Ratgeber

Leitzinserhöhung durch EZB Sparzinsen steigen, Kreditzinsen aber auch

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Kreditzinsen dürften weiter steigen.

(Foto: imago images/MiS)

Mit der Leitzinserhöhung der EZB auf nunmehr 1,25 Prozentpunkte hat die saure Gurkenzeit für Sparer vorerst ein Ende. Im Gegenzug werden Kredite deutlich teurer, was vor allem bei der Immobilienfinanzierung deutlich spürbar wird.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat erneut auf die hohen Inflationsraten im Euroraum reagiert und den sogenannten Hauptrefinanzierungssatz um einen Dreiviertel-Prozentpunkt auf 1,25 Prozent erhöht. Das klingt erstmal gut, schließlich wurde vonseiten der Sparer viele Jahre lang über zu niedrige, gar keine oder sogar Negativzinsen gejammert.

Doch die Sache hat wie immer zwei Seiten. Denn viele Menschen sind nicht nur Sparer, sondern auch Kreditnehmer. Allen voran Immobilienkäufern ermöglichte dies traumhafte Konditionen für die Finanzierung ihrer Objekte. Dass dies auch die Nachfrage, und somit bei beschränktem Angebot, auch die Preise in die Höhe trieben, sei nur vollständigkeitshalber erwähnt.

Und ohne jenen, die den Schritt der EZB begrüßen, die Stimmung zu verhageln, darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass die Teuerungsrate in der Euro-Zone mit 9,1 Prozent auf einem Rekordhoch liegt. Womit die Zinsen weiterhin real stark negativ sind.

Darauf, was die Erhöhung der Leitzinsen für Verbraucher bedeutet, hat das Vergleichsportal Check24 einen kritischen Blick geworfen. Betrachtet wurden die Bereiche Baufinanzierung, Geldanlage, Girokonto und Ratenkredite.

Tages- und Festgeldkonten

Bereits die erste EZB-Entscheidung im Juli hat für steigende Zinsen auf Tagesgeldkonten gesorgt, auch bei neu abgeschlossenen Festgeldern war ein deutlicher Zinsanstieg spürbar. Check24 geht davon aus, dass sich der Trend zu höheren Zinsen im Jahresverlauf fortsetzt und möglicherweise beschleunigt. Zweieinhalb Prozent und mehr Zinsen für ein zweijähriges Festgeld könnten demnach bald wieder möglich sein. Fürs Tagesgeld sind schon jetzt bei einigen Anbietern Neukundenangebote für über 0,5 Prozent zu holen.

Tagesgeldkonten im Vergleich

Im aktuellen Umfeld können Sparer die Treppenstrategie nutzen. Hierbei liegt nicht das ganze Sparvermögen auf einem einzigen Festgeldkonto, sondern wird mit unterschiedlichen Laufzeiten auf verschiedene Konten aufgeteilt. Flexibilität ist somit im aktuellen Umfeld wichtig, daher sollten Sparer nicht ihr ganzes Vermögen in langfristige Anlagen stecken.

Festgeldkonten im Vergleich

Ratenkredite

Gleichzeitig klettern wie erwähnt aber auch die Zinsen bei Verbraucherkrediten in die Höhe. Zinsen für Ratenkredite sind seit Beginn des Jahres um 30 Prozent gestiegen, da alle Banken in den vergangenen Monaten ihre Finanzierungsangebote angepasst haben, stellt Check24 schon jetzt fest. Für Banken wird die Refinanzierung von Ratenkrediten teurer und damit auch für Verbraucher. Ob und wie die nächsten Anpassungen bereits eingepreist sind, weiß nur die jeweilige Bank.

Das Vergleichsportal sieht eine deutlich größere Spanne an vergebenen Zinssätzen. Dies bedeutet, dass Banken Kreditkunden genauer auswählen, insbesondere bei einer knappen Haushaltsrechnung. Was einen Kreditvergleich noch wichtiger macht. Zum Beispiel hier:

Ratenkredite im Vergleich

Bauzinsen

Die Bauzinsen nähern sich erneut dem bisherigen Jahreshoch von drei Prozent. Dabei beeinflusst die EZB-Entscheidung die Bauzinsen nur indirekt. Wichtigster Indikator sind die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen. Denn sie bestimmten maßgeblich die Renditen für Pfandbriefe, die wiederum von Banken für die Refinanzierung von Immobilienkrediten genutzt werden.

Doch Check24 legt sich fest und prognostiziert, dass sich in jedem Fall die durchschnittliche Baufinanzierung bis Ende dieses Jahres um einige Tausend Euro innerhalb der Laufzeit verteuert. Bereits jetzt ist die durchschnittliche Finanzierungssumme in den vergangenen drei Monaten um zehn Prozent gesunken. Weniger Kunden können es sich demnach leisten, sehr hohe Finanzierungssummen aufzunehmen. Zudem agieren Banken restriktiver bei der Kreditvergabe.

Bei einer Baufinanzierung zu einem effektiven Zinssatz (die Gesamtkosten, die für einen bestimmten Kreditbetrag insgesamt bezahlt werden müssen) von 3,0 Prozent für ein Darlehen über 500.000 Euro bedeutet das einen höheren Zinsaufwand von 98.538 Euro bis zum Ende der zehnjährigen Sollzinsbindung. Anfang des Jahres lag der effektive Zinssatz noch bei 0,8 Prozent. Die monatliche Rate für Haus- oder Wohnungskäufer steigt im Beispielfall somit um 916 Euro. Bei 4,0 Prozent wären es sogar 142.698 Euro mehr Zinskosten als im Januar 2022.

Baugeldzinsen im Vergleich

Dispozinsen beim Girokonto

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Das Ende der leidigen Verwahrentgelte ist erreicht, ist sich Check24 sicher. Warnt aber auch, dass einige Banken diese nach wie vor verlangen. Abgesehen davon, steigen die Dispozinsen durch die Zinswende, da sich die Geldinstitute am EZB-Leitzins orientieren. So liegt der aktuelle Durchschnittszins eines Dispokredits bei 9,43 Prozent. Bis zum Jahresende könnten deutlich mehr Institute einen zweistelligen Dispozins verlangen, so die Einschätzung.

Girokonto-Vergleich

Quelle: ntv.de, awi

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