaket zum 1. August 2019 auf 150 Euro gestiegen. Das Geld beantragen Eltern beim zuständigen Sozialamt in ihrer Stadt oder Gemeinde.

Ein Steuervorteil im klassischen Sinn ist die Anrechnung des Schulgelds. Steuerpflichtige können insgesamt 30 Prozent des Schulgelds ansetzen. Der Höchstbetrag pro Kind beträgt 5000 Euro.

Auch wessen Kinder sich in Ausbildung oder Studium befinden profitiert von Steuervorteilen: Für volljährige Kinder, die eine Ausbildung machen oder studieren und dabei auswärtig wohnen, erhalten Eltern den Ausbildungsfreibetrag von 924 Euro. Auswärtig bedeutet dabei ein Wohnheim oder eine eigene Wohnung. Ein Tipp: Sollte das Kind zwar im selben Haus, aber in der Einliegerwohnung wohnen, erfüllt es die Voraussetzung ebenfalls.

Kranken- und Pflegeversicherung des Kindes ansetzen – unter Umständen sogar in der Ausbildung

Die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung des Kindes können Steuerpflichtige als Sonderausgaben von der Steuer abziehen. Besteht für dieses Kind Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag, gehören die gezahlten Beiträge in die Anlage Kind. Diese Anrechnung gilt im Übrigen auch dann, wenn das Kind Auszubildender mit eigenem Einkommen ist. Vorausgesetzt, dass die Eltern die Beiträge für ihr Kind wirtschaftlich getragen haben.

Mit Unterstützungszahlungen auch ohne Kindergeld Steuern sparen

Angenommen, der Steuerpflichtige erhält für sein Kind kein Kindergeld mehr oder das Kind ist über 25. Jahre alt. Dann können Steuerzahler Kosten für den Unterhalt und eine Berufsausbildung ihrer Kinder als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Hierdurch erhalten sie einen Abzugsbetrag der maximal dem sogenannten Grundfreibetrag in Höhe von 9408 Euro für 2020 entspricht. Diesen erhalten Eltern auch dann, wenn ihr Kind zu Hause wohnt und sie so den Unterhalt bezahlen.

Mehr zum Thema

Kinderbetreuungskosten ansetzen – ohne Verpflegung oder Bastelmaterial

Steuerpflichtige können Kindergartengebühren, Hort usw. in der Anlage Kind eintragen. Die Kosten für Essen oder Bastelmaterial werden dabei nicht beachtet. Von den reinen Kinderbetreuungskosten können sie zwei Drittel ihrer Kosten, aber maximal 6000 Euro ansetzen. Der Höchstbetrag pro Kind beträgt 4000 Euro. An dieser Stelle ein wertvoller Hinweis: Kommen Eltern oder Schwiegereltern, um das Kind zu betreuen, können die Fahrtkosten angesetzt werden. Voraussetzung ist, dass die Eltern des Kindes die Fahrtkosten auf das Konto ihrer Eltern, Schwiegereltern usw. erstatten.

Fürs Alter vorsorgen: Kinderzulage für Riester-Verträge

Steuerzahler erhalten pro Kind für ihre Riester-Rente eine Kinderzulage. Dafür muss das Kind bei der Versicherung angemeldet sein. Der kleine Aufwand lohnt sich: Pro Kind beträgt die Zulage 300 Euro, sollte es bis/vor 2008 geboren sein, beträgt die Zulage 185 Euro.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Quelle: ntv.de