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Wie beim Lachen, Tanzen, Singen Filmdramen lassen Endorphine fließen

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(Foto: picture alliance / dpa)

Dramen sind bei Kinogängern und Theaterfans beliebt. Doch warum geben Menschen Geld aus und opfern ihre Freizeit für das Miterleben von menschlichem Leid? Die Antwort finden Psychologen bei den körpereigenen Schmerzmitteln.

Gemeinsames Schauen von Filmdramen erhöht die Schmerzschwelle und stärkt den Zusammenhalt von Gruppen. Die emotionale Erregung kurbele im Gehirn den Ausstoß von Endorphinen an, schließen Psychologen der englischen University of Oxford aus einer Reihe von Experimenten. Damit ähnele dies dem Effekt von Singen, Tanzen und Lachen.

Erzählungen und Dramen seien ein wichtiger Teil menschlicher Gesellschaften, schreibt das Team um Robin Dunbar im Fachblatt "Open Science" der britischen Royal Society. Für solche Erfahrungen gäben Menschen beträchtlich viel Geld aus, etwa beim Besuch von Theater oder Kino. Dies gehe zurück auf jene Zeit, als Wildbeuter zusammen am Lagerfeuer Geschichten lauschten. "Gemeinsames Wissen ist ein Teil jenes Mechanismus, der Freunde wie auch Gemeinschaften verbindet", schreibt das Team.

Drama oder Dokumentarfilm

Um dies zu prüfen, zeigten die Forscher 68 Teilnehmern den Fernsehfilm "Stuart: A Life Backwards" - die Tragödie zeigt das Leben eines psychisch labilen und obdachlosen Straftäters seit seiner Kindheit. Die Männer und Frauen sahen das Drama in Gruppen von etwa einem Dutzend Menschen. Zum Vergleich sahen Kontrollgruppen zwei Dokumentarfilme.

Befragungen vor und nach den Filmen zeigten, dass die Tragödie das Zusammengehörigkeitsgefühl der Zuschauer deutlich stärkte - die Dokumentationen dagegen nicht. Im sogenannten Wandsitz-Test - ein Teilnehmer nimmt mit dem Rücken an einer Wand eine Sitzposition ein, allerdings ohne Stuhl - prüften die Forscher die Schmerzschwelle der Teilnehmer.

Erst Endorphine, dann Gruppengefühl

Das Filmdrama erhöhte die durch den Test ermittelte Schmerzschwelle um etwa ein Viertel - von rund 79 Sekunden vor dem Film auf etwa 100 Sekunden danach. Auch hier fanden die Forscher in der Kontrollgruppe keinen Effekt. Sie führen die erhöhte Schmerztoleranz auf Endorphine zurück, also schmerzlindernde Substanzen im Gehirn. Damit ähnele die Wirkung von Filmdramen der von Tanzen, Singen oder Lachen, betonen sie. Das Team vermutet, dass das Schauen des Films zuerst die Endorphine aktiviert und dadurch dann das Gruppengefühl stärkt.

"Die Tatsache, dass das Schauen eines emotional aufwühlenden Dramas das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe stärkt, legt nahe, dass unsere Begeisterung für diese Art von Geschichten sich in Zusammenhang mit sozialen Gruppen entwickelt hat", schreibt das Team. Dieser Effekt stelle sich vermutlich auch beim Hören erzählter Geschichten ein.

Quelle: ntv.de, Walter Willems, dpa