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Küssen verboten? Im Gegenteil! Die 10 größten Erkältungsirrtümer

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Zwischenmenschliche Zuwendung stärkt das Immunsystem.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Weder Kälte noch Küsse können zu einer Erkältung führen. Und hochdosiertes Vitamin C kann nichts an der Dauer einer Erkrankung ändern. Saunen nützt auch nichts, Rauchen ist sogar kontraproduktiv. Um die Erkältung, die eigentlich ein grippaler Infekt ist, ranken sich viele Irrtümer.

"Ich habe so sehr gefroren, dass ich mich erkältet habe" lautet ein vielgehörter Satz besonders im Winter - ein Irrtum!

Nur durch Kälte kann man nicht krank werden, sondern sich höchstens unterkühlen. Das kann im Extremfall sogar zum Tode führen. "Eine Erkältung hingegen ist streng genommen ein grippaler Infekt, der vor allem durch Viren ausgelöst wird", erklärt Benedikt Weißbrich, Virologe an der Universität Würzburg. Ein Frösteln oder Frieren ist meistens Vorbote einer Erkältung. Allerdings kann Kälte das Immunsystem an einigen Stellen schwächen. Die Gefäße der Schleimhaut in der Nase zum Beispiel ziehen sich bei Kälte zusammen und werden weniger gut durchblutet. Dadurch sind an diesen Stellen auch weniger Abwehrzellen als bei normalen Temperaturen und Krankheitserreger haben ein leichteres Spiel, sich dort anzusiedeln.

"Viel Vitamin C hilft bei einer Erkältung" – ein Irrtum!

Obwohl es anders suggeriert wird, kann eine vermehrte Aufnahme von Vitamin C während der Erkältung nichts ausrichten. "Das haben zahlreiche Studien bewiesen", so Weißbrich. Die erhöhte Zufuhr von Vitamin-C-Präparaten ist auch deshalb sinnlos, weil überschüssiges Vitamin C einfach aus dem Körper ausgeschieden wird. Allerdings sollten erkältete Menschen besonders auf eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung achten. Auch wärmende Getränke sind zu empfehlen. Alkohol allerdings ist den Krankheitsverlauf betreffend kontraproduktiv, denn er schwächt das Immunsystem.

"Ich bin erkältet und küsse dich lieber nicht, damit ich dich nicht anstecke!" – ein Irrtum!

Ein grippaler Infekt wird durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion weitergegeben. Nachdem man sich geküsst hat, auch nach einem leidenschaftlichen Kuss, werden Viren über den Mund direkt in den Darmtrakt transportiert und dort unschädlich gemacht. Zudem stärkt zwischenmenschliche Zuwendung das Immunsystem.

"Ich war in diesem Jahr schon drei Mal erkältet, also bin ich immun!" – ein Irrtum!

"Es gibt Tausende von verschiedenen Erregern, die einen grippalen Infekt auslösen können, so dass es keine Immunität gegen eine Erkältung geben kann", erklärt Weißbrich. Ein Großteil dieser Erreger sind die sogenannten Rhinoviren. Darüber hinaus können aber auch Entero-, Corona- oder Adeno-Viren zu einer Infektion führen. Allerdings hat es das Immunsystem leichter, wenn der neue Erreger einem Erreger aus der Vergangenheit ähnelt.

"Eine Erkältung kommt drei Tage, steht drei Tage und geht drei Tage" – ein Irrtum!

"Jede Erkältung ist anders", betont der Virologe. Wie stark die Symptome sind und wie krank man sich bei einer Erkältung fühlt, hängt von mehreren Faktoren ab. Die Art der Erreger sowie die gesundheitliche Konstitution und Immunitätslage des Betroffenen vor der Erkrankung spielen eine wesentliche Rolle.

"Ich gehe regelmäßig in die Sauna, treibe Sport und ernähre mich gesund. Ich kann mich nicht erkälten" – ein Irrtum!

Saunagänge, eine gesunde und ausgewogene Ernährung sowie regelmäßige Bewegung stärken das Wohlbefinden und damit das Immunsystem. Dennoch können sich Menschen, die diesen Lebensstil bevorzugen, mit Erkältungskeimen infizieren. Der Krankheitsverlauf bei Menschen mit besonderem Gesundheitsbewusstsein und gestärktem Immunsystem kann sich aber unter Umständen abmildern.

"Ich kann in der Sauna meine Erkältung ausschwitzen" – ein Irrtum!

Weder durch die Sauna noch durch ein heißes Wannenbad oder schweißtreibenden Sport kann man eine Erkältung ausschwitzen. Ist der Krankheitserreger erst einmal im Körper und vermehrt sich dort, muss der grippale Infekt ausgestanden werden. Es können sich verschiedene  Erkältungssymptome wie Halskratzen, Ohrenschmerzen, Schnupfen, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit einstellen. In diesem Stadium sollte man sich weder besonders belastenden noch schweißtreibenden Angelegenheiten hingeben. Ein heißes Bad jedoch fördert das Wohlempfinden und kann die Symptome lindern. Bei Fieber sollte man aber darauf verzichten.

"Echinacea und Zink beugen einer Erkältung vor" - ein Irrtum!

Wenn es für das persönliche Wohlbefinden gut ist, schadet es nicht. Ein vorbeugender Nutzen ist wissenschaftlich aber nicht bewiesen.

"Ich benutze regelmäßig Desinfektionsmittel nach dem Händewaschen, also stecke ich mich nicht an" – ein Irrtum!

Auch wenn der hohe Alkoholgehalt in den Desinfektionsmitteln die Viren abtötet, ist man nicht vor einer Erkältung geschützt. Die Erkältungserreger verbreiten sich auch über die Luft. Niest ein erkälteter Mensch in der Nähe, dann könnten die Viren einfach eingeatmet werden. Eine Ansteckung entweder durch Tröpfchen- oder durch Schmierinfektion kann aber auch anders erfolgen. In gut geheizten Räumen mit geringer Luftfeuchtigkeit haben die Keime die Möglichkeit, mehrere Stunden zu überleben. Auf Türklinken, Telefonen oder Tastaturen lauern die Krankmacher auf ihre Opfer. Schnell hat man eine Hand an der Nase oder den Augen und schon ist es passiert. Regelmäßiges Händewaschen, das Vermeiden des Händeschüttelns und das Niesen in die Armbeuge sind hervorragende Vorbeugungsmaßnahmen. Zudem sollte man sich so wenig wie möglich ins Gesicht fassen.

"Ich rauche eine, dann werden die Erreger schon abgetötet" – ein Irrtum!

Der Rauch einer Zigarette vermindert die natürliche Reinigungsfunktion der Schleimhäute. Schon beim ersten Zug an der Zigarette bewegen sich die Flimmerhärchen an den Schleimhäuten wesentlich weniger, so dass die Erkältungserreger wesentlich schlechter aus dem Körper abtransportiert werden können. Dieser Effekt ist nicht nur bei Rauchern, sondern auch Passivrauchern zu beobachten.

Quelle: ntv.de