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Großes Projekt noch für 2017 China will Mondgestein auf die Erde holen

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Vollmond über einem See in der chinesischen Provinz Jiangsu: China will den Mond erobern.

imago/ZUMA Press

China entwickelt immer mehr Ehrgeiz bei der Eroberung des Mondes. Nachdem kürzlich bereits ein einjähriges Testprojekt zum Leben auf dem Erdtrabanten startete, wird nun bekannt: Ein chinesisches Raumschiff soll Gestein vom Mond holen - in diesem Jahr noch.

Erstmals soll ein chinesisches Raumschiff Gestein vom Mond holen. Noch in diesem Jahr soll dafür eine unbemannte Mondlandung durchgeführt werden. Zuletzt war vor 41 Jahren mit dem sowjetischen Luna-24-Flug Mondmaterial zur Erde gebracht worden.

"Chang'e 5" soll in der sogenannten Mons-Rümker-Region landen, berichtete Liu Jizhong von Chinas Mondprogramm laut Nachrichtenagentur Xinhua auf einer Konferenz in Peking. Die im Durchmesser 70 Kilometer große Ebene heißt seit 1935 nach dem deutschen Astronom Karl Rümker (1788-1862). Als Starttermin wird bislang der November 2017 genannt.

Es wäre das erste Mal, dass ein chinesisches Raumschiff nach einer Mondlandung mit Mondgestein zur Erde zurückkehrt. Während beim letzten Flug der sowjetischen Luna-24-Mondsonde im Jahr 1976 nur 170 Gramm eingesammelt worden waren, hatten die Apolloflüge der USA zwischen 1969 und 1972 mehr als 360 Kilogramm Mondgestein zur Erde gebracht.

Erste Landung auf erdabgewandter Seite des Mondes

Im nächsten Jahr wird China zudem die erste Landung auf der erdabgewandten Seite des Mondes versuchen. Dafür kommt "Chang'e 4" zum Einsatz, ein bisher nicht benutztes Ersatzraumschiff für "Chang'e 3", das 2013 die erste unbemannte Mondlandung Chinas unternommen hatte.

China plant zudem eine erste bemannte Mondlandung. Sie soll in etwa 15 bis 20 Jahren stattfinden. Es werde "nicht lange dauern", bis das Projekt die offizielle Genehmigung und Finanzierung erhält, berichtete Yang Liwei, Chinas erster Astronaut und Vizedirektor des bemannten Raumfahrtprogramms, ohne einen Termin zu nennen. Die Missionen sind nach der chinesischen Mondgöttin "Chang'e" benannt.

Junge Chinesen leben wie auf dem Mond

Ein weiterer Schritt Chinas auf dem Weg zur Eroberung des Mondes hat vor Kurzem begonnen: In einer einjährigen Testphase sollen Studenten wie auf dem Erdtrabanten leben - in einem Labor. Vier Studenten der Pekinger Beihang-Universität für Weltraum-Forschung bezogen am 10. Mai das 160 Quadratmeter große Labor, genannt "Yuegong-1" oder "Lunar Palace" (Mondpalast), wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

In der von der Außenwelt völlig abgeschnittenen Kabine sollen die zwei Frauen und zwei Männer zunächst 60 Tage am Stück verbringen. Anschließend werden sie von einer zweiten Testgruppe abgelöst, die sogar 200 Tage in dem Labor bleiben soll. In der dritten Phase kehrt die erste Gruppe zurück, um nochmals 105 Tage in dem "Mondpalast" zu leben - insgesamt sind das genau 365 Tage.

Das Labor verfügt über zwei Module, in denen Pflanzen angebaut werden, sowie über einen Wohnbereich. In dem 42 Quadratmeter großen Raum befinden sich vier Betten, ein Gemeinschaftszimmer, ein Badezimmer, ein Raum für die Abfallaufbereitung sowie ein Raum für die Aufzucht von Tieren.

Die menschlichen Abfälle werden durch Bio-Gärung aufbereitet, die Pflanzen sollen mit Nebenprodukten aus Lebensmittelabfällen gedüngt werden. "Ich werde für die Aufbereitung von festen Abfällen und Urin zuständig sein sowie für das Schreddern von Stroh, Dreschen von Weizen und die Vorbereitung des Essens", erläuterte einer der Studenten im staatlichen Fernsehsender CCTV. Seine Kollegen sollen sich unter anderem um die Pflanzen, medizinische Betreuung und die Vorräte kümmern.

Um gegenüber den USA, der EU und Russland aufzuholen, steckt die Volksrepublik Milliarden in ihr Raumfahrtprojekt. Ziel ist es, bis zum Jahr 2022 eine eigene bemannte Raumstation aufzubauen - dann etwa soll die Mission der Internationalen Raumstation (ISS) enden.

Quelle: n-tv.de, abe/dpa/AFP

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