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Gefahr für Ungeborene Delta-Variante kann Plazenta infizieren

Laut einer Studie in den USA kommt es durch Corona-Impfungen nicht zu vermehrten vorzeitigen Geburten.

Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch wird die Impfung dringend empfohlen.

(Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn/dpa)

Wie groß ist die Gefahr durch das Coronavirus für Schwangere und ihre ungeborenen Kinder? Das hängt vermutlich von der Variante ab, mit der sich die werdende Mutter infiziert. Für die Delta-Variante gibt es beunruhigende Studienergebnisse.

Nach dem Auftreten der Delta-Mutation des Coronavirus häufen sich plötzlich die Fälle, bei denen auch Schwangere schwer an Covid-19 erkranken. Forschende vermuten zunächst, dass das damit zusammenhängen könnte, dass die werdenden Mütter noch nicht geimpft sind. Doch nun können US-Pathologinnen und Pathologen Sars-CoV-2 in einer entzündlich veränderten Plazenta nachweisen. Ihre Studie wurde im Journal of Infectious Diseases veröffentlicht.

Andrea Edlow vom Massachusetts General Hospital in Boston und ihr Team berichten, dass es ihnen gelang, die Viren in der Plazenta von drei Schwangeren nachzuweisen. Die Schwangerschaften hatten jeweils innerhalb von 14 Tagen nach Krankheitsbeginn vorzeitig geendet: Zwei Frauen erlitten eine Fehlgeburt, die dritte Frau wurde in der 31. Schwangerschaftswoche entbunden. Das Kind hatte eine Übersäuerung des Blutes und erlitt ein Atemnotsyndrom, was die Ärzte allerdings auf die frühe Geburt zurückführten. Sars-CoV-2 konnte bei dem Neugeborenen nicht nachgewiesen werden.

Im November hatte bereits eine Studie der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) ergeben, dass das Risiko einer Fehlgeburt nach einer Corona-Infektion um das Vierfache ansteigt. Bei allen drei Frauen aus Massachusetts wurden in der Plazenta Entzündungszeichen gefunden. In den Trophoblasten, der Zellschicht, die für die Ernährung des Embryos sorgt, fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die RNA von Sars-CoV-2. Auch der PCR-Test am Plazentagewebe fiel positiv aus. Die Sequenzierung bestätigte, dass die Frauen mit der Delta-Variante infiziert waren. Das Virus wurde zudem in Blutproben der Schwangeren nachgewiesen.

Ungeborene nicht untersucht

Dies spricht dafür, dass Sars-CoV-2 die Plazenta infiziert hat. Die Viren waren auch auf der fetalen Seite der Plazenta nachweisbar. Weil die Pathologen die beiden verstorbenen Feten aber nicht obduzieren konnten, ist nicht gesichert, ob es wirklich zu einer Infektion des Ungeborenen gekommen ist. Bisher hatten Expertinnen und Experten angenommen, dass das Virus die Plazentaschranke nicht überwindet. Sie hatten das unter anderem daraus geschlossen, dass bisher kein Anstieg von Fehlbildungen festgestellt wurde, wie sie etwa bei Röteln oder beim Zika-Virus beobachtet wurden.

Edlow ist überzeugt, dass die Delta-Variante des Coronavirus für die Schwangerschaft eine größere Gefahr darstellt als frühere Varianten. In einer früheren Untersuchung des Teams von 64 Fällen waren keine Coronaviren im Blut oder in der Plazenta gefunden worden.

Expertinnen und Experten gehen inzwischen davon aus, dass Infektionen mit Sars-CoV-2 in der Schwangerschaft das Leben des Fötus gefährden können. Dies zeigt sich auch in einer Analyse von Sarah Stock von der Universität Edinburgh und Mitarbeitern in der COPS-Studie ("Covid-19 in Pregnancy in Scotland"). Die Forschenden konnten alle Schwangerschaften in Schottland mit dem Impfregister abgleichen. Dabei wurde deutlich, dass es eine erhöhte Rate von Todesfällen zwischen der 24. Schwangerschaftswoche und dem 28. Tag nach der Geburt (erweiterte perinatale Mortalität) gab. Sie lag bei Kindern, die innerhalb von vier Wochen nach der Corona-Infektion der Mutter (lebendig oder tot) geboren wurden, bei 22,6 pro 1000 Geburten. Unter normalen Umständen lag die Zahl während der Coronamonate bei 5,6 pro 1000 Geburten.

Nichtimpfung als Risiko

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Was die Zahlen aus Schottland auch zeigen: 77,4 Prozent aller Sars-CoV-2-Infektionen, 90,9 Prozent aller dadurch notwendigen Kranken­haus­einweisungen und 98 Prozent der folgenden Aufnahmen auf die Intensivstation sowie alle Todesfälle bei den Säuglingen entfielen auf schwangere Frauen, die zum Zeitpunkt der Covid-19-Diagnose nicht geimpft waren. In Schottland lag die Impfquote von Schwangeren bis zum 31. Oktober 2021 nur bei 32,3 Prozent verglichen mit 77,4 Prozent bei allen gleichaltrigen Frauen.

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) "Frauen im gebärfähigen Alter, insbesondere mit Kinderwunsch" die Impfung dringend, um "bei einer zukünftigen Schwangerschaft bereits ab Konzeption über die Schwangerschaft optimal gegen diese Erkrankung geschützt zu sein". Die Schwangerschaft gilt inzwischen als Risiko für eine schwere Erkrankung an Covid-19. Ungeimpfte Schwangere sollten sich zwischen der 14. und der 27. Schwangerschaftswoche impfen lassen. Diese Personengruppe soll demnach ausschließlich den Impfstoff von Biontech/Pfizer erhalten. Auch ungeimpften Stillenden wird die Impfung dringend empfohlen, das gilt ebenso für die Booster-Impfung.

Quelle: ntv.de

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