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Schiaparellis Crash geklärt Computerfehler zerstörte Mars-Lander

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In der Fallschirm-Phase des Landers sah tatsächlich noch alles gut aus. Doch kurz darauf nicht mehr.

(Foto: Esa Atg-Medialab M.Thiebaut/ESA/dpa)

Gut sieben Monate nach der Explosion des Esa-Landegerätes Schiaparelli auf dem Mars ist die Ursache abschließend geklärt: Mit 540 Stundenkilometern prallte der Lander auf die Oberfläche. Ein Fehler, den es beim nächsten Versuch zu vermeiden gilt.

Die Europäische Weltraumorganisation Esa hat den abschließenden Bericht zur Bruchlandung des Mars-Landegerätes Schiaparalli vom 19. Oktober 2016 veröffentlicht. Wie bereits eine Woche nach der missglückten Mission angedeutet, war ein Computerfehler an Bord des Landers schuld an seinem Absturz.

Nachdem sich Schiaparelli erfolgreich vom Orbiter TGO abgekoppelt hatte, war er drei Tage später in die dünne Mars-Atmosphäre eingetreten. Der Höllenritt bis zur weichen Landung sollte sechs Minuten dauern. Und tatsächlich lief einiges dabei nach Plan: Schiaparellis Hitzeschild tat seinen Dienst, und auch der Fallschirm öffnete sich. Außerdem sammelten Sensoren wissenschaftliche und technische Daten über die Atmosphäre des Planeten und auch über den Hitzeschutz des Gerätes. Die Messwerte wurden planmäßig in Echtzeit an den Orbiter TGO übertragen, der zu diesem Zeitpunkt gerade in eine geeignete Mars-Umlaufbahn einschwenken musste. Doch das Signal, das der TGO empfing, riss eine Minute zu früh ab.

Schiaparelli war gelandet, so viel stand fest. Doch in welchem Zustand, das war zunächst völlig unklar. Einen Tag später wusste man bereits: Es war die Fallschirm-Phase, die anders verlaufen war als erwartet. Eher als vorgesehen, wurde der Fallschirm abgeworfen, hieß es. Dann zündeten die Bremsraketen – allerdings weniger lang als sie sollten.

Aufprall mit rund 540 Stundenkilometern

Jetzt ist abschließend geklärt, dass das an einem Computerfehler lag. Die Software an Bord des Landers meldete widersprüchliche Berechnungen. Als sich der Fallschirm öffnete, ging die Navi-Software von einer falschen Höhe aus. Sie hielt die Landung in der Folge für bereits vollzogen, als Schiaparelli noch mehrere Kilometer über der Mars-Oberfläche schwebte.

Letztlich ist Schiaparelli mit einer Geschwindigkeit von rund 540 Stundenkilometern auf der Mars-Oberfläche aufgeschlagen und beim Aufprall explodiert. Der Mars Reconnaissance Orbiter der Nasa machte am Tag nach der Bruchlandung Aufnahmen von Schiaparellis geplantem Landeplatz – und dem nahegelegenen Ort, an dem er tatsächlich aufprallte. Die Bilder zeigten, dass der Fallschirm wie erwartet abgeworfen worden war. Doch sie zeigten auch weit verstreute Trümmerteile.

Der 28-seitige Bericht einer Kommission internationaler Wissenschaftler beschreibt nun im Detail, was mit Schiaparelli geschehen ist und spricht Empfehlungen aus, wie der Fehler künftig vermieden werden kann. Denn 2020 will die Esa einen Rover zum Mars schicken. Dann sollte die Landung glücken.

Quelle: n-tv.de, asc

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