Fußball

So läuft der achte Spieltag Der BVB und das Vermächtnis des Klinsmann

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Mehr Vergangenheit als Zukunft.

(Foto: imago images/Matthias Koch)

Ein Jahr nach dem Klinsmann-Debüt kehrt Borussia Dortmund zurück nach Berlin, bei der Hertha herrscht Unklarheit. Am achten Spieltag der Fußball-Bundesliga braucht Werder Bremen ein FC-Bayern-Wunder, während Max Kruse gestoppt werden soll.

Spiel der Woche: Hertha BSC - Borussia Dortmund

Vor einem Jahr sah das Olympiastadion noch ganz anders aus. Also nicht von außen, da hat sich im Berliner Westen wenig getan. Aber innen drin, damals, als wie auch jetzt Ende November Borussia Dortmund gastierte. Das gut gefüllte Stadion ist der offensichtlichste Unterschied, es war der Nachmittag, an dem Jürgen Klinsmann sein Debüt als Hertha-Coach gab und als Amateurfilmer sein Mobiltelefon durch das hell erleuchtete, winterlich kalte Rund schwenkte. Die Hoffnungen waren groß - auf den Ausnahmetrainer Klinsmann, der mit den übrigen Windhorst-Millionen die Hertha zu ungekanntem Glanz führen sollte. Zwölf Monate später bröckelt die Fassade, und nicht die des Olympiastadions.

100 Millionen Euro sollte eigentlich jüngst von Investor Lars Windhorst an den BSC fließen, doch der Klub suchte die Überweisung vergeblich auf dem Kontoauszug. Geschäftsführer Michael Preetz betonte zwar: "Am Ende ist das ein ganz normaler Vorgang. Es wurden neue Zahlungsziele vereinbart und kommuniziert. Und das ist auch schon alles" und dass Hertha weiter mit der vollen Summe plane, den neuen Termin nannte er nicht. Auch wegen dieser Unklarheiten wird deshalb einerseits spekuliert wird einerseits, der Geldgeber sei mit der Entwicklung des Klubs unzufrieden und andererseits, Windhorst habe nicht zum ersten Mal - in seiner Vita stehen neben beeindruckenden Erfolgen auch eine Privatinsolvenz sowie eine Verurteilung wegen Untreue - große Versprechungen gemacht, die er anschließend nicht einhalten konnte.

Mit großen Versprechungen kennt sich auch Borussia Dortmund aus - mit (Fast-)Insolvenzen auch, geschenkt. Denn der Revierklub ist ein begehrtes Ziel hoffnungsvoller Jungprofis, und der neueste in der Reihe "Künftige Stars" ist bei Anpfiff am Samstagabend (20.30 Uhr/Dazn und im ntv.de-Liveticker) gerade alt genug, um überhaupt in der Bundesliga auflaufen zu dürfen: Youssoufa Moukoko. 16 Jahre ist der deutsche U-Nationalspieler alt, in der U19-Bundesliga steht er nach drei Partien bei zehn Saisontoren. Nun soll er zeigen dürfen, was er im Duell mit Erwachsenen ausrichten kann.

Lernen kann er dabei von Erling Haaland, dessen Quarantäne-Rätsel nach dem positiven Corona-Test eines seiner Mitspieler in der norwegischen Nationalauswahl sich zugunsten des BVB lösen ließ, er darf also auflaufen. Im Vorjahr duselte sich Dortmund im Olympiastadion trotz 45-minütiger Unterzahl noch ohne den wuchtigen Angreifer zu einem 2:1-Auswärtssieg, diesmal könnte es etwas deutlicher werden. Schließlich ist Hertha zu Hause nach drei Anläufen - 1:3 gegen Frankfurt, 0:2 gegen Stuttgart und 1:1 gegen Wolfsburg - immer noch sieglos, während Dortmund zuletzt 2:0 in Bielefeld und 1:0 in Hoffenheim siegte.

Was ist sonst noch los?

Vielleicht sollte Werder Bremen einfach nicht anreisen. Denn die Auswärtsspiele beim FC Bayern sind für die Grün-Weißen ein steter Quell der Ernüchterung. 1:6, 0:6, 0:5, 0:6, 2:5, 1:6 - und das allein seit 2013. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deshalb, gab SVW-Verteidiger Marco Friedl, der 2018 aus München in den Norden wechselte, das Ziel von zehn Punkten aus den sechs Spielen bis Weihnachten aus. Es wäre überraschend, wenn der Anfang dafür beim Rekordmeister gelingen würde, denn mit einem Punkt im Gepäck reiste Werder zuletzt 2010 aus München ab, als der Trainer noch Thomas Schaaf hieß.

Die Borussia aus Mönchengladbach - in der Champions-League-Gruppe aktuell Tabellenführer vor Real Madrid und Inter Mailand - empfängt derweil den FC Augsburg, dem als Zehntem nur zwei Punkte zum 1. FC Union auf Platz fünf fehlen. Die TSG Hoffenheim beantragte angesichts zahlreicher Corona-Fälle zwar eine Verlegung des baden-württembergischen Duells gegen den VfB Stuttgart, die DFL aber lehnte ab und so muss 1899-Trainer Sebastian Hoeneß einmal mehr kreativ werden, um den ersten Liga-Sieg seit dem furiosen 4:1 gegen die Bayern am zweiten Spieltag einzufahren.

Krisenkönig Schalke hofft gegen den VfL Wolfsburg auf den ersten Erfolg überhaupt und Aufsteiger Arminia Bielefeld bekommt es mit Bayer Leverkusen zu tun, das in der Liga viermal in Folge gesiegt hat. Das Topspiel steigt am Samstag um 18.30 Uhr in Frankfurt, die Eintracht fordert RB Leipzig heraus. Am Sonntag muss das sieglose Schlusslicht FSV Mainz 05 beim SC Freiburg antreten, der als 14. ebenfalls ein Erfolgserlebnis gebrauchen könnte. Den Spieltag beschließt dann der 1. FC Köln mit dem Versuch, den 1. FC Union Berlin mit dem überragenden Max Kruse (sechs Torbeteiligungen in den vergangenen beiden Spielen) an einer Fortsetzung seines Höhenflugs zu hindern.

Was war gestern los?

In der Bundesliga nichts, nach der Länderspiel-Unterbrechung verzichten die deutsche Eliteklasse ebenso wie die 2. Bundesliga auf den Freitagabend. Dafür gab es in der französischen Ligue 1 ein für deutsche Fans durchaus reizvolles Duell. Niko Kovac und die AS Monaco empfingen Paris Saint-Germain mit Thomas Tuchel. Und nach einer furiosen Aufholjagd endete das Spiel mit einer bösen Überraschungen für PSG. Unseren Spielbericht finden Sie hier!

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Man muss sich trauen, Fußball zu spielen." Werder-Trainer Florian Kohfeldt verrät, wie es für die Bremer endlich mal wieder mit dem ersten Sieg gegen den FC Bayern klappen könnte. Und eröffnet die Nachfrage, welche Sportarten der SVW bei seinen 19 Bundesliga-Niederlagen vergeblich ausprobiert hat, ohne dass es jemand gemerkt hat.

Quelle: ntv.de