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Jing Haipeng (r) und Chen Dong bei ihrem ersten Gespräch mit der Erde am 15. November.
Jing Haipeng (r) und Chen Dong bei ihrem ersten Gespräch mit der Erde am 15. November.(Foto: imago/Xinhua)
Freitag, 18. November 2016

Frankreich, Russland, USA in ISS: Chinas "Shenzhou 11" schafft Rekordflug

Es ist derzeit einiges los im Weltall: Fünf Raumfahrer starten oder kehren von ihrer historischen Mission zurück. Frankreich ist im ISS-Fieber, China wiederum sieht einen weiteren Sprung zur führenden Raumfahrernation geschafft.

Nach dem bisher längsten bemannten Raumflug Chinas ist das Raumschiff "Shenzhou 11" wieder auf der Erde gelandet. Die Kapsel mit zwei Astronauten an Bord schwebte an einem großen Fallschirm zur Erde und setzte im nordchinesischen Grasland in der Inneren Mongolei auf den Boden auf, wie auf Live-Bildern des Staatssender CCTV zu sehen war.

Helikopter am Landeort von "Shenzhou 11".
Helikopter am Landeort von "Shenzhou 11".(Foto: imago/Xinhua)

Die Astronauten Jing Haipeng - der während der Reise seinen 50. Geburtstag feierte - und der 37-jährige Chen Dong waren am 17. Oktober ins All aufgebrochen. Einen Großteil ihrer 33-tägigen Reise verbrachten sie in Chinas neuem Raumlabor "Tiangong 2", wo sie wissenschaftliche Experimente durchführten und Technologien testeten, die für noch längere Aufenthalte im All gebraucht werden. CCTV zeigte Bilder, wie die Astronauten kurz nach der Landung die Luke öffneten und Bergungsmannschaften mit medizinischen Tests begannen.

Der Flug des "Magischen Schiffes" war "ein voller Erfolg", sagte der Kommandeur des Raumfahrtprogramms, Jiang Youxia. Die zwei Astronauten seien gesund zurückgekehrt.

Eigene Raumstation geplant

Die Experimente auf der Mission waren wichtige Voraussetzungen für den Bau einer eigenen chinesischen Raumstation, die um das Jahr 2022 herum fertig werden soll. Sollte die Internationale Raumstation (ISS) wie vorgesehen 2024 ihren Dienst einstellen, wäre China danach die einzige Nation mit einem permanenten Außenposten im All.

Erst Anfang November hatte China erstmals seine neue Rakete "Langer Marsch 5" für besonders schwere Last getestet, mit der die geplante Raumstation in die Erdumlaufbahn gebracht werden soll. Doch die Raumfahrt-Pläne der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt gehen noch weiter: 2021 will China erstmals mit einer Sonde auf dem Mars landen, für das Jahr 2024 wird eine bemannte Landung auf dem Mond angepeilt.

Großes Medienspektakel in China

Chinas sechster bemannte Flug ins All war in der Volksrepublik ein großes Medienspektakel. In einem Tagebuch, das über die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua verbreitet wurde, berichteten Jing Haipeng und Chen Dong unter anderem über den Versuch, Salat anzubauen und Experimente mit Seidenraupen. Auch beschrieben die beiden Astronauten ihr tägliches Fitness-Programm, für das es ein spezielles Laufband und ein Trimmfahrrad im Raumlabor gibt.

In dem neuen Labor können die zwei Astronauten länger als im Vorgängermodell leben. Auch hat "Tiangong 2" eine höhere Ladekapazität und lässt sich auftanken. Die Astronauten sollen es zudem bequemer haben - sie können sogar Fernsehprogramme von der Erde empfangen.

Die Sojus-Rakete beim Start in Baikonur.
Die Sojus-Rakete beim Start in Baikonur.(Foto: AP)

Nach dem Flug der Astronauten soll im April 2017 zunächst das erste Frachtschiff "Tianzhou 1" (Himmlisches Schiff) folgen, um Material zu liefern und das Raumlabor aufzutanken. Es wäre Chinas erster unbemannter, robotergesteuerter Nachschubflug.

Drei Raumfahrer zur ISS gestartet

In Kasachstan war zuvor bei beißender Kälte von etwa minus 15 Grad Celsius eine Sojus-Rakete mit Thomas Pesquet (Frankreich), Oleg Nowizki (Russland) und Peggy Whitson (USA) vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur abgehoben. Das Trio soll etwa sechs Monate im All forschen.

Der Flug zum Außenposten der Menschheit 400 Kilometer über der Erde dauert planmäßig zwei Tage. Die Kapsel soll in der Nacht zum Sonntag dort festmachen. Damit wird die 50. Besatzung auf der ISS komplett - in der Schwerelosigkeit arbeiten bereits die Russen Sergej Ryschikow und Andrej Borissenko sowie der US-Amerikaner Robert Shane Kimbrough.

Um beim Flug die Zeit zu vertreiben, hat Pesquet Spielkarten und Würfel eingepackt. "Ich werde mein Bestes tun, um meine Kollegen zu unterhalten", sagte er. Der charismatische 38-Jährige ist der zehnte Franzose im All. Staatschef François Hollande adelte ihn als "unseren besten Botschafter im All". Ähnlich wie der Deutsche Alexander Gerst, der 2014 auf der ISS war, ist Pesquet sehr aktiv in sozialen Netzwerken.

Quelle: n-tv.de