Technik

Update-Frust mit Android 7 Wer ist schuld am Nougat-Fiasko?

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An der Spitze ist es einsam: Nur wenige haben schon Android Nougat.

(Foto: Google)

Android 7 wurde vor fast einem Jahr vorgestellt. Installieren konnten es bisher aber nur wenige - ungewöhnlich viele Fehler bremsen die Verteilung aus. Woran liegt das und was können Nutzer für schnellere Updates tun?

Es ist bald ein Jahr her, dass Google das aktuelle Android vorgestellt hat. Im März 2016 erschien eine erste, bereits recht stabile Beta-Version von Android N. Im April kam die zweite Beta, ab Mai durften Google-Kunden bei der Namensfindung mithelfen. Anfang Juli dann die Enthüllung: Android 7 heißt Nougat. Ende August begann Google mit der Verteilung des Updates, etwas früher als erwartet. Bis dahin schien also alles glatt zu laufen, die ersten Hersteller-Updates sollten bald nachfolgen. Doch bis heute warten viele Kunden vergeblich auf Nougat, langsam stellt sich Resignation ein. Was ist da los?

Nutzer von Googles Nexus- oder Pixel-Geräten haben kaum Grund zur Klage. Die eigenen Smartphones versorgt Google zuverlässig mit Updates, aktuelle Version ist das im Dezember veröffentlichte Android 7.1.1. Auch die monatlichen Sicherheits-Patches kommen an. Teilnehmer am Beta-Programm bekommen bereits Android-Version 7.1.2, ein Wartungs-Update, das Fehler behebt.

Wer ist schuld?

Wer ein Gerät eines anderen Herstellers besitzt, hat weniger Glück. Denn offenbar haben Dritthersteller wie Samsung, HTC, Sony, Lenovo, ZTE, Asus und Co. viele Probleme damit, aus der von Google bereitgestellten Basis von Android 7 Nougat ihre eigene, funktionierende Firmware zu stricken und diese an die Kunden zu verteilen. Woher die Fehler kommen und wer Schuld daran ist, ist unklar. Fest steht: Die Zahl der Fehlermeldungen ist ungewöhnlich hoch.

Da Googles Geräte bereits seit längerem problemlos mit Nougat laufen, liegt es nahe, die Schuld bei den Herstellern zu suchen. Aber wie kommt es, dass gleich eine ganze Reihe von großen Android-Herstellern die Updates zurückziehen? Gibt es da Gemeinsamkeiten? Hat Google vielleicht zumindest Mitschuld am Update-Fiasko?

Die Antwort ist offen und liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Kein Hersteller macht konkrete Angaben dazu, weshalb geplante Updates verzögert oder zurückgezogen werden. Bei HTC waren es "technische Probleme", das HTC 10 und das One M9 bekommen laut "Androidpit" inzwischen aber das Update. ZTE sagt bei Facebook, die Software befinde sich im Beta-Test, genüge aber "noch nicht unseren Qualitätsansprüchen". Sony nennt laut "Xperiablog" Probleme mit der Audiowiedergabe in Dritt-Apps und der Datenlesegeschwindigkeit bei verschlüsselten SD-Karten.

Lenovo hatte erst Ende Januar einen Fahrplan veröffentlicht und muss ihn nun schon wieder streichen, berichtet "Caschy" - die neuen Versprechen lauten "Ende Februar" (Moto-G-Familie), "Anfang März" (Moto Z Play) oder gar "voraussichtlich bis Mai" (Moto-X-Familie). Gründe werden keine genannt. Bemerkenswert ist auch: LG, Huawei und Samsung scheinen kaum Probleme zu haben, Samsungs Galaxy S7 und S7 Edge bekommen nach einer mehrwöchigen Testphase jetzt auch in Deutschland die Aktualisierung. Auch das Galaxy A5 (2016) wird aktuell versorgt. Weitere Geräte sollen laut Samsung "in der ersten Jahreshälfte" an der Reihe sein.

"Sehr frustrierend"

Der Frust ist nicht nur bei den Nutzern groß. Bereits im Dezember fand Android-Chef Hiroshi Lockheimer deutliche Worte zur Android-Update-Lage. Die Situation sei "sehr frustrierend", sagt er im Gespräch mit "All About Android". Man arbeite bei Google daran, es den Smartphone- und Chip-Herstellern so einfach wie möglich zu machen, Updates umzusetzen.

Teil dieser Strategie ist unter anderem, Teile des Android-Systems auszulagern, damit sie wie Apps über den Play Store aktualisiert werden können. Google könnte so den Weg über die Hersteller umgehen und Updates für diese "Android Extensions" direkt an die Kunden weitergeben. Einen ähnlichen Weg gehen auch einige Hersteller, die ehemalige System-Apps in den Play Store auslagern - diese können dann einfacher aktualisiert werden, ohne gleich das ganze System zu updaten.

Ein guter Ansatz, der aber bisher wenig Wirkung zeigt: Am 9. Januar 2017 hatten nur 0,7 Prozent aller aktiven Android-Geräte bereits Nougat an Bord.

Fast nur eine Option

Frustrierend ist das lange Warten auf Updates für die Nutzer auch deshalb, weil mit einer Aktualisierung nicht nur neue Funktionen und Designs, sondern auch wichtige Sicherheits-Updates verteilt werden. Wie bei PC-Betriebssystemen ist es deshalb wichtig, sein Smartphone möglichst auf dem neuesten Stand zu halten.

Wer Wert darauf legt, hat als Android-Nutzer derzeit leider kaum eine andere Option, als auf ein Google-Gerät zurückzugreifen, denn nur hier sind schnelle Updates garantiert. iPhone-Nutzer haben es dahingehend einfacher, denn bei Apple kommen Software und Hardware aus einer Hand. Updates müssen zudem nur an eine Handvoll technisch unterschiedliche Modelle angepasst werden. 

Quelle: n-tv.de