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Leben ist "sehr wahrscheinlich" Auf dem Mars gibt es flüssiges Wasser

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Steilhänge auf dem Mars: Hier fließt im Sommer Wasser - sagen Messdaten.

NASA/JPL/University of Arizona/dpa

Das also war das große Mars-Geheimnis, das die Nasa heute lüften wollte: Es spricht einiges dafür, dass es flüssiges Wasser auf dem Mars gibt - zumindest zeitweise. Bei der Suche nach Leben auf dem roten Planeten geben sich die US-Forscher nun zuversichtlich.

Die Nasa machte es spannend: Das Mars-Rätsel sei gelöst, kündigte sie an und lud zu einer Pressekonferenz. Doch um welches Rätsel es konkret gehen sollte, verriet sie nicht. Dabei birgt der Rote Planet – so viel wir inzwischen auch über ihn wissen – durchaus mehr als ein Geheimnis. Geht es um Wasser auf dem Mars? Geht es um Methan? Geht es gar um Leben fernab der Erde?

Die Katze ist aus dem Sack. Im Fachblatt "Nature Geoscience" berichten die Forscher um Lujendra Ojha vom Georgia Institute of Technology in Atlanta, einem der Teilnehmer der Nasa-Pressekonferenz, was sie auf dem Mars entdeckt haben. Das Thema ist Wasser. Wahrscheinlich, so die jüngste Erkenntnis, gibt es auch heute noch flüssiges Wasser auf dem Mars.

Nun gebe es erstmals den Nachweis eines Wasservorkommens auf dem Mars, sagt Ojha auf der Pressekonferenz. Damit "revolutioniert sich unser Verständnis des Planeten", kommentierte Jim Green die Entdeckung, bei der Nasa Chefwissenschaftler der Planetenforschung. "Der Mars ist nicht der trockene Planet, für den wir ihn gehalten haben."

Da fließt doch was

Zu diesem Fazit gelangten die US-Wissenschaftler mithilfe von Messdaten der Nasa-Raumsonde "Mars Reconnaissance Orbiter", kurz MRO. Die Kamera dieses Orbiters hatte Erosionsrinnen aufgenommen, die sich zwischen 2006 und 2009 sichtbar verlängerten. Schon Forscher der Universität Münster hatten diese Rinnen 2010 als Hinweis auf versickerndes, flüssiges Wasser interpretiert. Später vermutete man, sie könnten auch durch Kohlendioxid entstanden sein.

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Hinter dieser Struktur vermutete man schon 2006 fließendes Wasser.

(Foto: NASA)

Die Forscher um Lujendra Ojha nun nahmen abermals die auffälligen Fließstrukturen unter die Lupe, die sich im Sommer regelmäßig an manchen Steilhängen auf dem Mars formen. Die in der Regel nur wenige Meter schmalen Rinnen entstehen, wenn die Temperaturen an den Hängen über minus 20 Grad Celsius klettern und immer wieder auch den Gefrierpunkt übersteigen. Sie könnten, so spekulierten die Forscher, von flüssigem Wasser stammen, dessen Gefrierpunkt und Verdunstung durch Salze erheblich herabgesetzt wurde. Dieses Wasser könnte von Eis abschmelzen, das unter dem Marsboden vermutet wird, oder von den Salzen aus der dünnen Marsluft gebunden werden.

Einzelne Pixel ausgewertet

Diese Spekulation sehen die Wissenschaftler jetzt durch neue Datenauswertungen bestätigt. Dass bislang keine Signatur von Wasser oder Salzen an den Fließstrukturen gefunden werden konnte, liegt an der Ortsauflösung des Spektrometers, mit dem die MRO-Sonde die chemische Zusammensetzung des Marsbodens untersucht hat. Die Auflösung ist nicht fein genug. Das Spektrometer kann maximal 18 Meter große Bereiche pro Bildpunkt (Pixel) unterscheiden, und für die Auswertung müssen normalerweise die Werte von mehreren Pixeln kombiniert werden.

Für die neue Analyse jedoch entwickelten Ojha und seine Mitarbeiter ein Verfahren, mit dem sich einzelne Pixel des Spektrometers auswerten lassen. In sorgfältig ausgewählten Bildpunkten, die überwiegend von Fließstrukturen ausgefüllt werden, zeigte sich dabei tatsächlich die Signatur typischer Salzhydrate - also Kristalle, die eingeschlossenes Wasser enthalten. In der Umgebung fanden sich die Signaturen nicht. Diese Beobachtung machten die Forscher bei Fließstrukturen an vier verschiedenen Orten auf dem Mars. Das lege sehr nahe, dass die Fließstrukturen von einer Salzlauge geformt würden, heißt es in "Nature Geoscience".

Wahrscheinlichkeit für Leben hoch

Was jetzt noch aussteht, ist der direkte Nachweis des flüssigen Wassers. Auf dem Mars wurden bereits verschiedene Wassereisvorkommen und zahlreiche Hinweise auf ausgetrocknete Gewässer gefunden. Flüssiges Wasser selbst hingegen wurde bislang nicht direkt beobachtet. Sollte es entdeckt werden, drängt sich eine Frage, die die Menschheit schon lange beschäftigt, sofort in den Vordergrund: Gibt oder gab es Leben auf dem Mars?

Bei der Frage eines Journalisten auf der Nasa-Pressekonferenz, ob sie nach dieser Entdeckung Leben auf dem Mars für wahrscheinlich hielten, waren sich die versammelten Wissenschaftler weitgehend einig: Wo es Wasser gebe, da sei auch die Wahrscheinlichkeit für Leben hoch. "Das zeigt allein schon das Beispiel Erde", sagte Jim Green. Der Planetenforscher Alfred McEwen von der Universität Arizona hält Leben auf dem Mars sogar für "sehr wahrscheinlich". Ein Beweis dafür steht jedoch noch aus - doch nun wissen die Forscher wenigstens schon mal, wo sie suchen müssen.

Quelle: n-tv.de, asc/kst/dpa

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