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Leben vor 3400 Jahren Bronzezeit-Dänin kam aus dem Schwarzwald

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Vom Körper der jungen Frau sind Haare, Zähne, Nägel, Haut und Teile des Gehirns erhalten geblieben.

(Foto: Roberto Fortuna/Dänisches Nationalmuseum, Kopenhagen)

3400 Jahre ist es her, dass in einem hohlen Baumstamm im dänischen Dorf Egtved ein Mädchen bestattet wird. 1921 findet man seine Überreste. Deren Analyse zeigt nun: Bronzezeit-Menschen waren erstaunlich mobil - vor allem, wenn es ums Heiraten ging.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Bronzezeit-Tote in Dänemark entdeckt. Wissenschaftler nannten sie "Das Mädchen von Egtved". Nun, etwa 3400 Jahre nach dem Tod der jungen Frau im Alter von 16 bis 18 Jahren, untersuchten Forscher die gut erhaltenen Überreste der Verstorbenen. Sie analysierten Zahnschmelz, Haare und Nägel und erfuhren dabei einiges über das Leben des Mädchens: Offenbar stammte es aus dem Schwarzwald. Das berichtet das internationale Forscherteam im Fachmagazin "Scientific Reports". In den beiden Jahren vor ihrem Tod reiste die junge Frau den Analysen zufolge viel umher. Das lässt den Schluss zu, dass die Menschen der Bronzezeit sehr mobil waren und auch lange Strecken in kurzer Zeit zurücklegten: In 15 Monaten brachte es das Mädchen auf 2400 Kilometer.

Die in eine Rinderhaut gewickelte Leiche war 1921 in dem dänischen Dorf Egtved in einem hohlen Baumstamm gefunden worden. Das Mädchen war aufwendig in einem Eichensarg bestattet worden. Bei ihrem Begräbnis trug die junge Frau einen Rock und eine Bluse aus Wolle und war mit Ohrringen und Armreifen geschmückt. Ihr Körper war mit einer Wolldecke bedeckt. Kleidung, Grabbeigaben und die aufwendige Bestattung lassen vermuten, dass das Mädchen einer gehobenen Schicht angehörte, schreiben die Wissenschaftler um Karin Margarita Frei vom Dänischen Nationalmuseum in Kopenhagen. Von ihrem Körper seien Haare, Zähne, Nägel, Haut und Teile des Gehirns erhalten geblieben.

Strontium-Isotope verraten die Herkunft

In einigen dieser Überreste analysierten die Wissenschaftler nun das Strontium-Signal. Strontium ist natürlicherweise in der Erdkruste und im Wasser zu finden, und zwar in verschiedenen Varianten, sogenannten Isotopen. Das Verhältnis verschiedener Strontium-Isotope unterscheidet sich von Region zu Region. Menschen nehmen mit der Nahrung und mit Wasser Strontium auf, das sich dann in Haaren, Nägeln oder Zähnen ablagert. Die Strontium-Signatur verrät damit etwas über die Herkunft eines Menschen.

In diesem Fall zeigte sie, dass das Mädchen nicht in Dänemark geboren wurde. Das Strontium-Signal passe hingegen gut zu einer Herkunft aus Südwest-Deutschland, womöglich aus dem Schwarzwald, so die Forscher. Darauf wiesen auch die Kleider der Toten hin. "Die Schafe, von denen die Wolle stammte, haben auf Weiden gegrast, die den geologischen Eigenschaften des Schwarzwalds entsprechen", versichert Frei.

Zweck-Ehe verlangte Mobilität

Warum das Mädchen den weiten Weg nach Dänemark auf sich nahm, erklärt Ko-Autor Kristian Kristiansen von der schwedischen Universität Göteborg: "Im Westeuropa der Bronzezeit waren Süddeutschland und Dänemark zwei Machtzentren, ähnlich wie Königreiche", erläutert er. "In den archäologischen Funden gibt es viele direkte Verbindungen zwischen beiden Regionen, und ich vermute, dass das Egtved-Mädchen aus Süddeutschland stammte und mit einem Mann in Jütland verheiratet wurde, um eine Allianz zwischen zwei mächtigen Familien zu bilden."

Dass sie zwischen den beiden Regionen pendelte, legen die Analysen verschiedener Abschnitte ihres langen Haares nahe. Demnach war das Mädchen etwa 13 bis 15 Monate vor seinem Tod an einem Ort, der die gleiche Strontium-Signatur wie sein Geburtsort besaß. Für 9 bis 10 Monate hielt es sich dann wahrscheinlich in Dänemark auf, bevor es erneut in seine Heimat zurückkehrte. Erst etwa einen Monat vor seinem Tod kam es dann nach Egtved. – So präzise konnte bislang noch keine Wanderroute unserer prähistorischen Vorfahren verfolgt werden.

Quelle: n-tv.de, asc/dpa/AFP