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Wie sieht Leben im All aus? Alle suchen und keiner weiß, wonach

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Woher kommt das Leben - und wie sieht es an anderen Orten aus? Wir können nur von dem ausgehen, was wir von unserer Erde kennen.

(Foto: DLR)

Gibt es Leben im All? Immer feinere Messgeräte und neue Missionen zu bislang unerforschten Orten sollen Klarheit darüber bringen, ob es fernab der Erde Leben gibt. Doch so einfach ist die Suche nicht. n-tv.de spricht mit dem Astrobiologen Ralf Möller über die Schwierigkeiten, die heißesten Kandidaten für außerirdisches Leben und darüber, wie seine Arbeit eigentlich aussieht.

n-tv.de: Herr Möller, Sie arbeiten als Astrobiologe. Das klingt nach einer sehr ungewöhnlichen Tätigkeit. Was muss man sich denn darunter genau vorstellen?

Ralf Möller: Es gibt zwei wichtige Arbeitsfelder. Zum einen erforschen wir das Unbekannte und das Extreme - auch hier auf der Erde. Wir untersuchen zum Beispiel, wie sich Mikroorganismen gegenüber extremen Umweltbedingungen verhalten. Es gibt Organismen auf der Erde, die eine Strahlung überleben können, an der der Mensch schon tausendmal gestorben wäre. Solche Keime sind für uns interessant, denn wenn wir auf unsere Nachbarn schauen - Venus oder Mars -, dann herrschen dort extreme Bedingungen. Wir fragen uns: Gibt es Keime, die wir schon kennen, die so etwas überleben können? Zum anderen versuchen wir herauszufinden, wie Keime beseitigt werden können - denn alles, was unseren Planeten auf dem Weg zu anderen Himmelskörpern verlässt, muss steril sein. Wir können natürlich nichts mitbringen, wenn wir etwa auf dem Mars nach Leben suchen.

Bleiben wir noch einen Moment auf unserem Planeten: Wie entstand denn das Leben auf der Erde?

Dazu gibt es ein paar Theorien. Ein Beispiel für eine gängige Idee wäre die sogenannte Panspermia-Theorie. Sie besagt, dass das Leben etwa durch Meteoriten auf unsere Erde gekommen ist. Ein Faktor, der diese Theorie stützt, ist, dass wir heute wissen, dass in der frühen Entwicklungsphase der Erde viele Meteoriten einschlugen. Heute sind es deutlich weniger.

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Dr. Ralf Möller ist Mikrobiologe und arbeitet am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln in der Arbeitsgruppe Astrobiologie der Abteilung Strahlenbiologie.

(Foto: Privat)

Aber dann muss das Leben ja woanders entstanden sein und es stellt sich dieselbe Frage.

Richtig. Wir wissen aus neueren Forschungen, dass es in vielen warmen Bereichen - zum Beispiel warmen mineralhaltigen Quellen - bestimmte Eisen-Schwefelverbindungen gibt, an denen sich verschiedene organische Moleküle anhaften können. Vermutlich ist also die Vorstellung, dass das Leben irgendwann als organische Brühe in einem warmen Tümpel wo auch immer entstanden ist, gar nicht so falsch. Dieser Gedanke wird auch weiter konkretisiert. Es gibt immer wieder neue Studien, die erklären, wie viele Moleküle man nun genau braucht, damit Leben - oder Vorstufen davon - entstehen kann.

Angenommen, das wäre alles an einem anderen Ort als der Erde passiert. Könnten die Organismen eine so strapaziöse Reise durchs All überhaupt überleben?

Dazu gibt es tatsächlich Untersuchungen. Wenn Mikroorganismen vor UV-Strahlung geschützt sind, etwa im Innern eines Meteoriten, dann würden sie das wunderbar überleben, das konnte in mehreren Weltraumexperimenten gezeigt werden. Problematisch wäre aber auch der Eintritt in die Erdatmosphäre - da sind die Organismen dann extrem hohen Temperaturen ausgesetzt. Das wird ein bisschen zum Zahlenspiel: Wie groß ist der Meteorit? Ist Eis mit dabei oder ist es nur Gestein? Ist der Organismus außen oder innen? Es ist aber nicht unmöglich. Auch den Einschlag können Mikroorganismen überleben. Im Rahmen eines Forschungsprojektes haben wir das mit Bakteriensporen getestet. Die sind danach zwar geschädigt - aber am Ende reicht ja ein lebensfähiger Keim, der sich exponentiell vermehrt.

Es wird intensiv nach Leben im All gesucht. Wo ist derzeit der heißeste Kandidat für außerirdisches Leben?

Es gibt mehrere interessante Kandidaten. Der wichtigste und meiner Meinung vielversprechendste ist der Mars. Dort haben wir schon viele erfolgreiche Missionen absolviert und Experimente durchgeführt. Man kann zeigen, dass es dort in der Vergangenheit Wasseraktivität gab - und man vermutet, dass es sie auch aktuell noch in verschiedenen Regionen geben könnte. Verschiedene Experimente und Beobachtungen zeigen: Mikroorganismen könnten dort überleben. Gute Kandidaten sind auch die Eismonde des Jupiter und Saturn. Zum Beispiel Europa. Dort haben wir Wasser. Wir wissen auch, dass das Wasser aktiv ist. Genauere Daten fehlen uns dazu aber noch.

Ob Mars oder Europa – was macht denn die Suche so schwierig?

Wir haben ein grundsätzliches Problem - die Frage nämlich, wonach wir eigentlich schauen müssen. Wir wissen nur, wie das Leben auf der Erde aussieht. Und wir können nur Mutmaßungen darüber anstellen, wie es entstanden sein könnte und wie es gegebenenfalls nach unserem irdischen Modell auf anderen Himmelskörpern aussehen könnte.

Gibt es keine Methoden und Modelle, so etwas zu simulieren?

Wir gehen in der Astrobiologie sehr methodisch an die Sache heran. Wir wissen, dass es auf einem Planeten in unserem Sonnensystem Leben gibt - unserem eigenen. Und wir wissen, dass es auch in Bereichen Leben gibt, von denen man lange gedacht hat, dass sie steril seien. Auch wenn wir dann über höhere Entwicklungen reden, laufen wir derzeit eigentlich der Suche nach einer Kohlenstoffchemie hinterher, die sich bei uns durchgesetzt hat. Aber wir können viele Dinge ja nicht ausschließen.

Wenn man sich Außerirdische vorstellt, hat man ein bestimmtes Bild im Kopf. Gibt es denn handfeste Faktoren, von denen das Aussehen von Lebewesen oder deren Fortbewegung abhängt?

Das sind natürlich enorm viele - zum Beispiel die Schwerkraft. Das sieht man ja schon, wenn man sich Prozesse in der Schwerelosigkeit, etwa bei Astronauten auf der ISS, anschaut. Da verändert sich der Flüssigkeitshaushalt. Auf der Erde ist die Flüssigkeit hauptsächlich in den Beinen - in der Schwerelosigkeit ist das anders. Dann verändern sich die Knochen, der Stoffwechsel, die Muskeln - und viele andere Dinge. Einfach nur aufgrund der Physik. Wie würde eine Generation auf dem Mars aussehen - wäre die klein und dick und rund oder groß und lang? Für unsere Suche nach Leben spielen solche Fragen aber keine Rolle, denn wir suchen nach dem ganz Kleinen. Das hat aber den Vorteil, dass wir alles, was größer ist, auch sehen würden.

Mit Ralf Möller sprach Fabian Maysenhölder

Quelle: n-tv.de

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