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Bis zu 10.000 ausgebrannte Sonnen Forscher entdecken riesigen Sternenfriedhof

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Milchstraße in Bewegung: Jährlich entstehen zahlreiche neue Sterne, andere sterben oder verlassen die Galaxie.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Im Zentrum der Milchstraße befindet sich ein großes Schwarzes Loch, so viel ist bekannt. Was in der näheren Umgebung passiert, haben nun Astronomen herausgefunden. Die Bilder des Röntgensatelliten NuStar geben Einblicke in das Herz unserer Galaxie.

Astronomen haben im Zentrum der Milchstraße Hinweise auf einen großen Sternenfriedhof erspäht. Bis zu 10.000 ausgebrannte Sonnen könnten demnach diese Region bevölkern. Das schließen die Forscher um Kerstin Perez von der Columbia-Universität in New York aus neuen Aufnahmen im Röntgenlicht. Allerdings kämen auch andere Modelle für die Erklärung der Beobachtungen infrage, schreiben die Wissenschaftler im britischen Fachblatt "Nature".

Das Team um Perez hatte mit dem Röntgensatelliten NuStar die Zentralregion unserer Heimatgalaxie untersucht. Dank der hohen Detailschärfe des Weltraumteleskops konnten die Astronomen erstmals ein schwaches Leuchten im Bereich der energiereichen, sogenannten harten Röntgenstrahlung ausmachen, das zum galaktischen Zentrum hin immer stärker wird.

Die Detailschärfe von NuStar ist allerdings nicht gut genug, um einzelne Quellen der harten Röntgenstrahlung unterscheiden zu können. Spektrum, Leuchtkraft und räumliche Verteilung dieser Strahlung ließen sich jedoch gut mit einem bestimmten Typ Weißer Zwergsterne erklären, schreiben die Forscher. Weiße Zwerge sind ausgebrannte Sterne, die in sich zusammengestürzt und dabei sehr heiß geworden sind und nun langsam ausglühen. Manche Weißen Zwerge befinden sich in Doppelsternsystemen, saugen Materie von einem Begleiter auf und erleben wiederholt gewaltige Ausbrüche, wenn ihre Masse auf diese Weise einen Schwellenwert übersteigt.

Andere Erklärungen nicht ausgeschlossen

Die beobachtete Röntgenstrahlung passe gut zu einer Population von vergleichsweise schweren Weißen Zwergen mit jeweils mehr als 90 Prozent der Masse unserer Sonne, die sich in Doppelsternsystemen befinden, berichten die Astronomen. Für die gemessene Intensität müsste es 1000 bis 10.000 dieser Sternleichen in der untersuchten Region geben. Das seien rund 1000 Mal so viele wie angesichts der durchschnittlichen Häufigkeit dieses Typs Weißer Zwerge zu erwarten.

Alternativ könne die Röntgenstrahlung auch von anderen Sorten ausgebrannter Sterne erzeugt werden oder etwa durch Wechselwirkungen in Materiewolken, die vom zentralen Schwarzen Loch im Herzen unserer Milchstraße nach außen strömen. Diese Erklärungen seien allerdings schwieriger mit anderen Beobachtungen in Einklang zu bringen als die massereichen Weißen Zwerge, schreiben die Forscher. Welchen Ursprung die Röntgenstrahlung auch habe, die Beobachtungen enthüllten bislang unbekannte Prozesse im Zentrum unserer Heimatgalaxie.

Quelle: n-tv.de, ath/dpa